Nach dem Wirbel in Barcelona

Kommentar: Mario Götze ist ein Mann im Nirgendwo

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Mario Götze.

München - Redakteur Günter Klein vom Münchner Merkur kommentiert die Geschehnisse rund um Mario Götze nach dem Barcelona-Spiel. Für Klein ist der ehemalige Dortmunder ein Mann im Nirgendwo.

Die Lage um Mario Götze ist dramatisch geworden. Vor vier Jahren hatte er noch ein Super-Image. Der Professorensohn und das Versprechen, dass auch Deutschland seinen Lionel Messi bekommt; Dortmund war stolz auf ihn, die Bayern träumten von einem wie ihn, hielten ihn aber für unerreichbar. Dann vor zwei Jahren: Unten durch beim BVB-Anhang, als der Wechsel nach München publik wurde. Verräter, Judas! Vom Anhang des FC Bayern hörte Götze jedoch einen herzlichen Willkommensgruß – und die These, als gebürtiger Allgäuer gehöre er gewissermaßen hierher. Coming home sozusagen. Jetzt schreiben wir das Jahr 2015, Götze ist eine Figur der Zeitgeschichte geworden mit seinem Weltmeister-Tor. Doch wer außer den Schland- und Event-Fans himmelt ihn noch an? Auch in Bayern-Fankreisen mehren sich die kritischen Stimmen. Ach was, eigentlich schon die höhnischen.

Günter KleinSie erreichen den Autor unterGuenter.Klein@merkur.de

Man muss fragen: Wie wäre die Reaktion, hätte es die strittige Szene nach dem 0:3 in Barcelona mit einem anderen Bayern-Spieler als mit Götze gegeben? Dieser hatte das Feld von Camp Nou in freundschaftlicher Umarmung mit Barcelonas deutschem Tormann Marc-Andre ter Stegen verlassen – und dabei auch noch die Mundwinkel nach oben gezogen. Bei Thomas Müller hätte man gesagt: Schaut, Leute, wie schlitzohrig der Müller ist, wiegt den Feind in Sicherheit fürs Rückspiel, in dem er ihm dann einschenken wird. Bei Philipp Lahm würde es heißen: Sportsmann durch und durch, er weiß einfach, dass man erst einmal zu gratulieren hat. Aber im Fall von Götze mündet es in eine wilde Theorie: Hat sich der Typ vielleicht sogar gefreut über die Klatsche, quasi als Rache, weil man ihn nicht für würdig befunden hat, in der Startformation zu stehen?

Grundsätzlich: Man muss Gesten nach einem Spiel nicht überinterpretieren, ein korrekter Umgang mit dem Gegner ist eigentlich ja Zeichen gesunden Sportsgeistes und von den großen Verbänden wie der UEFA ausdrücklich gewollt. Und es muss ein Sportler nach einer Niederlage nicht durchs Leben gehen, als gebe es kein Morgen mehr. Er soll auch noch in ein Restaurant gehen und lachen dürfen. Außerdem erwartet der Fan fürs Rückspiel der Bayern noch große Bemühungen – und aus der tiefen Tristesse heraus werden die nicht erfolgen können.

Was nun Mario Götze betrifft: Der wirkt – sein offener Brief zeigt es – ziemlich erschrocken darüber, welche Reaktionen er mittlerweile hervorruft. Er und sein Management (zu dem auch Vater Götze gehört) sollten langsam realisieren, dass in der Markenbildung einiges schiefgelaufen ist. Und dass auch nach rein sportlichen Kriterien die Karriere stagniert. Mario Götze hat Dortmund so verlassen, dass er nicht zurückkehren kann, und ist in München nicht angekommen. Ein Mann im Nirgendwo.

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