Santillana im Interview

Real-Legende erklärt, warum ihn Heynckes nicht grüßt und er die Bayern-Chancen sieht

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Santillana (65) - Real-Legende

„Die Schlacht ist verloren, der Krieg noch nicht.“ So denkt Franck Ribéry über das CL-Halbfinalrückspiel am Dienstag gegen Real. Sieht man auch in Madrid so, wie Santillana (65) der tz verrät.

Santillana: Die königliche Legende kickte in den Achtzigern für das weiße Ballett, gewann neun Ligatitel und ist nach Raúl, Di Stéfano und Ronaldo der viertbeste Ligatorschütze der Blancos. Das Interview:

Santillana, hatte Real im Hinspiel Glück?

Santillana: Von einem guten Spiel kann ja wohl keine Rede sein. Real unterhält zuletzt aber eine Liebesbeziehung mit diesem Wettbewerb – das hat geholfen. Den Titel zweimal in Folge gewonnen zu haben, vermittelt Sicherheit.

Ist das Ding durch?

Santillana: Ich traue den Bayern nicht über den Weg. Das Siegergen der Münchner ist uns ja bekannt, denken Sie nur an die vergangene Saison! Das war eng. Bayern hat ein gutes Hinspiel gemacht, ich hätte sie nicht so hartnäckig erwartet. Unter Heynckes sind sie wieder zu ihren Ursprüngen zurückgekehrt. Direkt, kompromisslos und ohne Umschweife nach vorne – so kenne ich Bayern.

Sind Sie überrascht von Heynckes’ Arbeit?

Santillana: Hut ab! Heynckes erinnert mich an Molowny bei Real. Auch er verstand es, die Kabine im Griff zu haben, auf die Spieler zuzugehen und die Spielphilosophie dem Klub anzupassen. Wie Ribéry unter ihm aufgeht, ist unglaublich. Wahnsinn, wie er mit 35 gegen Real gespielt hat! Abgesehen davon vermittelt Heynckes auch den Eindruck, als ob er ein gutmütiger Mann sei.

Ist das im Fußball wichtig?

Santillana: Natürlich, aber es muss auch der Sachverstand da sein. Heynckes kennt das Geschäft wie kein Zweiter. Mit Real traten wir mal gegen seine Gladbacher an. Stielike, Vogts, Wimmer, Simonsen, Jensen – was eine Truppe! Wir sind mit einem 2:2 dort und einem 1:1 in Madrid mit Ach und Krach weitergekommen. Heynckes war ein großartiger Stürmer, viel begabter und wendiger als Müller. Allzu gern wird er sich aber nicht an mich zurückerinnern wollen.

So?

Santillana: Heynckes war schon Trainer in Gladbach, als er uns im Hinspiel 5:1 schlug. Im Rückspiel gewannen wir aber 4:0, eine jener legendären Aufholjagden dieser Zeit. Zwei Tore erzielte Valdano, zwei ich. Als wir uns später in Madrid über den Weg liefen, sagte Jupp immer: „Grüß mich bloß nicht!“ (lacht)

In München hatte Cristiano nicht seinen besten Tag…

Santillana: Es war nicht seine Schuld, er hat einfach keine Bälle bekommen. Mit Benzema im Spiel wurde es dann besser.

Und Lewandowskis Partie?

Santillana: Es war nicht sein Abend. Vor allem, weil Bayern ja dominiert hat. Ich erinnere mich da stets gern an Gerd Müller zurück. Er war immer zur rechten Zeit am rechten Fleck. Ein Vollblutstürmer.

Und Lewy?

Santillana: Er gefällt mir sehr. Heutzutage gibt es nur noch wenige Stürmer wie die von früher – er bringt dieses Profil aber noch mit. Cavani, Kane, Suárez, in Spanien noch Adúriz – Strafraumstürmer wie sie im Buch stehen. Ich bin Fan von Lewandowski, weil er sich intelligent bewegt und stark im Kopfballspiel ist.

Passt er zu Real?

Santillana: Ich glaube schon! Lewandowski kickt bereits für einen Top-Klub wie Bayern, aber er würde auch zu Klubs wie Real oder Barçelona passen. So ein Stürmer passt doch so gut wie zu jedem Klub.

Zu Ihrer Zeit war Bayern noch die schwarze Bestie.

Santillana: In der Tat, der deutsche Fußball hatte dem spanischen und eigentlich auch dem europäischen so einiges voraus. Sie waren in physischer Hinsicht besser. Wir sprechen hier von Beckenbauer, Maier, Müller, Rummenigge, Hoeneß – allesamt Idole unserer Zeit. Soll ich Ihnen etwas sagen?

Bitte!

Santillana: 1975 sind wir in Madrid gegen Deutschland angetreten. Die Partie ging 1:1 aus – ich habe das Tor erzielt, ein Tor gegen Maier! Zu dieser Zeit haben wir das Ausland stark glorifiziert.

Und jetzt?

Santillana: Jetzt denken wohl sie dasselbe über die Spieler von Real. Ich erinnere mich noch, wie wir fluchten, wenn wir gegen Bayern spielen mussten. Jetzt fluchen sie.

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