Paul Breitner im tz-Interview

FCB-Image? "Wir sind in der absoluten Spitze"

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Paul Breitner

München - Im Interview mit der tz spricht Paul Breitner, Markenbotschafter des FC Bayern, über das Standing des FCB und Vermarktungsideen.

Herr Breitner, trotz kurzer Vorbereitung heißt es Promo-Tour statt Trainingslager. Die Reise scheint große Bedeutung zu haben…

Paul Breitner (62): Eine ziemlich große sogar. Der Soccer, wie die Amerikaner den Fußball nennen, wird in den Staaten immer beliebter und kommt in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt weg vom Image des Mädchensports. Inzwischen gibt es dort Millionen Fußballfans. Und dieses Feld wollen wir der Premier League und den Spaniern nicht alleine überlassen, sondern selbst dabei sein.

Der Zeitpunkt nach der erfolgreichen WM scheint dafür perfekt. 

Paul Breitner: Besser geht es nicht. Was der Amerikaner am meisten schätzt, sind Siegertypen. Es gibt keine bessere Empfehlung, als mit sechs Weltmeistern dort aufzutauchen.

Verkörpert der FC Bayern den Siegertyp? 

Paul Breitner: Als ich vor ein paar Monaten in Kuala Lumpur den Laureus-Award für den FC Bayern als beste Mannschaft entgegennehmen durfte, da habe ich gespürt: Wir sind in der absoluten Spitze angekommen. Nicht nur im Fußball, sondern in der großen Welt des Sports. Wir stehen auf einer Stufe mit den besten Klubs sämtlicher Sportarten auf allen Kontinenten. Jetzt müssen wir in den USA richtig Gas geben. Unsere Weltmeister sind dabei nicht nur ein Turbo-, sondern ein Bi-Turbo-Effekt.

Von dem die ganze Liga profitiert… 

Paul Breitner: Der FC Bayern ist wieder einmal Vorreiter. Was wir machen, ist unbezahlbar für die Liga.

Was ist auf dem US-Markt möglich?  

Paul Breitner: Sehr viel. Ich bin seit über 40 Jahren immer mindestens einmal im Jahr drüben, um zu sehen wie sich das Sportbusiness entwickelt. Wir sind mittlerweile ja Entertainer. Und wie dieses Geschäft funktioniert, da sind uns die Amis seit vielen Jahrzehnten voraus. Jetzt hat es den Anschein, dass der Fußball in Amerika in die Phalanx der großen Sportarten einbricht: Eishockey, Baseball, Football, Basketball. Da hieß es, der Markt ist gesättigt. Aber jetzt sieht es so aus, als könnten sie sich mit Händen und Füßen wehren – und sind machtlos.

Die Erschließung eines neuen Marktes scheint überfällig, wenn man sich im Vergleich die internationale Vermarktung der Premier League anschaut. 

Paul Breitner: Wenn ich sehe, dass der Letzte der Premier League durch die Fernsehvermarktung viel mehr Geld einnimmt als der FC Bayern, da frage ich mich: Wo sind wir denn? Wir sind die wichtigsten und besten Entertainer in unserem Land. Jeden Tag beschäftigen sich Millionen Menschen mit uns. Wir sind täglich präsent und die Nummer eins, wenn es um Unterhaltung geht. Das muss sich auch in den Zahlen, die über die TV-Einnahmen zurückkommen, ansatzweise widerspiegeln. Wie wir im Vergleich zu anderen großen Vereinen dastehen, ist lächerlich.

Hat die Liga bei diesem Thema zu lange geschlafen? 

Paul Breitner: Sie ist generell über all die Jahre zu fair geblieben und hat sich unter Wert verkauft. Ähnlich haben sich auch die Vereine bei den Verhandlungen um neue TV-Verträge verhalten. Sie waren bescheiden. Aber irgendwann muss die Ware, die die Vereine liefern, entsprechend honoriert werden. Ich bin mir sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird, bis diese Zahlen explodieren.

"Im Vergleich zu anderen großen Vereinen ist das lächerlich"

Wie kann die Liga neue Märkte denn erschließen? 

Paul Breitner: Es ist ihr zu wünschen, dass noch andere Vereine in den nächsten Jahre ähnliche Wege wie der FCB gehen. Ich persönlich wünsche mir, dass wir eine Möglichkeit schaffen, die in Italien oder England gang und gäbe ist. Und zwar, dass die DFL den ein oder anderen Klub auch während der Saison eine Reise nach Asien oder Amerika machen lässt. Wenn er ein oder zwei Spieltage versäumt, werden die nachgeholt. So ist man das ganze Jahr über präsent. Die Liga muss erkennen, dass es ganz wichtig ist, auch während der Saison die ein oder andere Mannschaft als Botschafter des deutschen Fußballs in die Welt zu schicken.

Um die Nachhaltigkeit dieser Aktivitäten zu garantieren?

Paul Breitner: Ja. Nur ständige Präsenz bringt uns nach vorne. Es muss nicht immer nur der FC Bayern sein, es können auch Vereine wie Dortmund, Schalke oder Leverkusen sein. Es reicht nicht, sich nur in der Vorbereitung blicken zu lassen. Wir müssen während der Saison präsent sein. Wenn die Leute mitfiebern, müssen wir in ihre Ligen hineinplatzen und das ein oder andere Spiel gegen die Topklubs vor Ort machen. Das ist die notwendige Ergänzung zu den Trips in der Vorbereitung. Natürlich brauchen wir mehr Luft, um für diese Nachhaltigkeit sorgen zu können. Da muss die DFL bereit sein zu sagen: Haut zwei Wochen ab. Denn wenn es in anderen Ligen geht, warum nicht auch bei uns?

Interview: Sven Westerschulze

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