"Hängende Sechs" oder "Kippende Zwei"?

Guardiola erfindet neue Position für Käpt'n Lahm

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Mann für die Statik: Philipp Lahm hat sich als Pendler zwischen Außenbahn und Spielzentrum neu erfunden.

München - Die halbe Defensive fällt aus, die geballte Offensive ist fit. Selten kann Pep Guardiola auf viele gesunde Spieler zurückgreifen. Allerdings macht Not erfinderisch, wie bei Philipp Lahm.

 

Der Ball war aufs Feinste instruiert zwischen den Füßen von Mario Götze und Philipp Lahm gependelt – nur die Veredelung der hübschen Stafette blieb aus. Mario Götze hatte auf einen weiteren Doppelpass verzichtet, er versuchte sein Glück lieber mit einem Torschuss aus spitzem Winkel. Leichte Beute für den Bremer Torwart Felix Wiedwald. Lahm hatte freistehend im Fünfmeterraum auf einen Querpass gewartet. Auf dem Bolzplatz sagt man da: Er hätte nur noch den Schlappen hinhalten müssen.

Nun, Mario Götze ist einer dieser Spieler, über die man auf dem Bolzplatz wie unter Profis sagt, er werde an Toren gemessen. Er stand am Samstag gegen Bremen das erste Mal seit viereinhalb Monaten wieder auf dem Platz, er spaltet die Fangemeinde wie vielleicht kein Zweiter im Kader – da ist es verständlich, dass er eigensinnig abschloss.

Guardiola: "Haben wir wahnsinnige Stürmer"

Der FC Bayern hat eine Offensive, die die Szene praktisch weltweit begeistert, aktuell läuft eine interne Ausschreibung für das Rückspiel im Champions League-Achtelfinale gegen Juventus Turin, die sich gewaschen hat. Götze hat da allenfalls Außenseiterchancen, und es werden mindestens vier kickende VIPs auf der Bank sitzen müssen. „Wir haben vier wahnsinnige Stürmer“, sagt Pep Guardiola, er meint das als Kompliment. Auch er ist von der Offensive angetan. Doch anders als die Öffentlichkeit weiß der Trainer zudem um den enormen Wert von Philipp Lahm. Gemeinsam haben die beiden in dieser Saison ganz nebenbei eine neue Rolle kreiert. Eine, die für die Statik immense Bedeutung hat. Ohne würde es vorne viel mehr holpern.

Haben sie intern schon einen Begriff erfunden für diese Pendlerrolle, die Lahm zwischen defensiver Außenbahn und Spielzentrum besetzt? Er muss selbst lachen, nein noch nicht, sagt er, und versucht es auf die Schnelle: „Abkippende Sechs? Hängende Sechs? Offensive Zwei?“ Wie man das Ganze nennt, ist ihm ja eigentlich wurscht, die Hauptsache ist: Es klappt. Er spiele auch nicht alleine so, Pendants und Vertreter wie David Alaba oder Rafinha agierten ähnlich, sagt er. Aber neu sei diese Interpretation des Aufbauspielers schon: „Es hat unter Pep angefangen.“^

Lahms Rolle als Metronom

Abkippende oder hängende Sechs, offensive Zwei – egal: Die Rolle ermöglicht es dem Kapitän, sich einfacher als Metronom einzubringen. Guardiola schätzt den Stoiker Xabi Alonso, er liebt das Waghalsige an Thiago, traut dem Raubtier in Arturo Vidal erst allmählich über den Weg – und sieht in Lahm das Ideal, wenn es um das Gespür für Raum, Zeit und Ball geht.

Am Samstag feierte Lahm einen Rekord: 167 Ballaktionen in einer Partie. Generell ist dieser Wert bei ihm in der aktuellen Saison gestiegen. Ein Beleg für seine neue Rolle mit mehr Kompetenzen. Gemerkt hat er nichts von der Bestmarke. „Ich kann gar nicht so weit zählen“, witzelt er. Der 168. Ballkontakt hätte wohl ein Tor beschert, doch Götze spielte nicht mit. Aber der Wert von Lahm wird ja eh nicht an Treffern gemessen.

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