"Wir wägen sorgfältig ab"

Reschke: Bayern soll kein Talente-Verleih werden

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Michael Reschke.

München - Bayern München stärkt seine Nachwuchsförderung gezielt, der deutsche Fußball-Rekordmeister will jedoch ausdrücklich kein "Talente-Verleih" werden.

 „Ausleihen ist kein Prinzip bei uns, sondern immer eine Einzelfallentscheidung. Wir wägen sehr sorgfältig ab, was für einen jungen Spieler gerade Sinn macht. Für Pierre Emile Höjbjerg beispielsweise ist der FC Augsburg eine sehr, sehr gute Lösung. Aber dahinter steckt kein Prinzip a la FC Chelsea“, sagte der Technische Direktor Michael Reschke im SID-Interview.

Reschke, der 35 Jahre lang für den Liga-Rivalen Bayer Leverkusen gearbeitet hat, sieht für junge Spieler keinen „einzigen Königsweg“ nach oben. „Es gibt viele Wege, die für einen Spieler zielführend sein können. Bei Christoph Kramer war es die Ausleihe, bei Marco Reus die Entwicklung über Dortmund, Ahlen, Gladbach und dann wieder Dortmund. Bei Philipp Lahm war es der Umweg über Stuttgart. Manuel Neuer dagegen hatte sehr jung schon einen Stammplatz bei Schalke. Für Kevin Kampl war es sicher optimal in Salzburg, er hat einen längeren Reifeprozess benötigt“, sagte der 57-Jährige.

Generell sei das Niveau der Nachwuchsspieler in Deutschland deutlich höher einzuschätzen als noch zur Jahrtausendwende. „Viele U21-Nationalspieler haben damals in der 2. und 3. Liga gespielt. Heute finden sich in der U20 oder sogar U19 schon Spieler mit Bundesliga-Erfahrung“, betonte Reschke: „Das Ausbildungsniveau ist auf einem deutlich höheren Leistungsstand als vor 10 oder 15 Jahren. `

Der FC Bayern hat seine Ausrichtung in der Nachwuchsförderung verändert. Ausdruck dessen sind neben Reschkes Verpflichtung im Sommer vergangenen Jahres der explizite Einstieg von Uli Hoeneß in die Jugendabteilung sowie zuletzt die Transfers Sinan Kurt (18/Borussia Mönchengladbach) und Joshua Kimmich (19/RB Salzburg/VfB Stuttgart). Zudem soll die Nachwuchsabteilung in ein eigenes Trainingszentrum umziehen.

Lesen Sie hier das komplette Intervirew mit Michael Reschke:

Michael Reschke, als Technischer Direktor bei Bayern München haben Sie großen Einfluss auf die Förderung junger Spieler. Ist der FC Bayern dabei, ein “Prinzip Ausleihe' zu entwickeln? Wie zuletzt bei Pierre Emile Hojbjerg?

Michael Reschke (Technischer Direktor Bayern München): "Ausleihen ist kein Prinzip bei uns, sondern immer eine Einzelfallentscheidung. Wir wägen sehr sorgfältig ab, was für einen jungen Spieler gerade Sinn macht. Für Pierre Emile Höjbjerg ist Augsburg eine sehr, sehr gute Lösung. Aber dahinter steckt kein Prinzip a la FC Chelsea.“

Ist das nicht auch ein Eingeständnis? Er hat es nicht geschafft, es war zu früh?

Reschke: „Wir sind von Pierre Emile absolut überzeugt, alle. Das Ausleihen ist uns schwergefallen, weil er aktuell schon ein sehr guter Spieler ist, das ist intensiv diskutiert worden. Er wird in Augsburg sehr regelmäßige Spielpraxis bekommen, was förderlich sein wird. Wir haben das sehr bewusst nur für ein halbes Jahr gemacht, nicht für länger.“

Max Eberl hat eine Diskussion über den richtigen Weg für Talente im Fußball angestoßen. Was empfehlen Sie?

Reschke: „Es gibt keinen einheitlichen Weg. Es gibt viele Wege, die für einen Spieler zielführend sein können. Bei Christoph Kramer war es die Ausleihe, bei Marco Reus die Entwicklung über Dortmund, Ahlen, Gladbach und dann wieder Dortmund. Bei Philipp Lahm war es der Umweg über Stuttgart. Manuel Neuer dagegen hatte sehr jung schon einen Stammplatz bei Schalke. Für Kevin Kampl war es sicher optimal in Salzburg, er hat einen längeren Reifeprozess benötigt. Es gibt keinen einzigen Königsweg.“

Sie haben zuletzt Joshua Kimmich und Sinan Kurt von Red Bull Salzburg bzw. Borussia Mönchengladbach jeweils sehr jung verpflichtet. Muss ein Talent gleich bei Bayern München landen? Wäre ein Umweg nicht manchmal der bessere Weg?

Reschke: „Viele U21-Nationalspieler haben vor 10 oder 15 Jahren in der 2. und 3. Liga gespielt. Heute finden sich in der U20 oder U19 schon Spieler mit Bundesliga-Erfahrung. Das Ausbildungsniveau ist auf einem deutlich höheren Leistungsstand als vor 10 oder 15 Jahren. Im wichtigen Entwicklungsprozess eines Spielers zwischen 19 und 21 Jahren gibt es viele sinnvolle Varianten.“

Das ist der Blick auf die Spieler. Wie würden Sie die Vereinsphilosophie erklären? Was sollen Sie beim FC Bayern einbringen? Sie bringen große Erfahrung aus Leverkusen mit.

Reschke: „Bayern München hat in den vergangenen fünf Jahren dreimal das Champions-League-Finale erreicht. Das beruht auf einer klugen, durchdachten Kaderplanung, sonst wären solche Erfolge ausgeschlossen. Der Anspruch der Bayern wird es auch in Zukunft sein, weiter eine tragende Rolle im europäischen Topkonzert zu spielen.“

Dabei spielt die Nachwuchsförderung eine größere Rolle als zuvor? Matthias Sammer hat Versäumnisse in den vergangenen beiden Jahren eingestanden. Im Kader der U19-Europameister war kein Bayern-Spieler zu finden.

Reschke: „Daran wird sich die Kaderplanung ausrichten. Jede einzelne Entscheidung wird aber immer eine durchdachte und abgewägte sein. Es gibt keine Lex. Die Jugendförderung wird immer ein wichtiger Bestandteil sein.“

sid

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