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Lahm im tz-Interview: "Zählen zu den Favoriten in der Champions League"

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„Ich habe keinen Streit hervorgerufen“, sagt Lahm © Getty

München - Im tz-Interview zählt Philipp Lahm den FC Bayern zu den Favoriten in der Champions League, spricht über Martin Demichelis und die K-Frage in der Nationalelf.

Kochen, spielen, zelten – Philipp Lahm geht derzeit ganz neue Wege abseits des Fußballs. In seinem Sommercamp beschäftigt sich der Nationalspieler mit Kindern und Jugendlichen, verbringt viel Zeit im Umgang mit seinen kleinen Fans. Dabei steht auch sportlich gerade eine ganz heiße Phase an. Wie heiß, erklärt er im Interview mit der tz.

Herr Lahm, am Donnerstag findet die Auslosung für die neue Champions-League-Saison statt. Zittert Europa vor Bayern?

Lahm: Ich weiß nicht, ob die anderen Teams zittern. Aber ich glaube schon, dass wir dieses Mal zu den Favoriten zählen! Aber, und das hat man letztes Jahr gesehen, es gibt viele Mannschaften, die um diesen Titel mitspielen.

Die Bilanz des FC Bayern in der Champions League

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Was muss passieren, damit Bayern wieder vorn dabei ist – und wie viel Glück war letztes Jahr im Spiel?

Lahm: Sagen wir es mal so: Es war mit Sicherheit sehr, sehr wenig Pech dabei. Vielleicht ist es so besser ausgedrückt (lacht). Nein – wir haben einfach die Basis, wir haben die Idee, wie wir spielen wollen. Und man hat letzte Saison gesehen, dass wir sehr weit kommen können. Dabei hatten wir keine einfachen Gegner. Also haben wir dieses Jahr die Möglichkeit, wieder ganz oben mitzuspielen. Wie weit es geht, muss man sehen.

Ist der FC Bayern stärker als letztes Jahr?

Lahm: Davon gehe ich aus. Wir haben es ein Jahr gespielt und nun wieder Zeit, uns noch weiterzuentwickeln! Trotzdem: Man kann nie wissen, ob es wieder so erfolgreich wird wie letzte Saison.

Hätte man nun nicht die Chance ergreifen müssen, personell nachzulegen?

Lahm: Wir haben uns verstärkt, weil wir Spieler zurückgeholt haben – wie Toni Kroos oder Breno. Ansonsten muss man erst mal Spieler finden, die auf diesen Positionen wirklich besser sind und uns weiterhelfen. Ich sehe eine Mannschaft, die auf vielen Positionen top besetzt ist.

So gut, dass Martin Demichelis auf die Bank muss. Wie sehen Sie diese Situation?

Lahm: Trainer und Spieler haben entschieden, dass es für Martin besser ist, mehr Zeit zu haben, um über die neue Konstellation nachzudenken. So ist der Entschluss gefallen, dass er zu Hause bleibt.

Also war es keine Weigerung von Martin Demichelis?

Lahm: Nein. Martin war ja auch einen Tag später wieder ganz normal im Training, auch beim Fototermin in Ingolstadt. Das Verhältnis zwischen Spieler und Trainer ist also absolut in Ordnung.

Hat er noch eine Zukunft bei Bayern?

Lahm: Martin ist argentinischer Nationalspieler, und bei einer Topmannschaft ist es so, dass man auch Topspieler auf der Bank braucht. Egal, wer bei uns spielt: Man weiß, fünf oder sechs Spieler sitzen auf der Bank, die hochwertig sind und die Qualität haben, bei jeder anderen Bundesligamannschaft zu spielen. Aber jeder bekommt immer wieder seine Chance und wird spielen.

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Würden Sie sich wünschen, dass er bleibt?

Lahm: Ja! Ich kenne ihn schon lang, spiele lang mit ihm zusammen und komme sehr gut mit ihm aus. Und nebenbei, weil er auch Schafkopf spielen kann (lacht).

Aber ist sein Verhalten nicht auch unkameradschaftlich?

Lahm: Nein. Ich denke, dass es für Martin einfach schwer war, weil er immer gespielt hat! Als der Trainer ihm gesagt hat, dass er nicht von Anfang an dabei ist, brauchte er einfach Zeit, um das zu verinnerlichen. Der Trainer sagt: Jeder muss irgendwann seine Rolle innerhalb der Mannschaft akzeptieren. Es gibt Spieler, die unzufrieden sind, es aber akzeptieren müssen, wenn sie nicht spielen. Dann müssen sie weitertrainieren für die Mannschaft – und wenn sie reinkommen, ihre Leistung bringen. Das gehört dazu, gerade bei einem Topverein.

Sollte er gehen, muss man dann personell noch einmal nachlegen?

Lahm: Man hat ja noch Breno, der zurückkommt und ein Topspieler ist. Ansonsten weiß es der Trainer sicherlich besser. Er kann immer experimentieren, hat im Training oft andere Spieler als Innenverteidiger aufgestellt. Deswegen haben wir mit Sicherheit die Möglichkeit, das zu überbrücken, bis Breno wieder zu 100 Prozent fit ist.

Am Freitag gibt Jogi Löw die Nominierung für die nächsten Länderspiele bekannt. Erwarten Sie auch eine Entscheidung in der Kapitänsfrage?

Lahm: Ich erwarte eine ganz normale Nominierung.

Wird Michael Ballack nach seiner Verletzungspause wieder dabei sein?

Lahm: Das weiß ich nicht. Ich werde mich auch nie in die Sachen des Trainers einmischen, das ist allein seine Entscheidung. Deswegen werde ich dazu auch nichts sagen.

Gab es zuletzt ein Gespräch mit Jogi Löw?

Lahm: Nein.

Mit Michael Ballack?

Lahm: Nein. Da sehe ich keine Veranlassung zu. Wenn wir beide nominiert sind, werden wir das sehen.

Wie sehen Sie denn diese K-Frage? Das wird ja schon sehr intensiv diskutiert zurzeit…

Lahm: Ich glaube, das gehört irgendwo zum Fußball dazu. Es ist klar, dass nun so viel berichtet wird. Man muss ja auch das Ganze sehen: Es gab eine Weltmeisterschaft, bei der der Kapitän verletzt war. Die Mannschaft hat aber gut gespielt. Da wird sowieso schon diskutiert. Dann sage ich noch, dass ich gerne Kapitän bleiben will, dann wird noch mehr darüber gesprochen.

Wie soll es nun weitergehen? Dachten Sie mal daran, sich mit Ballack zusammenzusetzen und die Sache zu klären?

Lahm: Es gibt für mich nichts zu klären! Der Bundestrainer wird bekannt geben, wer Kapitän ist und wer nicht.

Und Sie würden es gern bleiben.

Lahm: Meine Meinung ist noch immer dieselbe wie vor sechs Wochen: Ja.

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Ist es denn nicht unangenehm, nun so einen Streit hervorgerufen zu haben?

Lahm: Ich habe überhaupt keinen Streit hervorgerufen! Es war damals eine einfache Frage, ich habe eine einfache Antwort gegeben. Das ist im Sport so.

Die besten Freunde werden Sie nicht mehr…

Lahm:  Ich weiß nicht, ob Michael damit ein Problem hat. Ich habe keines. Wenn Michael Kapitän wird, ändert sich für mich nichts.

Kann er denn nominiert werden, ohne Kapitän zu sein?

Lahm: Das muss man den Bundestrainer fragen.

Interview: Jan Janssen

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