Zukunft des Bayern-Stürmers ungewiss

Lewandowski im Sommer weg? Das spricht für und gegen einen Verkauf

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Gehen oder bleiben? Robert Lewandowski könnte den FC Bayern im Sommer verlassen - falls die Roten zustimmen.

Plötzlich wird das Thema Robert Lewandowski wieder ganz heiß gekocht. Der Bayern-Star soll seinen Abgang planen. Doch was spricht aus Vereinssicht für und gegen einen Transfer?

München - Robert Lewandowski blieb sich auch nach dem tristen 0:0 gegen Hertha BSC am Samstag treu. Nach Abpfiff wurde der Bayern-Torjäger im Bauch der Allianz Arena zu seinen Zukunftsplänen befragt. Nun hätte der Pole die angesichts seines Beratertauschs wieder auflebenden Gerüchte über einen Wechsel befeuern und die Bayern-Bosse öffentlich unter Druck setzen können. Was er jedoch keineswegs tat. Ein Dementi kam jedoch ebenfalls nicht über seine Lippen. Vielmehr antwortete der vielleicht beste Strafraumstürmer der Welt: „Manchmal sind die Spekulationen ja schon lustig, aber mich interessiert das aktuell nicht.“

Die Frage charmant weggelächelt. Das Thema damit erledigt? Keineswegs. Denn das vorletzte Wort in Lewandowskis Aussage hätte schon am Wochenende aufhorchen lassen müssen. Schließlich wird die Entwicklung bis zum Sommer damit ausdrücklich ausgespart. Mittlerweile hat Christian Falk von der Sport Bild berichtet, dass der FCB-Knipser zumindest intern schon klar Schiff gemacht, Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge über seinen Wechselwunsch nach der Saison unterrichtet haben soll. Auch die englischen Kollegen von Sky Sports News wollen erfahren haben, dass Lewy seine Zukunft außerhalb Münchens sieht.

Doch wie realistisch ist ein Abgang in wenigen Monaten - gerade angesichts eines noch bis 2021 datierten Vertrags? Wir zeigen, was dafür und dagegen spricht, dass die Chefetage in der Causa Lewandowski im Sommer den Daumen hebt.

Contra: Lewandowski unersetzbar

Sportlich wäre ein Abgang des Stürmers der wohl größte anzunehmende Verlust. Trotz der Verpflichtung von Sandro Wagner als Backup im Winter verfügt der FCB-Kader nach wie vor nicht über einen auch nur annähernd gleichwertigen Ersatz. Wie abhängig die Roten von Lewandowski sind, unterstreichen folgende wettbewerbsübergreifende Zahlen: 25, 42, 43, 29. Es handelt sich um die Anzahl der Saisontore der Nummer neun seit dem Wechsel 2014. Bis zum Remis gegen Berlin hatte er bei jedem Auftritt in der Allianz Arena in dieser Bundesliga-Spielzeit mindestens einmal eingenetzt. Ergo: So einen kann der FC Bayern eigentlich nicht ziehen lassen.

Contra: Ersatz würde richtig teuer kommen

Dazu kommt: Ein Ersatz würde bei den aktuellen Preisen für Offensivspieler wohl alle bisher vom Klub gezahlten Transfersummen torpedieren. Das Festgeldkonto müsste wahrscheinlich mindestens um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag erleichtert werden. Dafür jedoch müsste vor allem Präsident Uli Hoeneß über seinen Schatten springen. Stichwort: Mondpreise. Und wer würde überhaupt eine ähnliche Qualität wie Lewandowski garantieren? Auf dem Niveau des zweimaligen Bundesliga-Torschützenkönigs wird die Luft im Weltfußball schon extrem dünn.

Haben Diskussionsbedarf: Die Bayern-Bosse Karl-Heinz Rummenigge (l.) und Uli Hoeneß müssen sich früher als erhofft mit der Personalie Robert Lewandowski auseinandersetzen.

