Fakten-Check zur Trainer-Debatte

Zu viele Spanier, zu wenig Titel: Wird Pep zurecht kritisiert?

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Pep Guardiola wirkt in diesen Tagen oft nachdenklich. 

München - Pep Guardiola steht beim FC Bayern derzeit stark unter Druck. Aber ist die Kritik an dem Spanier wirklich gerechtfertigt? Wir machen den Fakten-Check. 

Pep Guardiola hat es in diesen Tagen nicht leicht beim FC Bayern. Die Fans sind unzufrieden und auch das Verhältnis zum Verein scheint angespannt. 2016 läuft sein Vertrag aus, Fragen zu seiner Zukunft will Guardiola nicht mehr beantworten. Es ist eine heikle Situation, in der der Trainer mit vielen Vorwürfen konfrontiert wird. Doch was ist dran an all der Kritik? Wir nehmen die wichtigsten Streitpunkte unter die Lupe.   

Pep Guardiola und die Transfers: Zu viele Spanier beim FCB

Mit diesem Vorwurf wird Pep konfrontiert, seitdem er Thiago an die Isar geholt hat. Die Transfers von Juan Bernat, Pepe Reina und Xabi Alonso verstärken den Eindruck, Pep würde spanischen Spielern den Vorzug geben. Der Unmut der Fans beschränkt sich aber nicht auf die Spieler aus Peps Heimat. Auch die Verpflichtung von Arturo Vidal in diesem Sommer war höchst umstritten. 

Thiago kam auf ausdrücklichen Wunsch des Trainers an die Isar. 

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass sich der FC Bayern unter Pep Guardiola verändert hat. Am Anfang seiner Zeit beim FC Bayern genoss Pep dabei viele Freiheiten. "Thiago oder nichts" hieß es damals, aber seitdem hat sich der Tonfall geändert. Ein Beispiel: Torhüter Pepe Reina wurde auf Wunsch des Vereins geholt, obwohl Guardiola sich lieber einen deutschen Ersatz-Keeper gewünscht hätte. Auch im Fall von Xabi Alonso ging die Entscheidung von beiden Seiten aus. Und als Arturo Vidal in der Allianz Arena vorgestellt wurde, hieß es, der Verein habe sich jemanden mit genau jener Spielweise gewünscht, die der Chilene verkörpert. Wohlgemerkt: Der Verein, nicht der Trainer. 

Pep Guardiola und die "Mia san mia"-Identität

Hand in Hand mit der Kritik an der Transferpolitik geht der Vorwurf, Pep Guardiola würde den FC Bayern zu einem zweiten FC Barcelona umgestalten und dabei die münchnerische "Mia san mia"-Mentalität rücksichtslos zerstören. Besonders die Abgänge von Mannschaftsarzt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt und der Wechsel von Bastian Schweinsteiger befeuerten diese Debatte. "Pep und Sklave KHR: Ihr zerstört unseren Verein", war kürzlich auf einem Spruchband vor der Geschäftsstelle des FCB zu lesen. Auf der Pressekonferenz am Freitag wies Pep derartige Vorwürfe zurück: "Keine Angst, Bayern bleibt auch für die nächsten 100 Jahre ein deutscher Verein. Ich weiß, wie wichtig die Basis mit deutschen Spielern hier ist." 

Doch wirft man einen Blick auf den Kader der deutschen Nationalmannschaft, sieht das ganz anders aus: Dort finden sich mit Manuel Neuer, Jérôme Boateng, Thomas Müller und Mario Götze aktuell nur vier Profis vom FC Bayern. Zum Vergleich: Bei der Europameisterschaft 2012 waren es doppelt so viele. 

Allerdings muss man hier relativieren: Im Jahr 2014 wollte Pep Guardiola Toni Kroos unbedingt behalten. Der Verein wollte die Gehaltsforderungen des Spielers bei einer Vertragsverlängerung allerdings nicht erfüllen - und verkaufte den Spieler für 30 Millionen Euro an Real Madrid. Guardiola musste das akzeptieren. Auch bei Bastian Schweinsteiger ist bekannt, dass er lange davon träumte, in England spielen zu wollen.

Vom WM-Held zum Bankdrücker: Mario Götze. 

Natürlich stießen auch viele Spieler aus anderen Bundesligavereinen unter Pep Guardiola zum FC Bayern. Mario Götze, Robert Lewandowski und Sebastian Rode sind da beispielsweise zu nennen. Auffällig ist allerdings: Mit Ausnahme von Lewandowski konnte sich keiner von ihnen durchsetzen - und das ist Wind auf die Mühlen der Kritiker. 

Viele stellen sich außerdem die Frage, was nach Guardiola aus dem Kader werden soll. 2013 übernahm der Spanier einen intakten, funktionierenden Kader von Jupp Heynckes. Bei den vielen Rotationen und Umstellungen wird es für Guardiolas potentiellen Nachfolger eine schwierige Aufgabe, erneut ein solches Team zu formen.

Pep Guardiola und das Verhältnis zu den Spielern

Ein frustrierter Thomas Müller wurde gegen den VfL Wolfsburg ausgewechselt. 

Neben dem Verhältnis zum Verein allgemein sorgen auch Peps Entscheidungen am Spielfeldrand immer wieder für Unverständnis und Aufregung. Das war auch zuletzt beim Supercup-Finale gegen den VfL Wolfsburg der Fall. Beim Stand von 1:0 für die Münchner wechselte Guardiola kurz vor Schluss seinen besten Elfmeterschützen Thomas Müller aus. Der sonst so lockere Müller fand das gar nicht lustig: Er mied seinen Trainer nach der Auswechslung und klopfte stattdessen dem vierten Offiziellen auf die Schulter. Wenig später erzielten die Wölfe den Ausgleich und gewannen im Elfmeterschießen. Ein frustrierter Müller musste zuschauen - wie schon im Halbfinale des DFB-Pokals im vergangenen Jahr, als die Bayern an Borussia Dortmund im Elfmeterschießen scheiterte. 

