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Lahm im tz-Interview: "Ja, ich spüre eine Aufbruchsstimmung"

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Philipp Lahm (27) bestritt seit 2002 163 Bundesligaspiele für den FC Bayern und 77 Länderspiele © sampics

München - Im tz-Interview spricht Philipp Lahm über die Probleme der laufenden Saison und über Thomas Kraft. Zudem erklärt der Bayern-Kapitän, was Andries Jonker anders macht als Louis van Gaal.

Herr Lahm, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge hat Louis van Gaals Buch verschenkt. Haben Sie Ihres noch?

Philipp Lahm: Ja, ich habe mein Exemplar noch.

Haben Sie es gelesen?

Lahm: Gelesen habe ich es noch nicht, aber ich denke, es enthält sicher ein paar interessante Gedanken, so dass ich es lesen werde.

Vor allem van Gaals Ideen zur Defensivarbeit dürften Sie interessieren. Wann ist Ihnen zum ersten Mal bewusst geworden, dass der Spielaufbau zu riskant ist, es so nicht weitergehen kann?

Lahm: Wir hatten eine erstklassige erste Saison, die holprig begonnen hat. Viele Gegentore haben wir immer bekommen. Leider haben wir erst als der Erfolg ausgeblieben ist, genauere Ursachenforschung betrieben.

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Am Sonntag wird Anatoli Timoschtschuk im defensiven Mittelfeld auflaufen, die Grundausrichtung defensiver. Wurde die Stimme der Mannschaft endlich erhört?

Lahm: Es ist wichtig, dass wir Stabilität bekommen. Unser Defensivverhalten müssen wir verbessern.

Was bleibt für Sie nach ein dreiviertel Jahren Louis van Gaal hängen?

Lahm: In erster Linie bleibt ein erfolgreiches erstes Jahr. Wir haben das Double geholt, ich war zum ersten Mal in einem Champions-League-Finale, das wird mir immer im Gedächtnis bleiben.

Sie haben immer wieder betont, dass der FC Bayern unter van Gaal endlich „einen Plan“ habe.

Lahm: Den hatten wir. Aber wir haben einfach zu viele Fehler gemacht. Über Monate. Die Entscheidung, sich von van Gaal zu trennen, war ja keine Bauchentscheidung, kein spontaner Entschluss.

Ist van Gaals Spielphilosophie, die Idee, einen Fußball mit eigener Identität zu spielen, mit der Entlassung gestorben?

Lahm: Nein. Van Gaals Spielidee war im Großen und Ganzen gut. Aber, wie gesagt: Wenn man über Monate so viele Fehler macht, dass das absolute Minimalziel Platz 3 gefährdet ist, wenn man trotz aller Rückschläge weiter eine so offensive Philosophie verfolgt – dann muss sich etwas ändern. Trotzdem sage ich: Bei uns hat seit Louis van Gaal jeder eine Idee, wie man in einem bestimmten System zu spielen hat.

Ist van Gaal an seiner Sturheit gescheitert?

Lahm: Er ist daran gescheitert, dass wir zu wenig Punkte geholt haben.

Was macht Andries Jonker anders als van Gaal?

Lahm: Er nimmt in dieser Situation uns Spieler mehr in die Pflicht und ist ein anderer Typ als Louis van Gaal. Jetzt müssen ein paar Veränderungen her, eine Aufbruchsstimmung, damit wir unser Ziel noch erreichen.

Ist der Spaß unter ihm schon wieder zurück?

Lahm: Wir haben bei van Gaal immer die gleichen Abläufe trainiert. Das ist grundsätzlich richtig, aber jetzt ist es wichtig auch andere Impulse zu setzen. Die Abwechslung bringt eine neue Konzentration und Stimmung. Die Mannschaft ist in der Pflicht, es gibt kein Alibi.

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Spüren Sie eine Aufbruchsstimmung?

Lahm: Ja, ich spüre in der Mannschaft Aufbruchsstimmung. Allein dadurch, dass sich etwas ändert, ein neuer Wind reinkommt.

Auch bei Ihnen?

Lahm: Ja, auch bei mir.

Wie sind Sie aus dem Gespräch mit van Gaal letzte Woche gegangen, als Sie erneut Ihr Anliegen vorgetragen haben und der Trainer nicht darauf einging?

Lahm: Er ist darauf eingegangen.

Ja?

Lahm: Ja. Wir haben unsere Spielweise in Nürnberg geändert. Zumindest hatten wir es vor. Nur ist es schwer, das aus den Köpfen herauszubekommen, was so lange beigebracht wurde. Wir wollten in Nürnberg nicht mehr riskant hinten rausspielen. Nur: Wenn man das über Monate tagtäglich trainiert, ist es nicht so einfach, sich von heute auf morgen umzustellen. Unser Ziel muss es jetzt sein, das bis Sonntag hinzubekommen.

Der Hauptkritikpunkt von Uli Hoeneß war, dass die Abwehr durch den Torwartwechsel im Winter total verunsichert worden sei.

Lahm: Wir haben zwei Torhüter, auf die Verlass ist.

Aber stand die Abwehr in der Hinrunde besser?

Lahm: Nein wir standen nicht besser. Man darf die Misere, die Gegentore nicht am Torwart festmachen. Dass wir auf Platz 4 stehen kann man nicht am Torwart festmachen.

Wie geht es Thomas Kraft? Ihn haben Hoeneß‘ Worte hart getroffen?

Lahm: Thomas ist ein starker junger Mann. Ich glaube, ich war in seinem Alter noch nicht so stark wie er – in Sachen Ausstrahlung, Persönlichkeit. Ich sehe kein Problem damit, dass er mit diesen Äußerungen umgehen kann. Er steckt das Ganze beeindruckend weg.

Arjen Robben hat sich bisher nicht dazu bekannt, beim FC Bayern zu bleiben, falls die Champions League verpasst wird…

Lahm: Er muss sich nicht bekennen, denn er hat einen Vertrag beim FC Bayern. Unser Problem ist die Gefahr, nicht in die Champions League zu kommen – und nichts anderes.

Wird der FC Bayern Dritter?

Lahm: Ich bin zu 100 Prozent davon überzeugt. Wir und ich wollen nicht in der Euro League spielen.

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