Ottmar Hitzfeld im tz-Interview

"Bayerns schwarzer Tag war der Unterschied"

+
Ottmar Hitzfeld.

Im tz-Interview spricht Ottmar Hitzfeld über seine Ex-Vereine Bayern und BVB und über die Weltfußballer-Wahl. Zudem erklärt er, warum er einen Podolski-Rücktritt nach der WM kritisch gesehen hätte.

Für ihn ist 2014 ein einschneidendes Jahr in seiner Karriere – weil er sie heuer beendet hat. Ottmar Hitzfeld hat mit der Schweiz bei der WM in Brasilien seine letzte Schlacht geschlagen, nun analysiert der ehemalige Trainer des FC Bayern und von Borussia Dortmund die Entwicklungen im Fußball. Die tz sprach mit ihm über seine Ex-Vereine und -Spieler.

Herr Hitzfeld, wer gewinnt die Champions League? 

Hitzfeld: Es gibt keinen Favoriten. Auf diesem Niveau entscheiden Kleinigkeiten und die Tagesform. Die derzeit weltbesten Mannschaften sind Real und Bayern. Beide Mannschaften sind unglaublich konstant. Im letzten Jahr hat Bayern im direkten Duell einen schwarzen Tag erwischt. Das war der Unterschied.

Ronaldo, Neuer oder Messi. Wer soll der Weltfußballer sein?

Hitzfeld: Ich hoffe auf Neuer. Ich finde es wäre an der Zeit, einem Torwart diese Ehre zu geben. Er hat das Spiel auf seiner Position auf eine andere Dimension gehoben. Durch sein offensives Verteidigen als „Libero“. Er ist der Prototyp des modernen Torwarts. Er hat es verdient. Aber Favorit ist Ronaldo. Weil er als Stürmer im Vorteil ist.

Oliver Kahn stand 2002 ebenfalls zur Wahl, verlor. Welcher Keeper war für seine Zeit prägender?

Hitzfeld: Man kann sie nicht vergleichen. Beide waren in ihrer Zeit überragend, aber unterschiedlich.

Warum ist kein deutscher Feldspieler in der Wertigkeit so weit oben? Kroos und Götze schossen die entscheidenden Tore zum WM-Triumph!

Hitzfeld: Kroos, Lahm, Götze. Und: Bastian Schweinsteiger. Er war der Held des WM-Finals. Er hat sich in diesem brutalen Gefecht aufgeopfert. Er hat unter Schmerzen in diesem Spiel den Prototypen des Mannschaftsspielers verkörpert. Auch er hat es verdient, Weltfußballer zu sein. Es wäre schön gewesen, wenn er in die engere Wahl gekommen wäre.

Herr Hitzfeld, hätte Lukas Podolski nach der WM wie Lahm, Klose, Mertesacker zurücktreten sollen?

Hitzfeld: Nein.

Warum?

Hitzfeld: Weil es schnell gehen kann. Und weil er wieder in die enge Auswahl Löws kommen wird, wenn er wechselt und wieder Stammspieler ist. Ich verstehe ihn, dass er nach der WM nicht auf die Nationalelf verzichtet hat. Dorthin zu kommen, ist immer etwas Besonderes. Ich hoffe, dass er wechselt und woanders wieder Stammspieler wird.

"Hauptsache Italien!" Legendäre Fußball-Sprüche

"Hauptsache Italien!" Legendäre Fußball-Sprüche

Kommen wir zum BVB, den Sie einst zum internationalen Topteam formten. Aktuell heißt es Abstiegskampf. Wie kommt die Truppe im neuen Jahr da raus?

Hitzfeld: Indem man Ruhe bewahrt. Und das tun die Verantwortlichen auch. Alle stehen zu Jürgen Klopp. Das ist das Wichtigste. Sie haben die Chance, noch in die internationalen Ränge zu kommen.

Braucht der Trainer Klopp eine Veränderung?

Hitzfeld: Das sehe ich nicht so. Klopp ist jung, er wird dieses Tief durchschreiten.

Muss man nicht fürchten, dass der Klub langfristig im Mittelmaß versinkt?

Hitzfeld: Nein. Borussia Dortmund bleibt der größte Gegner der Bayern in den nächsten Jahren.

Ist Matthias Sammer genau der Faktor, der das Kräfteverhältnis Bayern-BVB zu Gunsten des FC Bayern verändert hat?

Hitzfeld: Für mich geht es immer um den Trainer und die Mannschaft.

Ist die Bundesliga die stärkste der Welt?

Hitzfeld: Mit der Premier League. Spanien liegt etwas dahinter.

Denken Sie gerade jetzt in der Weihnachtszeit oft an Ihren verstorbenen Freund Jörg Berger?

Hitzfeld: Ja. Ein wunderbarer Mensch. Wir sind immer am Jahresende gemeinsam in Skiurlaub gefahren. Er hat uns alle positiv mitgerissen. Ich denke oft an ihn. Und in dieser Zeit besonders.

Interview: Markus Krücken

Auch interessant

Meistgelesen

Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Nach Ancelotti-Trennung: Inter will Vidal im Winter holen
Trotz Kantersieg des FC Bayern: Heynckes äußert sich kritisch
Trotz Kantersieg des FC Bayern: Heynckes äußert sich kritisch
Bayern empfängt Celtic: So knackt Jupp die Schotten
Bayern empfängt Celtic: So knackt Jupp die Schotten

Kommentare