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Schalkes Königstransfer sitzt auf der Bank

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Peter Hermann sitzt jetzt bei Schalke auf der Bank.

Gelsenkirchen - Für Schalke 04 ist Peter Hermann der wichtigste Neuzugang. Der Co-Trainer, der mit Jupp Heynckes bei Bayern München das Triple gewann, soll die Siegermentalität mitbringen.

Der Königstransfer sitzt bei Schalke 04 auf der Bank. Trotz neuer Spieler für rund 15 Millionen Euro Ablöse gilt Co-Trainer Peter Hermann bei den Königsblauen als wichtigste Verpflichtung. Der 61-Jährige, zuletzt Assistent von Triple-Coach Jupp Heynckes bei Bayern München, soll dem Bundesliga-Vierten das Sieger-Gen einpflanzen.

Die vielen Vorschusslorbeeren schmeicheln dem vielleicht besten „Co“ der Liga zwar. Doch gegen die Vorstellung, dass mit ihm automatisch der Erfolg komme, wehrt er sich. „Erfolgs-Gen? Ach was, ich war in meinem Leben 100-mal Zweiter“, sagte Hermann und verwies auf die vorletzte Saison, als er mit Heynckes und den Bayern in allen drei Wettbewerben den Titel knapp verpasste.

„Und in Leverkusen ist mir das auch passiert“, merkte er an und ergänzte schmunzelnd: „Das muss man auch erstmal schaffen.“ Torwarttrainer Holger Gehrke warf prompt ein: „Dann bist du auf Schalke ja richtig.“ Vizemeister sind die Königsblauen in den vergangenen zwölf Jahren selbst viermal gewesen.

Hermann gibt auf Schalke gleich den Ton an. Beim Training sind seine Anweisungen nicht zu überhören, er erklärt die Übungen gestenreich, spornt lautstark an. Chefcoach Jens Keller hält sich zurück, beobachtet - und findet die neue Aufgabenteilung „angenehm“. Im letzten Jahr habe er „alles gemacht“, sagte der 42-Jährige im SID-Interview: „Ein Trainer muss mit den Spielern so viel reden. Da muss man sich dann auf dem Platz nicht jeden Tag wieder verbrennen und jeden Tag heizen.“

Sein 19 Jahre älterer Assistent habe „genau dieselbe Philosophie“, betonte Keller und schwärmte von Hermanns „wahnsinniger Erfahrung und Siegermentalität“. Jeder, mit dem er spreche, sei begeistert. „Seine Spieler sagen, er ist der beste Co-Trainer, den sie je hatten.“

Hermann drückt vor allem aufs Tempo. „Man merkt, dass er von den Bayern kommt. Wir sollen schneller spielen“, stellte Torjäger Klaas-Jan Huntelaar schon nach wenigen Übungseinheiten fest. „Tempo ist das A und O“, erklärte Hermann, „das Spielfeld wird im modernen Fußball immer kleiner. Die Spieler müssen vorausschauend und handlungsschnell sein.“

Dass der Fußball immer schneller geworden ist, habe auch mit den „extrem gewachsenen Trainerstäben“ zu tun. „Es gibt immer mehr Spezialisten“, sagte Hermann. Der Co-Trainer hat dabei eine deutliche Aufwertung erfahren. Aus dem Hütchenaufsteller der 80er Jahre ist der Leiter des Trainings geworden. „Das hat sich in den letzten Jahren so ergeben. Bei Jupp Heynckes konnte ich viel machen“, berichtete Hermann.

In der täglichen Arbeit auf dem Platz geht der Rheinländer auf. Das ganze Drumherum, das der Profifußball mit sich bringt, ist dagegen nicht sein Ding. Deshalb ist er in 24 Jahren im Trainergeschäft auch nie in Versuchung gekommen, Chefcoach zu werden.

„Ich hatte immer den größten Respekt vor dem, der in vorderster Front steht und nicht nur Siege kommentieren muss“, sagte er und meinte damit, dass er eben nicht genau derjenige nicht sein wollte. Diese Rolle überließ er liebend gerne seinen Chefs Jürgen Gelsdorf, Dragoslav Stepanovic, Erich Ribbeck, Christoph Daum, Berti Vogts, Klaus Toppmöller, Michael Skibbe, Michael Oenning und Jupp Heynckes.

„Ein paar kleine Anfragen“ habe es gegeben, aber er sagte sich: „Lass es!“ Und weil der neue Bayern-Trainer Pep Guardiola seine eigenen Assistenten mitbrachte, nahm Hermann das Schalker Angebot gerne an - als Königstransfer auf der Bank.

sid

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