Hoeneß jetzt in Landsberg

Psychiater über Haft: "Stille ist unerträglich"

Psychiater Dr. Thorsten Kienast.

München - Was passiert, wenn die Tür der Zelle zufällt? Wenn Uli Hoeneß zum ersten Mal ganz alleine ist? Die tz sprach mit einem Psychiater, der den Selbstversuch gemacht hat.

Der Psychiater Dr. Thorsten Kienast arbeitet unter anderem mit ehemaligen Strafgefangenen – und hat die Situation im Selbstversuch in einem Berliner Gefängnis am eigenen Leib erfahren.

Herr Dr. Kienast, was war das für ein Gefühl, als die Knast-Tür zufiel?

Thorsten Kienast: Ein sehr beunruhigendes. Besonders irritierend war, dass die Tür keine Klinke hatte. Ein Handy hat man ja auch nicht. Der Kontrollverlust und das Ausgeliefertsein macht Angst. Ich dachte: ‚Wer holt mich raus, wenn es jetzt brennt?’ Der Körper schüttet Adrenalin und Noradrenalin aus, das kann zu Schwitzen, Herzrasen und zitternden Händen führen. Es gibt aber auch Menschen, die erstarren.

Was war das Schlimmste für Sie?

Kienast: Die Stille. Je mehr Trubel man gewohnt ist, desto härter ist die Umstellung. Das Sehen ist in der kleinen Zelle sehr eingeschränkt. Das wiederum schärft andere Sinne, vor allem den Hörsinn. In der Verschlusszeit nachts kann Stille unerträglich sein. In den ersten Tagen erscheint alles ohnehin nicht wahrhaftig.

Das heißt, es wird noch härter?

Kienast: Nicht unbedingt. Nach drei, vier Tagen wird dem Insassen bewusst, dass dieser Zustand nicht aufhört. Da kann es kann passieren, dass man abstumpft – die sogenannte erlernte Hilflosigkeit. Es gab Untersuchungen mit Mäusen in Käfigen, die irgendwann nur noch ins Leere gucken, wenn sie die Hilflosigkeit akzeptieren. Das muss aber nicht sein. Das Wichtigste ist, dass der Insasse sich schnell eine Aufgabe sucht, zum Beispiel durch die tägliche Arbeit im Gefängnis. Der Mensch muss Sinnhaftigkeit empfinden. Pragmatismus hilft am besten gegen Verzweiflung.

Nina Bautz

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