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Guardiola-Mentor Cruyff: Was Pep so stark macht

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Von: Andreas Werner

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Johan Cruyff
Johan Cruyff. © AFP

München - Im großen Interview mit unserer Zeitung erklärt Pep Guardiolas Mentor Johan Cruyff, was den Bayern-Trainer so stark macht und schwärmt von Arjen Robben.

Herr Cruyff, hätten Sie gedacht, dass das Projekt Pep Guardiola beim FC Bayern so schnell so erfolgreich sein würde? 

Cruyff: Ich kenne Pep sehr gut und weiß, wie intelligent er ist. Es war mir klar, dass er zu diesem Klub nicht mit der Intention geht, unbedingt alles verändern zu wollen. Er ist einer, der Abläufe optimiert. Wenn etwas gut ist, verändert er Details. Und da ist seine Gabe: er ist eben genau deshalb so ein guter Trainer, weil er erkennt, wie man etwas Gutes noch einmal optimieren kann.

Passt er perfekt zum FC Bayern? 

Cruyff: Perfektion gibt es im Fußball nicht. Das ist unmöglich. Es gibt immer Fehler in diesem Spiel. Aber dieser Trainer und dieser Verein haben sich sehr gut aufeinander abgestimmt. Ich denke, die Chemie zwischen ihm und Bayern hat ein bisschen was von Perfektion. Sie stimmt total.

Guardiola hat den FC Barcelona zu seinen größten Erfolgen geführt, nun setzt er seine Arbeit in München genauso eindrucksvoll fort – kann dieser Mann jede Mannschaft der Welt coachen?

Cruyff: Ich glaube schon. Weil er eben nicht denkt: Was muss ich verändern? Er sagt nie: Ich weiß, wie das und das funktioniert. Er analysiert erst, und dann hilft er weiter. So funktionierst du überall.

Glauben Sie, dass die Bundesliga bald keine Herausforderung mehr für ihn ist? 

Cruyff: Der FC Bayern hat eine sehr gute Organisation in allen Mannschaftsteilen. Das heißt, dass Pep hier sehr viele Möglichkeiten sieht. Die Bayern sind gerade führend in Europa, haben letztes Jahr die Champions League gewonnen – aber wenn man Barcelona anschaut: Da hat Pep vier Jahre die Profis gecoacht und viele, viele Titel geholt. Er ist in München noch lange nicht am Ziel.

Es besteht also keine Gefahr, dass er sich nach der Saison verabschiedet, sollte er mit den Bayern die Champions League, weil er eine neue Herausforderung braucht und hier nichts mehr gewinnen kann?

Cruyff: Nein, nein, nein. Das wird nicht passieren. Er bleibt mindestens zwei Jahre.

Was will er mit den Bayern erreichen? 

Ihn fasziniert das Spiel. Solange er die Voraussetzungen vorfindet, Fußball nach seinen Vorstellungen zu präsentieren, arbeitet er unermüdlich weiter, von Spiel zu Spiel. Titel kommen von alleine, darum geht es nicht. Er denkt einfach so: Immer das nächste Spiel ist ein Problem, das muss er lösen.

Haben Sie ihm zur Meisterschaft schon gratuliert? 

Cruyff: Ja, wir haben regelmäßig Kontakt. Er fragt mich immer wieder nach meiner Meinung.

Wie sehen Sie den FC Bayern – ist das aktuell die beste Mannschaft der Welt? 

Cruyff: Im Moment sind sie wirklich sehr, sehr stark. Gegen jeden Gegner. Jeder Spieler in diesem Kader kann ein Spiel prägen. Das ist sehr gut.

Einer davon ist Ihr Landsmann Arjen Robben – wie sehen Sie seine Entwicklung?

Cruyff: Wenn wir Arjen Robben vor zwei, drei Jahren anschauen und ihn heute anschauen, müssen wir sagen: Das ist ein ganz anderer Spieler. Er hat sich fantastisch entwickelt. Das hängt auch mit der medizinischen Abteilung der Bayern zusammen – er ist jetzt fast nie mehr verletzt, das gibt ihm Kraft und Selbstvertrauen. Er ist ein Individualist, der immer schöne Momente kreieren kann. Aber er muss sich auch immer klar sein: Nicht er gewinnt allein, sondern nur er mit seinen Teamkollegen.

Müde Meister auf dem Weg nach München

Er ist nun auch Kapitän der niederländischen Nationalelf – ist er aktuell der wichtigste Spieler bei Oranje? 

Cruyff: Vielleicht nicht der wichtigste, aber schon sehr wichtig. Jeder weiß, er kann immer Chancen kreieren und Tore machen. Und am Ende geht es im Fußball um Tore.

Sehen wir gerade den besten Robben, den es je gab? 

Cruyff: Ich denke ja. Es ging in den letzten Jahren immer kontinuierlich aufwärts mit ihm. Und er ist ja schon vorher ein guter Spieler gewesen.

Denken Sie, Guardiola könnte mal reizen, ein Nationalteam zu übernehmen? 

Cruyff: Ich glaube, er ist eher der Typ Coach, der jeden Tag auf dem Trainingsplatz stehen möchte. Er liebt es, Spieler Tag für Tag zu verbessern. Ich war auch nie ein Typ für eine Nationalmannschaft, ich konnte mir das nie vorstellen.

Wenn Sie mit ihm sprechen, was erzählt er Ihnen vom FC Bayern? 

Cruyff: Dass er sich sehr, sehr wohlfühlt und ihn einfach alles an diesem Verein freut. Die Führung, die Spieler, die Mitarbeiter, die Fans – alles. Aber er wusste ja auch genau, was auf ihn zukommt. Er hat sich sieben, acht Monate auf diesen Verein vorbereitet und hat zum Beispiel Deutsch gelernt, was ich wichtig finde. Das ist typisch Pep: Er überlässt nichts dem Zufall.

Interview: Andreas Werner

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