Er kämpft für freies Katalonien

Hier spricht Guardiola bei einer Demo

+
Bayern Münchens Startrainer Pep Guardiola (M) verliest am 08.06.2014 vor dem Fernsehturm auf dem Alexanderplatz in Berlin nach dem Bau eines traditionellen katalanischen Menschenturms, eine Erklärung.

Berlin - Während sich die meisten Profis des FC Bayern auf die WM in Brasilien vorbereiten, hat sich Pep Guardiola in Berlin einem Thema außerhalb des Fußballs zugewandt.

Der Trainer nahm an einer Demonstration teil, die das Ziel hat, dass Katalonien von Spanien die Unabhängigkeit bekommt. Schon früher war der 43-Jährige als Kämpfer seiner Heimatregion aktiv.

Guardiola gilt zuhause als „katalanischer Idealbürger“, weil er in den Augen seiner Landsleute die katalanischen Tugenden Fleiß, Stolz, Leidenschaft perfekt verkörpert und als Trainer des FC Barcelona den Katalanismus wie kein Zweiter zuvor befördert hatte. Unter ihm sei der Klub „zu einer epischen Waffe eines Landes ohne Staat“ avanciert, sagte einst der katalanische Autor Manuel Vazquez Montalban, wobei „Waffe“ nur als Metapher zu sehen ist; im Gegensatz zu den Basken mit ihrer Terror-Organisation ETA verzichtet man auf Gewalt. Die Ambitionen werden „auf katalanische Art“ verfolgt, so Victor Alexandre, ein weiterer Autor. „Das bedeutet: Demokratisch, zivilisiert, friedlich. Niemand, der dieses Land liebt, hat etwas mit Gewalt am Hut.“ Katalanen charakterisieren sich gerne als bürgerlich, geduldig, grüblerisch – Attribute, mit denen man Guardiola gut skizziert.

Der Bayern-Coach stammt aus Santpedor. In den engen Gassen des 7000-Einwohner- Orts 70 Kilometer nordwestlich von Barcelona sprechen die Leute Katalan, auch die Straßenschilder sind in dieser Sprache gehalten. Die Senyera, Kataloniens Nationalflagge, hängt in Fenstern und Balkonen, und man ist stolz, dass man die Ehre hat, einst als „Carrer de Barcelona“ eingestuft worden zu sein. Diese Auszeichnung hat ihre Wurzeln im Mittelalter, sie brachte eine Reihe von Privilegien. Übersetzt bedeutet sie „Straße nach Barcelona“ – in jene Stadt, die Guardiolas Leben komplett veränderte.

Als Buben rief man ihn in Santpedor „tros de pa“, katalanisch für „Stück Brot“. Das ist ein Lob, es bedeutet „gut erzogenes Kind“. Der Sohn eines Maurermeisters hat sich seine Kinderstube bis heute bewahrt, und mit ihr die Ideale, mit denen er aufgezogen wurde. Niemals um eine Tasse Kaffee bitten, ohne etwas zu leisten, ist sein Credo, das Seelenheil retten durch Fleiß, Anstrengung, ehrliche Arbeit und ganzen Einsatz lautet der Ethos, an dem sich der katalanische Charakter orientiert. 2011 erhielt Guardiola die „Medalla d’Honor del Parlament de Catalunya“ in Gold, höchste Ehre seiner Heimat. In seiner Dankesrede sagte er: „Wenn wir früh aufstehen, sehr früh, und nachdenken, glaubt mir, sind wir ein Land, das nicht aufzuhalten ist.“

Guardiola ging auch am Nationalfeiertag am 11. September schon auf die Straße und unterschrieb Petitionen. Lieber als für Spanien hätte er wohl für eine Nationalelf Kataloniens gespielt, deutete er mal an: Er sei zufrieden mit der Karriere in der Auswahl, meinte er, „aber ich kann nicht vergessen, was ich liebe und fühle. In meinem Kopf und meinem Herz bin ich Katalonien verbunden, einem Land mit seiner eigenen Sprache seit mehr als 800 Jahren.“

Ferran Civit von der zivilgesellschaftlichen Bewegung „Assembla“ sagte einst: „Pep verkörpert die typischen Eigenschaften eines Katalanen: Kultiviert, mehrsprachig und offen für andere Kulturen. Kurzum: Er ist ein Weltbürger. Er ist unser bester Katalane.“ Und ein ausgezeichneter Botschafter. In Barcelona, in München – und in Berlin.

Andreas Werner

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Neuer Versuch: Zidane will Alaba zu Real locken
Goretzka: Angeblich gibt es eine Tendenz
Goretzka: Angeblich gibt es eine Tendenz
Transfergerüchte und aktuelle News: Welche Spieler sind beim FC Bayern München im Gespräch?
Transfergerüchte und aktuelle News: Welche Spieler sind beim FC Bayern München im Gespräch?
Kristin Demann soll auf Sicht Melanie Behringer beerben
Kristin Demann soll auf Sicht Melanie Behringer beerben

Kommentare