Der Top-Torjäger der 3. Liga wechselt zu Willem II Tilburg

Otschi Wriedt: Über die Niederlande zurück in die Nationalmannschaft

Otschi Wriedt schaffte mit dem FC Bayern 2 den Aufstieg in die 3. Liga.
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Otschi Wriedt schaffte mit dem FC Bayern 2 den Aufstieg in die 3. Liga.

Otschi Wriedt absolviert seine dritte Saison beim FC Bayern 2. Im Interview mit dem Kicker sprach er über die Zeit in München, seinen Wechsel und seine Ziele.

  • Otschi Wriedt wechselt nach dieser Saison zu Willem II Tilburg.
  • Der 25-Jährige lobt die Bayern-Youngster Zirkzee und Arp.
  • Mit guten Leistungen in der Eredivisie will er sich für die Nationalmannschaft Ghanas empfehlen.

München - Kwasi Okyere, genannt „Otschi“, Wriedt war 23 Jahre alt, als er 2017 zum FC Bayern 2 in die Regionalliga Bayern wechselte. Beim VfL Osnabrück hatte er in der Vorsaison in der 3. Liga gespielt, zwölf Tore erzielt und starke Leistungen gezeigt. Sicherlich gab es zahlreiche Angebote, auch aus höheren Ligen, doch der gebürtige Hamburger entschied sich für den Schritt zum Rekordmeister. Für viele war dieser schwer nachvollziehbar, doch für Wriedt genau der Richtige. „Ein Angebot vom FC Bayern kann man nicht so leicht ausschlagen“, erklärte er in einem Interview mit dem Kicker. Sein Plan war es, unter hervorragenden Bedingungen ein besserer Spieler zu werden. „Das ist mir gelungen, da genügt ein Blick auf meine Statistik“, sagte der Ghanaer.

Wriedt kam lediglich auf zwei Einsätze für die Profis

In den drei Spielzeiten beim FCB konnte der 25-Jährige in 90 Pflichtspielen für die zweite Mannschaft 64 Treffer erzielen. Allein in der aktuellen Spielzeit knipste der Stürmer 17 Mal, brach damit einen Vereinsrekord von Thomas Müller und führt die Törjäger-Liste der 3. Liga an. Zudem kann Wriedt zwei Einsätze für die Profis vorweisen. Unter Trainer-Legende Jupp Heynckes wurde er 2017, im Pokal in Leipzig und in der Bundesliga beim Auswärtsspiel gegen Borussia Mönchengladbach, eingewechselt. „Ist man einmal oben mit dabei gewesen, will man so schnell wie möglich wieder dorthin und arbeitet für dieses Ziel noch härter“, schilderte der Angreifer seine zusätzliche Motivation aus den beiden Partien. Für weitere Auftritte, oder gar eine Position als Backup von Robert Lewandowski hat es jedoch nicht gereicht. 

Leader der kleinen Bayern

Stattdessen agierte der 25-Jährige als einer der Leader einer jungen Bayern-Truppe. „Ich versuche, als erfahrenerer Spieler voranzugehen und Verantwortung zu übernehmen - auf dem Platz, aber auch in der Kabine“, hob der Torjäger hervor. Wriedt führt beim FC Bayern 2 die beste Offensive der 3. Liga an. Bislang erzielte die Hoeneß-Truppe 52 Tore. Zudem konnte man nach der Winterpause mit starken Leistungen überzeugen. Bis zur Corona-Pause waren die kleinen Bayern das beste Team der Rückrunde. „Unser Potenzial war schon zu Saisonbeginn ersichtlich, aber Erfahrung und Cleverness haben teilweise noch gefehlt“, erklärte Wriedt. Das habe sich nach einer umfassenden Analyse in der Winterpause geändert. Man habe das Augenmerk auf die defensive Kompaktheit gelegt. „Offensiv sind wir so gut, dass wir immer Tore schießen können“, stellte der Angreifer klar.

Lob für Bayern-Youngster Zirkzee und Arp

Dieses Lob ging auch an seine beiden jungen Sturm-Kollegen Joshua Zirkzee und Fiete Arp. „Ich versuche schon, ihnen zu helfen. Aber die Jungs haben so viel Qualität, viel mehr als ich in diesem Alter“, schwärmte Wriedt. Insbesondere Zirkzee wusste mit seinen Einsätzen und Toren bei den Profis zu überzeugen. Der Top-Torschütze zeigte sich erfreut über die Leistungs-Explosion des niederländischen Youngsters: „Sein Leistungssprung freut mich, er ist aufgrund seines Potenzials verdient. Bei den Profis wurde er ins kalte Wasser geworfen, hat das super gemacht und durch die Tore Selbstvertrauen bekommen. Ist der Knoten erst mal geplatzt, dann läuft es. Ich bin zuversichtlich, dass er seinen Weg geht und es bei den Profis packen kann.“

Auch vom deutschen Sturm-Talent Arp ist der 25-Jährige überzeugt: „Fiete hatte mit seinen Verletzungen einen schweren Start bei Bayern, ist aber ein Spieler mit sehr viel Qualität. Er hat sich gut in unsere funktionierende Mannschaft eingefügt, war direkt da, hat Tore geschossen und vorbereitet.“ Die aktuelle Corona-Pause sei daher besonders bitter für den 20-Jährigen.

Wechsel zu Willem II Tilburg

Zur neuen Saison wechselt Wriedt in die niederländische Eredivisie. Er habe gespürt, dass er bei den Profis des Rekordmeisters keine Chance mehr bekommen würde, was ihn jedoch nicht demotiviert habe. Vielmehr sah der Stürmer es als Chance, sich bei einem Verein wie Bayern ins Blickfeld zu spielen. „Am Ende ist es eine gute Lösung für alle, wenn sich ein Spieler durch gute Leistungen in eine 1. Liga verabschiedet“, stellte er klar. Bei Willem II Tilburg möchte der Torjäger den nächsten Schritt in seiner Karriere machen. „Die Gespräche mit dem Verein waren überragend. Die Mannschaft spielt einen attraktiven Fußball, das Stadion ist ein Hexenkessel. Eventuell qualifizieren sie sich sogar für die Europa League, das wäre ein Highlight“, berichtete der 25-Jährige begeistert.

Wriedt will sich für die Nationalmannschaft Ghanas empfehlen

Durch gute Leistungen in den Niederlanden will sich Wriedt für die Nationalmannschaft Ghanas empfehlen. Im Jahr 2018 kam er bereits zu zwei Kurzeinsätzen gegen Japan und Island. „Überzeuge ich in einer höheren Liga, rücke ich schneller wieder in den Fokus. Das Kapitel habe ich definitiv nicht abgehakt, ich möchte mich wieder empfehlen“, stellte der Angreifer klar. Sein Traum bleibt es, für sein Land an einer Weltmeisterschaft, oder dem Afrika-Cup teilzunehmen: „Jedes Kind träumt doch davon, bei einem solchen Ereignis eine ganze Nation stolz machen zu können.“

Text: Patrick Huljina

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