Scolari-Nachfolger gesucht

Guardiola einer für die Seleção?

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Pep Guardiola bekundete schon mal Interesse daran, die Seleção zu trainieren.

Teresopolis - Noch nie hatte die Seleção einen ausländischen Nationaltrainer. Die Suche nach einem Nachfolger für Scolari ist zur Grundsatzdiskussion geworden. Auch über einen Bundesliga-Trainer wird spekuliert.

Darf erstmals ein „Gringo“ Rekord-Weltmeister Brasilien trainieren? Diese Debatte sorgt für zusätzliche Brisanz bei der Suche nach einem Nachfolger von Chefcoach Luiz Felipe Scolari. Verbandschef José María Marin ist strikt gegen die Verpflichtung eines Ausländers - allerdings ist er auch nicht mehr lange im Amt. Derzeitiger Favorit für den frei werdenden Posten beim WM-Gastgeber ist Adenor „Tite“ Bachi, der 2012 mit Corinthians São Paulo Club-Weltmeister geworden war.

Dem internationalen Trend können sich auch die Funktionäre des brasilianischen Fußball-Verbandes (CBF) nicht verschließen. Zwölf der 32 WM-Teilnehmer hatten einen ausländischen Chefcoach, unter anderen die USA mit Jürgen Klinsmann, Chile mit Jorge Sampaoli und Kolumbien mit José Pekerman.

Die Sportzeitung Lance!erinnerte am Donnerstag daran, dass der jetzige FC Bayern-Trainer Pep Guardiola 2012, als Scolari-Vorgänger Mano Menezes bei Brasilien entlassen worden war, gesagt hatte: „Die einzige Mannschaft der Welt, die ich sofort ab morgen trainieren würde, wäre die brasilianische.“ Das Blatt hatte eine Kampagne für den spanischen Starcoach gestartet, der sich damals nach seiner Zeit beim FC Barcelona ein Sabbat-Jahr in New York gegönnt hatte.

Den Posten aber bekam Scolari, der Trainer der Weltmeistermannschaft von 2002, und Guardiola steht in München bis 2016 unter Vertrag. CBF-Präsident Marin hatte schon im vergangenen Jahr seine merkwürdige Einstellung erklärt: „Wir haben nichts von niemandem aus dem Ausland zu lernen, erst recht nicht im Fußball. Wir hatten immer die Besten der Welt in Brasilien. Wir haben fünfmal den WM-Pokal gewonnen, das zeigt unseren Stellenwert.“

Dass das Gros der Spieler der „Seleção“ im Ausland sein Geld verdient, spielt für den 82-jährigen Hardliner, der auch Präsident des WM-Organisationskomitees COL ist, keine Rolle. Er wird beim Verband allerdings im kommenden April von Marco Polo del Nero abgelöst.

Neben Topkandidat „Tite“ werden dem U 20-Nationaltrainer Alexandre Gallo gute Chancen eingeräumt. Die Zeit für Marin und del Nero drängt: Am 5. September steht für Brasilien in Miami ein Testspiel gegen Kolumbien an. Jene Mannschaft, die die „Seleção“ im WM-Viertelfinale mit 2:1 besiegt hatte. Außerdem braucht Brasilien ein schlagkräftiges Team für die Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro. Der Rekord-Weltmeister war noch nie Olympiasieger und hatte 2012 in London das Finale gegen Mexiko mit 1:2 verloren.

Scolaris Mission endet an diesem Samstag mit dem Spiel um Platz drei gegen die Niederlande in Brasília. Sein Vertrag läuft mit WM-Ende aus, eine Weiterbeschäftigung ist - vor allem nach dem 1:7-Halbfinal-Debakel gegen Deutschland - kein Thema im Land des WM-Gastgebers.

Auch wenn „Felipão“ noch nicht vom Ende seiner zweiten Amtszeit sprechen will („Das geht mir gerade nicht in meinem Kopf herum“) und nach dem Turnier erstmal dem Verband seine persönliche Bilanz vorlegen möchte: Öffentliche Fürsprecher hat der 65-Jährige nicht mehr. Mit einer Ausnahme: Cafú, Kapitän der WM-Mannschaft von 2002 und Rekordnationalspieler, ist Scolari wohl den Rest seines Lebens treu ergeben und meinte: „Man sollte mit Felipão weitermachen.“

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Gehör hat er damit nicht gefunden. „Nie mehr“, so hatte der künftige Verbands-Vizepräsident Delfim Peixoto im TV-Sender ESPN Brasil gewettert, werde Scolari Nationaltrainer sein: „Alles war schlecht. Er ist eine Last, eine Schande.“

dpa

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