Pro: Lewandowski feiert dieses Jahr 30. Geburtstag

Hat sich das Thema also erledigt, ehe es so richtig hochkocht? Keineswegs, denn es gibt durchaus Argumente, die Hoeneß und Rummenigge ins Grübeln kommen lassen dürften. Da wäre Lewandowskis Alter. Im August wird der gebürtige Warschauer 30. Nun ist das gerade bei seiner Fitness kein Alter, dennoch könnte dieser Sommer die letzte FCB-Chance auf den großen Zahltag bieten. Zudem dürfte eine Verjüngungskur des Kaders nicht mehr lange auf sich warten lassen - wer sagt denn, dass davon nur Franck Ribéry und Arjen Robben betroffen sein müssten?

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Pro: Übergangsjahre beim FC Bayern?

Hoeneß deutete bereits im vergangenen Herbst im kicker an, dass der FC Bayern in Sachen Champions-League-Titel angesichts der derzeit mit Geld um sich werfenden Scheichklubs aus Manchester und Paris wohl eher auf den Faktor Zeit setzen muss: „Es wird der Zeitpunkt kommen, wo alle, die jetzt so viel Geld rausdonnern, kleinere Brötchen backen werden, weil der sportliche Erfolg sich nicht so einstellt, wie es sich die Geldgeber vorgestellt haben.“ Warum sich also nicht ein paar Jahre mit nationalen Titeln zufriedengeben, um dann mit einem jungen, hungrigen Team wieder nach dem Henkelpott zu greifen?

Pro: Reisende nicht aufhalten

Inwiefern Lewandowski ab 2018/2019 noch Appetit auf Tore im Bayern-Dress hätte, müsste angesichts der aktuellen Meldungen zumindest in Frage gestellt werden. Schließlich gilt im Fußball doch immer: Reisende soll man nicht aufhalten. Was nützt ein Stürmer, der nicht mehr mit ganzem Herzen bei der Sache wäre. Zudem sollte Lewy zugute gehalten werden, dass er sich dem Klub gegenüber immer korrekt verhalten hat. Der Taktik der Streik-Profis Ousmane Dembélé und Pierre-Emerick Aubameyang würde er sich wohl im Traum nicht bedienen.

Gab für den BVB vier Jahre lang Gas: Robert Lewandowski ließ sich in Dortmund trotz Abwanderungsplänen nicht hängen.

Contra: Lewy war schon beim BVB loyal 

Diese Loyalität seinem Arbeitgeber gegenüber allerdings könnte auch dafür sprechen, dass die Bayern stur bleiben und auf Einhaltung des Vertrags pochen. Zur Erinnerung: Lewandowski hatte sich auch in seiner letzten Saison für Borussia Dortmund richtig reingehängt - obwohl sein Abschied in Richtung München bereits beschlossene Sache war. Mit 28 Toren war er 2013/2014 zwar nicht mehr so treffsicher wie zuvor, aber immer noch ein Garant für die Vizemeisterschaft und den Einzug ins Pokalfinale. Als Anreiz hatte der BVB das Gehalt marktgerecht angepasst, von seinem aktuellen Salär beim FC Bayern konnte Lewy damals aber nur träumen.

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Contra: Bayern gibt keine wichtigen Spieler ab

Mit einem bockigen und lustlosen Stürmerstar müssten die Roten also sicher nicht rechnen. Was jedoch noch viel mehr gegen einen Lewandowski-Deal spricht, ist die Position, in der sich der Rekordmeister sieht. Trotz wirtschaftlicher Nachteile gegenüber von Investoren gelenkten Vereinen zählen Hoeneß und Rummenigge ihr „Kind“ zu den ganz großen Fischen im Haibecken. An der Säbener Straße sollen Stars gekauft oder idealerweise ausgebildet und keineswegs abgegeben werden. „Es wird kein Spieler den FC Bayern gegen unseren Willen verlassen“, betont der Vorstands-Boss so oder in ähnlichem Wortlaut. Klar ist: Sollte der FCB bei dem wohl wichtigsten Spieler plötzlich doch einknicken, wäre das ein Zeichen der Schwäche an die Konkurrenz aus Spanien, England oder Frankreich.

Es deutet also einiges darauf hin, dass die Bayern jede Kontaktaufnahme eines anderen Klubs zwecks Lewandowski freundlich aber bestimmt abwimmeln werden. Es sei denn, bei der Vertragsverlängerung im Dezember 2016 wurden dem Topstar entsprechende Versprechungen gemacht. Aber darüber würde Lewy öffentlich sicher nicht sprechen.

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mg

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