In der Kommunikation mit den Spielern scheint es ebenfalls öfters Missverständnisse zu geben. Auch beim Supercup lies sich das beobachten: Wie üblich stand Guardiola wild gestikulierend am Spielfeldrand und holte Spieler wie Müller und Lahm immer wieder an die Außenlinie, weil die Spieler seine Anweisungen anscheinend nicht umsetzten. "Es ist der Auftakt der Saison und natürlich brauchen wir noch etwas Zeit", sagte Guardiola nach dem Spiel. Doch viel Zeit bleibt ihm nicht mehr, bis die Saison beginnt und seine Taktiken aufgehen müssen.  

Pep Guardiola und die Titel: Ein Double ist nicht genug

Mit dem herausragenden Triple-Gewinn 2013 hat Peps Vorgänger Heynckes die Latte fast unerreichbar hoch gehängt. An diese Erfolge konnte Guardiola in seinen ersten beiden Jahren beim FC Bayern nicht anknüpfen. In seiner ersten Saison holte er das Double, gewann den UEFA Super Cup und die FIFA Club-WM - und stellte nebenbei einen Bundesligarekord auf: Schon am 27. Spieltag standen die Münchner als Meister fest. Nur die Champions League warf einen Schatten auf Guardiolas Einstand: Im Halbfinale war gegen Real Madrid Schluss, im Rückspiel deklassierten die Königlichen die Münchner im eigenen Stadion mit 4:0. 

Auch mit Gurdiolas zweiter Saison beim FC Bayern waren weder der perfektionistische Trainer, noch die erfolgshungrigen Fans so recht zufrieden: In der Bundesliga dominierten die Münchner, doch in den anderen Wettbewerben scheiterte der Rekordmeister im Halbfinale. Das trübte die Stimmung bei der Meisterfeier auf dem Münchner Marienplatz spürbar. Denn ein Meistertitel zählt beim FC Bayern kaum noch etwas - selbst ein Double scheint nicht mehr genug. Das weiß auch der Trainer selbst.

Pep Guardiola und das Reizthema seiner Zukunft 

Pep Guardiola reagiert zunehmend gereizt auf Fragen nach seiner Zukunft. 

Nun beginnt Pep Guardiolas drittes Jahr beim FC Bayern, es könnte sein letztes sein, denn 2016 endet sein Vertrag. Bei den aktuellen Diskussionen um Pep Guardiola steht immer auch die Frage nach seiner Zukunft im Raum. 

Pep selbst ist mittlerweile so gereizt von dem Thema, dass er sich dazu gar nicht mehr äußern will. Bei einer Pressekonferenz vor dem Supercup erklärte Guardiola "das erste und letzte mal", es sei noch keine Entscheidung gefallen. Im ZDF-Sportstudio blockte er dann nach dem Spiel komplett ab: "Nächste Frage bitte."

Von Seiten des Vereins sprechen die Zeichen eher für einen Abschied. Während der Chinareise sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, es wäre kein Weltuntergang, wenn Guardiola nicht bleiben würde. Matthias Sammer ruderte allerdings zurück: Der Tonfall des Vereins sei keine "Abkehr von Pep", trotzdem würde der Verein auch ohne Pep Guardiola "weiteratmen". Das Thema wird den FC Bayern auch in den kommenden Wochen und Monaten begleiten. Bis Ende des Jahres will Pep seine Entscheidung treffen.

Fazit: Die Kritik an Pep Guardiola ist nur teilweise berechtigt

Alles in allem ist die Kritik an Pep Guardiola nur teilweise berechtigt. Unter seiner Führung hat sich der FC Bayern in eine Richtung entwickelt, mit der nicht alle Fans zufrieden sind. Wenn es um die Identität des FC Bayern geht, sind einige der Vorwürfe nicht von der Hand zu weisen. WM-Torschütze Götze bekommt kaum Einsatzzeit, junge Talente und Ikonen wie Bastian Schweinsteiger verlassen den Verein. Dafür haben Spieler wie Thiago oder Xabi Alonso unter Guardiola ihren Stammplatz sicher. 

Allerdings neigen die Kritiker dazu, jede Entscheidung des Vereins dem Trainer anzuhängen. Das gilt auch für die Behauptung, dass Guardiola für jeden Neuzugang verantwortlich ist und dem Verein in Sachen Transfers seinen Willen aufdrückt. Zwar genoss Guardiola zu Beginn seiner Amtszeit viele Freiheiten und konnte beispielsweise die Verpflichtung von Thiago durchsetzen. Mittlerweile hat sich das Machtgefüge an der Isar allerdings verändert - der Transfer von Arturo Vidal bestätigt das.

Ein großes Problem von Pep Guardiola ist allerdings, dass er die hohen Erwartungen an ihn bisher nicht erfüllen konnte. Die Münchner holten unter ihm zwei Meistertitel, einmal den DFB-Pokal und erreichten zweimal das Champion-League-Halbfinale - doch vielen Fans reicht das nicht. "Das Champions-League-Halbfinale ist beim FC Bayern nicht genug", erkannte Pep jüngst selbst. In dieser Saison steht Guardiola daher besonders unter Druck. Mit Erfolgen lässt sich die Diskussion um seine Person am besten beenden. 

sr   

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