"Was für eine Diskussion lösen wir aus?"

Reus-Transfer: Rummenigge spricht über Moral-Frage

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Karl-Heinz Rummenigge.

München/Dortmund - Bei der Frage nach einem möglichen Wechsel von Marco Reus geht es längst nicht mehr um dessen sportliche Qualität, sondern um moralische Aspekte. Jetzt äußert sich Karl-Heinz Rummenigge dazu.

Die Diskussionen um BVB-Star Marco Reus gehören längst zum Alltag. Doch bei der Frage nach dem derzeit wohl begehrtesten deutschen Fußballer geht es inzwischen nicht mehr um dessen sportliche Qualität, sondern um moralische Aspekte eines möglichen Transfers zum FC Bayern. „Ich stelle mir seit Wochen die Frage, was genau unser Job ist“, verrät FCB-Boss Karl-Heinz Rummenigge im Spiegel: „Es geht darum, die Qualität der Mannschaft so zu gestalten, dass sie erfolgreich Fußball spielt. Und: Was für eine Diskussion über Moral lösen wir aus, wenn wir einen Spieler von einem direkten Konkurrenten holen?“

Verwerflich sei so ein Transfer jedoch nicht, wie der Vorstandsvorsitzende der Münchner am Beispiel von Mario Götze und Robert Lewandowski erklärt: „Wenn wir sie nicht geholt hätten, würden die beiden jetzt irgendwo im Ausland spielen und nicht mehr in der Bundesliga. Beide aber machen unsere Liga attraktiv. Götze hatte ein Wahnsinnsangebot von Manchester City, Real Madrid wollte Lewandowski unbedingt. Wäre das besser für die Bundesliga gewesen?“ Die Attraktivität der Liga ist dem 59-Jährigen wichtig. Nicht nur aus sportlicher, sondern auch aus wirtschaftlicher Sicht. Trotz des sich abzeichnenden Durchmarschs zur dritten Meisterschale in Folge sagt er: „Auch der FC Bayern ist an einer emotionalen Liga interessiert. Und wir brauchen in der Bundesliga mehrere Lokomotiven, nicht nur den FC Bayern.“

Diese Rolle traut nicht nur Rummenigge, sondern auch Oliver Bierhoff der Borussia Dortmund zu. Deshalb würde er sich auch über einen Reus-Verbleib bei den Schwarz-Gelben nicht wundern. „Ich kann ihn mir weiterhin sehr gut in Dortmund vorstellen“, sagte der Nationalmannschaftsmanager bei Sky90: „Dortmund ist für ihn eine Bank.“

Auch für den Bayern-Boss bleibt die Borussia der ärgste Konkurrent: „Die haben das größte Potenzial, eine gute Mannschaft, einen guten Trainer.“ Der aufstrebende Emporkömmling RB Leipzig bereitet ihm dagegen weniger Sorgen. „Ich weiß eines: Irgendwann wird auch Red Bull finanziell an Grenzen stoßen“, meint Rummenigge im Spiegel.

An Grenzen stieß damals auch Ex-Coach Louis van Gaal beim FCB. Rummenigge: „Er wollte den Verein vangaalisieren. Als er in seiner zweiten Saison in einem Edelrestaurant seine eigene Biografie vorstellte, da wusste ich, es kommen schwere Zeiten auf uns zu. Vangaalisieren, so nennen wir das bis heute.“ Zwar sei auch Pep Guardiola ein Innovator, aber der Spanier „ist maßvoll. Er hat viele Ideen. Sie sind manchmal ungewöhnlich, aber nie verrückt. Ich halte Pep für ein Genie und hoffe, dass er uns noch lange erhalten bleibt“.

tz

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