Über Fehler im Spiel gegen Fortuna Köln

Raeder: "Kann Ärger der Fans verstehen"

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„Ich habe aus meiner Zeit bei Bayern sehr viel mitgenommen“: Raeder (r.) über das Training mit Stars wie Martinez.

München - Lukas Raeder (22) weiß wovon er spricht, wenn er die Qualität von Benfica hervorhebt – denn der ehemalige Torhüter des FC Bayern ist mit Vitoria Setúbal in der portugiesischen Liga schon mehrfach gegen Lissabon unter die Räder gekommen.

Im Interview spricht er über den heutigen Bayern-Gegner – und sich selbst.

Herr Raeder, Bayern gegen Benfica – hat der Erste der portugiesischen Liga eine Chancen gegen den Ersten der Bundesliga?

Der Respekt vor dem FC Bayern ist groß. Es war nicht das Los, dass sich die Benfica-Fans für das Viertelfinale gewünscht haben. Aber Benfica ist keineswegs chancenlos. Nicht umsonst ist die Mannschaft in der Champions League so weit gekommen. Und erinnern wir uns an die vergangene Saison: damals war der FC Bayern gegen den FC Porto klarer Favorit und hat in Porto 1:3 verloren.

Wie würden Sie die Spielweise von Benfica charakterisieren?

Sie ist wie die des FC Bayern auf viel Ballbesitz ausgelegt. Benfica hat sehr gute Einzelspieler und versucht das Spiel zu kontrollieren. Gegen Bayern wird das wohl nicht möglich sein. Ich bin gespannt, wie Benfica mit der ungewohnten Situation zurecht kommt.

In Jonas verfügt Benfica über einen gefährlichen Stürmer – der Brasilianer liegt mit 30 Liga-Treffern in der europäischen Torjägerliste vor Cristiano Ronaldo auf Platz eins.

Jonas ist immer topmotiviert. Auch in den Spielen gegen die kleineren Vereine. Das ist einer der Gründe für seine beeindruckende Trefferquote. Die Unterschiede in der Primeira Liga sind schon sehr ausgeprägt. Benfica, Sporting und Porto dominieren. Braga kann noch einigermaßen mithalten. Der Abstand zum Rest der Liga ist groß.

Spiegelt sich das auch in den Zuschauerzahlen wider? Wie viele Besucher kommen beispielsweise zu den Heimspielen von Vitória Setúbal?

So 2500 – das dürfte wohl auch der Schnitt bei den anderen kleinen Klubs sein. Bei Benfica ist das Stadion meistens voll. Ins Estádio da Luz passen 65 000 Zuschauer rein. Benfica hat die größte Fangemeinde im Land.

2500 Zuschauer – für Erstligaverhältnisse eine bescheidene Kulisse...

Man darf nicht vergessen, dass in Portugal deutlich weniger Menschen als in Deutschland oder in England leben, die aber trotzdem auf 18 Vereine verteilt sind. Dazu kommt noch, dass es den Leuten wirtschaftlich nicht so gut geht und die Tickets nicht gerade billig sind. Insgesamt ist das Interesse am Fußball aber sehr groß – da ist kein Unterschied zu Deutschland festzustellen. Fußball ist die klare Sportart Nummer eins. Und es gibt auch sehr viele Talente. Doch in der Jugendförderung ist es noch viel Luft nach oben. Wenn ich die Plätze sehe, auf denen die Jugendmannschaften von Vitória Setúbal trainieren – das kann man mit den Verhältnissen in Deutschland nicht vergleichen. Es sei denn, man schafft es in die Jugendakademien von Benfica, Sporting oder Porto.

Sie haben den Weg über den FC Bayern gewählt. Ein gute Entscheidung?

Ich habe aus der Zeit bei Bayern sehr viel mitgenommen. Vieles ist so verlaufen, wie ich mir das vorgestellt hatte. Bei meinem Wechsel von Schalke zum FC Bayern ist abgesprochen gewesen, dass ich in der U 23 spiele, aber mit der 1. Mannschaft trainiere.

Sie wollten bei Manuel Neuer in die Lehre gehen.

Im täglichen Training mit Manuel kann man sehr viel lernen – in allen Bereichen. Er ist ein absolut kompletter Torwart. Was mich besonders beeindruckt: Das Vertrauen in seine eigenen Stärken.

2014 gingen Sie dann zu Setúbal – aber es folgte ein Auf und Ab.

Stimmt. Mal habe ich fünf Spiele gemacht, dann hat mich der Trainer wieder auf die Bank gesetzt. Dann habe ich wieder gespielt und ein paar Wochen später saß ich wieder draußen. Es wird hier sehr stark auf die Zahlen geschaut. Wenn du in einem Spiel vier oder fünf Treffer kassierst, trifft dich als Torwart eine Mitschuld, auch wenn alle unhaltbar waren.

Apropos Fehler, wie schwer fällt es Ihnen, über den schwerwiegendsten Patzer in ihrer noch jungen Karriere zu sprechen?

Es gibt sicher Angenehmeres.

Sie hatten im Relegationsspiel gegen Fortuna Köln in der Nachspielzeit einen harmlosen Ball unterlaufen und damit den schon sicher geglaubten Aufstieg der U 23-Mannschaft des FC Bayern in die dritte Liga verpatzt.

Fehler passieren. Es war nicht der erste und es wird auch nicht der letzte spielentscheidende Fehler eines Torhüters sein. Natürlich ist es sehr bitter, wenn einem ein solches Missgeschick in so einer Situation unterläuft. Vor allem tut es mir sehr leid für meine Mitspieler – und natürlich für den FC Bayern . Der Aufstieg wäre für die Nachwuchsabteilung sehr wichtig gewesen.

Manche Fans sind immer noch sauer auf Sie...

Ich kann die Reaktionen verstehen. Aber ich habe das nicht mit Absicht gemacht.

Das Interviewführte Roland Wiedemann.

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