1. tz
  2. Sport
  3. FC Bayern

"Peps System kenne ich aus Hoffenheim"

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

null
Ralf Rangnick. © dpa

Salzburg - Fußball-Professor, Bundesliga-Trainer, Sportdirektor: So in etwa könnte man den Verlauf in der Karriere von Ralf Rangnick wiedergeben.Vor dem Spiel zwischen Red Bull Salzburg und dem FC Bayern nahm sich Rangnick Zeit für die tz.

Fußball-Professor, Bundesliga-Trainer, Sportdirektor: So in etwa könnte man den Verlauf in der Karriere von Ralf Rangnick wiedergeben. Nie ganz gerade, nie ganz normal – und so betreut er im Moment sogar gleich zwei Vereine, RB Salzburg und RB Leipzig. Wie das geht, und wo insbesondere der österreichische Klub vor dem Topspiel heute gegen den FC Bayern (16 Uhr, Servus TV) steht, erklärt der Schwabe im Interview mit der tz.

Herr Rangnick, wo erreichen wir Sie gerade?

Rangnick: Ich bin noch in Belek in der Türkei, beim Trainingslager von RB Leipzig. Nach dem letzten Testspiel fliege ich dann nach München und fahre weiter nach Salzburg. Beim Spiel bin ich also dabei!

Und was passiert am Sonntag? Durchschnaufen?

Rangnick: Nicht ganz. Am Montagabend geht es direkt weiter nach Doha. Dort halten wir das Trainingslager von Red Bull Salzburg ab.

Ein straffes Programm, und die logische Folge, wenn man gleich zwei Vereine betreut?

Rangnick: Nein, natürlich nicht. Es ist Vorbereitung und Transferperiode. Da ist es noch mal intensiver, was das Reisen betrifft. Es gibt aber auch ruhigere Phasen.

Welcher Verein, welches der beiden Projekte macht Ihnen mehr Spaß?

Rangnick: Das kann man gar nicht gewichten. Für uns sind beide Vereine sehr wichtig! In meiner Funktion muss man noch flexibler sein und ist besonders darauf angewiesen, dass man vor Ort Menschen hat, denen man zu 100 Prozent Vertrauen kann. Ich kann nicht an beiden Stellen gleichzeitig sein, das ist nun mal so.

Sie sind mit zwei Klubs von Liga drei in Liga eins marschiert. Da könnte man meinen, dass besonders Leipzig Sie reizt.

Rangnick: Das war auch so, denn vor allem die Perspektive mit RB Leipzig hatte einen nicht unerheblichen Anteil an meiner Entscheidung. Wenn es Leipzig nicht gegeben hätte vor eineinhalb Jahren, hätte ich wahrscheinlich nicht darüber nachgedacht, mal nur Sportdirektor zu sein. Ohne Leipzig und die damit verbundene Gesamtkonstellation, für zwei Vereine verantwortlich tätig zu sein, hätte ich es wohl nicht gemacht.

Matthias Sammer ist bei jeder Einheit direkt am Platz, als würde er den grünen Rasen vermissen. Wie ist das bei Ihnen?

Rangnick: Die Frage habe ich mir gestellt, als es darum ging, ob ich diese Aufgabe übernehme oder nicht. Ich bin oft hautnah dabei, aber ich bin letztendlich nicht als Trainer verantwortlich.

Wären Sie es gern wieder?

Rangnick: Vorstellen kann ich es mir schon. Ich bin mit meinen 55 Jahren auch einfach zu jung, um zu sagen, dass ich nie wieder Trainer sein will. Aber jetzt gerade greifen die Dinge hier spürbar, in der Art, wie die Mannschaften spielen, wie sie dastehen in der Tabelle. Da gibt es noch so viel, was man bewegen kann und wo wir zusammen nachjustieren.

Sprechen wir über Salzburg: Wann gibt es denn ein Spiel gegen Bayern in der Champions League?

Rangnick: Frühestens dann, wenn wir uns das erste Mal in der Vereinsgeschichte von Red Bull Salzburg dafür qualifizieren (lacht). Nein, das ist natürlich das große Ziel: Meister werden und dann in die Gruppenphase der CL einziehen! Ich bin guter Dinge, dass wir das schaffen können. Nicht nur, weil wir im Moment so großen Vorsprung in der Liga haben, sondern weil wir auch eine Mannschaft haben, die unsere Spielphilosophie immer besser umsetzt und Partien nun auch dominieren kann.

Was hat sich getan, seit Sie diese Aufgabe übernommen haben?

Rangnick: Wir haben zu Beginn viele Veränderungen vorgenommen, um die Voraussetzungen zu schaffen, unseren Weg bestmöglich gehen zu können. Wenn wir beispielsweise nur mal das Personal nehmen, so haben wir eine Reihe von Positionen durchgewechselt. Und ich rede dabei nicht von Spielern, sondern Trainern, Nachwuchskoordinatoren, Medizinern, Geschäftsführern und vielen anderen. Das hat Zeit und Kraft gekostet, aber jetzt spürt man, wie wichtig es war, dies zu tun.

Und was ist bei der Kaderplanung alles passiert?

Rangnick: Wir haben fast ausschließlich junge Spieler verpflichtet und damit das Durchschnittsalter in beiden Klubs um drei bis vier Jahre verringert. Die Mannschaft, die nun gegen Bayern spielt, wird im Durchschnitt knapp unter 24 Jahre alt sein.

Sie setzen auf die Jugend. Wie sehr stört Sie dann die Kritik, dass angeblich alles nur davon abhängt, inwieweit Dietrich Mateschitz die Gelddose aufmacht?

Rangnick: Wenn ich ehrlich bin, nehmen wir das bei uns gar nicht mehr wahr. Ohne gewisse finanzielle Voraussetzungen geht es im Profi-Fußball einfach nicht und wir wissen auch, dass wir hier sehr gute Bedingungen haben. Es ist aber falsch zu glauben, dass sich Spieler nur des Geldes wegen für uns entscheiden. Es geht vor allem um die sportliche Weiterentwicklung und Perspektive. Wir sind für viele Spieler der nächste, richtige und logische Schritt in ihrer Karriere. Das möchte ich begleiten. Nochmal: Ich bin mit Haut und Haaren hier!

Sie hätten 2004 Assistent von Jürgen Klinsmann werden können. Denken Sie nicht manchmal, was daraus hätte werden können?

Rangnick: Ich habe keine Ahnung, wie das damals zustande kam mit diesem Gerücht. Aber ich kann sagen, dass der Wahrheitsgehalt bei Null liegt. Es hat nie einen Kontakt gegeben.

Reden wir über Taktik: Ist es für Sie spannend zu sehen, wie Pep Guardiola derzeit das flexible 4-1-4-1-System etabliert?

Rangnick: Nein, das habe ich in Teilen schon in Dortmund gesehen, auch damals bei uns in Hoffenheim. Ich finde es eher spannend zu sehen, wie Guardiola in einem für ihn fremden Land wie Deutschland bewegt. Da kann man nur den Hut ziehen! Das ist spannend und eine tolle Auszeichnung, dass er sich für den deutschen Fußball entschieden hat.

Wie haben Sie die Maßnahme gesehen, Lahm auf die Sechs zu stellen? Mutig?

Rangnick: Nein, denn er kommt ja daher. In der Jugend war das seine Position.

Interview: Michael Knippenkötter

Auch interessant

Kommentare