"Ich habe damals auf mein Recht gepocht"

Lewandowski spricht über versteckte Wut

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Robert Lewandowski.

München - Robert Lewandowski blickt auf seinen Abgang von Borussia Dortmund zurück. Der Bayern-Stürmer war sauer, dass er den BVB nicht vorher verlassen durfte. Seine Reaktion war umso bemerkenswerter.

Was war das doch ein langwieriger Prozess. Über ein Jahr lang hielten sich die Gerüchte. Verlässt Robert Lewandowski Borussia Dortmund? Verlässt er den BVB noch vor Ende seines 2014 auslaufenden Vertrags? Und wohin überhaupt? Eigentlich war die ganze Zeit klar: Es wird der FC Bayern. Nur sagen wollte es keiner.

Doch der Rekordmeister hat es geschafft: Im Januar 2014 reiste der Pole zum Medizincheck, unterschrieb daraufhin den Fünf-Jahres-Vertrag, und der FC Bayern verkündete den Transfer hochoffiziell. Und es war einer, den beide Seiten schon viel früher hätten unter Dach und Fach bringen können. Schon im Sommer 2013 wollte Lewandowski die Dortmunder verlassen. Der FCB soll bereit gewesen sein, eine Ablöse von 30 Millionen Euro zu überweisen. Der designierte Münchner Coach Pep Guardiola soll den Polen damals schon umschmeichelt haben, schreib ihm seiner Vier-Tore-Gala im Champions-League-Halbfinale im April 2013 gegen Real Madrid (4:1): "Du bist der Held dieser Nacht." Der BVB ließ seinen Vollstrecker aber nicht ziehen, setzte lieber auf die Leistung des Stürmers, verzichtete auf die Einnahmen aus der Ablöse - und behielt Recht. Wenn auch mit dem Preis, dass der polnische Nationalspieler sauer war, wie er heute zurückblickt. "Ich habe damals auf mein Recht gepocht zu gehen, aber wir haben keine Lösung gefunden", sagt der 26-Jährige dem Spiegel. "Das musste ich akzeptieren, auch wenn es mit schwer fiel."

Beim FCB eingeschlagen, Konkurrent geschwächt

Anzumerken war das Lewandowski aber nicht. Er wurde mit 20 Treffern Torschützenkönig - vor Bayerns Mario Mandzukic (18). "Ich habe alles erledigt, was von mir erwartet wurde. Und zwar zu hundert Prozent", erklärt er. Der Pole ist eben Vollblut-Profi: "Ich kann meine Gefühle, meine Wut gut verstecken. Alles andere bringt einen nur aus dem Gleichgewicht, zerstört die Konzentration."

Daher konzentriert sich der 26-Jährige nun voll und ganz auf den FC Bayern. Auch wenn er erst seit einigen Wochen im Team ist, spielt er auf, als habe er immer dazugehört. Das Pep-System hat der Nationalstürmer verinnerlicht. Genau so, wie es sich der Rekordmeister erhofft hat: Der FCB hat sich gezielt verstärkt und die Konkurrenz aus Dortmund sichtbar geschwächt - denn der BVB kommt nicht in Fahrt, hinkt mit sieben Zählern nach neun Partien den Ansprüchen in der Bundesliga deutlich hinterher. Den Verlust Lewandowski haben sie noch nicht kompensieren können. "Borussia hat aktuell ein paar Probleme", sagt Lewandowski, "aber um die sollte man sich nicht zu viele Sorgen machen. Früher oder später werden sie zurückkommen."

Seinen Erfolg hat Lewandowski auch seinen Beratern Maik Barthel und Cezary Kucharski zu verdanken. Letztgenannter hatte den damals 19-Jährigen beim Zweitligisten Znicz Pruszkow kennengelernt. "Seine Körpersprache war nicht gut, und er war zu dünn. Aber als er mit dem Innenrist schoss, war ich sprachlos, Der Ball ging ab wie eine Rakete. So einen harten Schuss hatte ich zuvor nicht gesehen", berichtet er dem Spiegel. Einige Tage später saßen beide zusammen. Kucharski: "Ich habe Robert gesagt, dass er das Zeug zu einem Superstar hat. Er hat mich angeguckt, als wäre ich bescheuert." Doch sein Berater behielt Recht.

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