Doch nicht nach Landsberg?

Rechtsexperten: Hoeneß-Verlegung möglich

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Uli Hoeneß.

München - Rechtsexperten sehen Chancen, dass Uli Hoeneß nicht nach Landsberg muss. Die Staatsanwaltschaft schweigt zum Thema.

Es war die vorerst letzte große Hoeneß-Party, die die 500 geladenen Gäste im Münchner Postpalast am Samstag erleben durften. Aber es war nochmal eine, die in Erinnerung bleibt. Karl-Heinz Rummenigge dankte seinem „Freund Uli“, der „viele wichtige Werte in den Verein gebracht hat“. Und Horst Seehofer legte noch einen drauf.

„Ich will einer Persönlichkeit danken, und zwar ganz bewusst auch als Bayerischer Ministerpräsident, weil wir ihm als Freistaat Bayern ungeheuer viel zu verdanken haben“, sagte er, als er zum Mikrofon griff. Die einzigartige Erfolgsgeschichte habe „zweifelsohne mit einem Namen zu tun, der diesen FC Bayern zu einem Fußballklub mit weltweiter Ausstrahlungskraft gemacht hat. Das, lieber Uli Hoeneß, wird immer bleiben, das kann Ihnen niemand nehmen. Danke, Uli Hoeneß, für diese großartige Leistung.“ Hoeneß, gekleidet im beigen Trachtenjanker lächelte, Edmund Stoiber, unweit sitzend, klatschte. Der Klub steht trotz der Verurteilung zu dreieinhalb Jahren Haft hinter Hoeneß. Und die Politik – so scheint es nach außen – auch.

Es ist wieder ein bisschen mehr Brisanz im Thema, seitdem öffentlich wurde, dass die Anwälte von Hoeneß einen Einspruch gegen den Antritt der Haftstrafe in der JVA Landsberg eingelegt haben. Zwischen dem 20. und 30. Mai sollte der Ex-Präsident des FC Bayern ursprünglich einrücken, nun könnte sich der Haftantritt noch einmal hinauszögern. Da nicht sicher ist, wie schnell die Staatsanwaltschaft München II als zuständige Institution über den Einspruch entscheidet, haben Hoeneß’ Anwälte auch einen Antrag auf Vollstreckungsaufschub gestellt. Die Haftstrafe muss der 62-Jährige wohl erst dann antreten, wenn über eine mögliche Verlegung entschieden wurde.

Die Verbüßung der Haftstrafe in einem anderen Bundesland soll Hoeneß abgelehnt haben, weil er den Eindruck einer Sonderbehandlung vermeiden wollte. Im Gespräch ist jetzt die JVA Landshut, das modernste, erst 2008 eröffnete Gefängnis in Bayern. Als „menschenwürdig“ bezeichnen ehemalige Insassen die Bedingungen vor Ort. Viele Einzelzellen gibt es in Landshut, separate Toiletten, ein Fitness-Center. Es ist auf Blog-Einträgen im Internet auch vom „Nobel-Knast“ die Rede – eine heikle Sache im Fall des prominenten Häftlings. Und eine politische Entscheidung, die Folgen haben wird. So oder so.

Die Diskussion im Internet läuft längst auf Hochtouren: „Darf man sich mittlerweile den Knast seines Vertrauens selbst aussuchen?“, schreibt ein Twitter-User. Ein anderer: „Darf man als Leitung aus Gefängnissen eine Touristenattraktion machen?“ Das sind die beiden Fragen, die auch die Justiz beschäftigen.

„Von uns kein Kommentar“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft München II, bei der der Antrag eingegangen ist. Aus dem Justizministerium hörte man gestern Ähnliches. Es handle sich um „einen konkreten Einzelfall, in dem Persönlichkeitsrechte im Raum stehen“, sagte ein Sprecher. Immerhin aber wies er auch darauf hin, dass beim „Tag der offenen Tür“ für die Medien in der JVA Landsberg – dem Ereignis, das Hoeneß als Eingriff in seine Persönlichkeitsrechte bewertet – „keine Fragen zu einer konkreten Person beantwortet wurden“. Dass das Thema im Ministerium als heikel gilt, merkte man. Offiziell ging es beim Presserundgang durch das Gefängnis nicht um Hoeneß, der Hintergrund des Spektakels aber war jedem klar. Nicht umsonst hat Justizminister Winfried Bausback (CSU) in einer Kabinettssitzung von Seehofer für die Genehmigung der Aktion einen ordentlichen Rüffel bekommen.

Das Justizministerium ist nun nicht direkt zuständig für den Fall, wird aber wohl zu Rate gezogen und mitreden dürfen. Ob Hoeneß’ Gründe von der Justiz als triftig genug erachtet werden, um vom Strafvollstreckungsplan abzuweichen, gilt es zu klären. Rechtsexperten rechnen dem wegen Steuerhinterziehung verurteilten Bayern-Macher aber gute Chancen zu, nicht nach Landsberg zu müssen. Auch Strafgefangene haben Anspruch auf „Schutz der Privatsphäre und auf Gleichbehandlung“, heißt es.

Rummenigge schloss seine Rede im Postpalast mit den Worten: „Uli, Dir steht eine sehr schwere Zeit bevor.“ Nur wann und wo diese anfängt, ist nun wieder offen.

Hanna Schmalenbach

Steuer-Affäre Hoeneß - eine Chronologie

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