Bayer-Boss im tz-Interview

Völler über Pokal-Hit: "Hoffentlich ein Schlagabtausch!"

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Sportchefs unter sich: Rudi Völler (Bayer 04 Leverkusen, l.) mit Matthias Sammer (FC Bayern).

München/Leverkusen - Die Bayern bei Bayer – im Pokalviertelfinale geht es heute rund. Aber hat Leverkusen eine Chance? Das Team ist in Topform – wie gut Kießling & Co. drauf sind, erklärt im großen tz-Interview Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler.

Herr Völler, mit dem 4:0 gegen den HSV hat Bayer am Wochenende ein Ausrufezeichen gesetzt. Gleichzeitig auch eine Kampfansage an den FC Bayern?

Rudi Völler: Ein 4:0 ist immer schön. Vor allem die Art und Weise unseres Sieges war sehr gut. Wir wissen, dass wir auf einen angeschlagenen Gegner getroffen sind, aber trotzdem haben wir richtig gut gespielt. Heute werden wir allerdings auf eine ganz andere Mannschaft treffen.

Mit einer Leistung wie Samstag ist man nicht chancenlos.

Rudi Völler: Trotzdem ist es eine Aufgabe, die kaum zu bewältigen ist. Trotz der vielen Ausfälle bleibt Bayern München das Maß aller Dinge. Aber wenn du den Pokal gewinnen willst, kommst du an ihnen nicht vorbei. Da ist es mir lieber, zuhause gegen sie zu spielen als in München oder im Finale in Berlin. Wir werden unser Glück heute versuchen, hoffentlich wird es ein offener Schlagabtausch.

Von den letzten acht Spielen hat Bayer sieben gewonnen. Ist das Team gerade in Topform?

Rudi Völler: Im Moment haben wir eine gute Phase, ja. Eines der wichtigsten Spiele dieser Saison haben wir vor zweieinhalb Wochen auf Schalke gewonnen. Und das nach 120 Minuten und dem enttäuschenden Aus in Madrid. Da hat die Mannschaft gezeigt, dass sie auch wichtige Spiele gewinnen kann. Heute steht sie wieder vor einer Riesenherausforderung. Aber wir freuen uns auf diese Partie und versuchen die kleine Chance zu nutzen.

Es gibt also schlechtere Zeitpunkte für ein Duell mit dem FCB, zumal der ja personell ziemlich gebeutelt ist...

Rudi Völler: Das stimmt. Auch bei einem Weltklassekader wie dem der Bayern sind Ausfälle wie die von Arjen Robben und Franck Ribéry schwer zu kompensieren. Im Eins-gegen-Eins gibt es kaum einen anderen Spieler in der Liga, der da so eine Qualität hat. Doch trotzdem ändert ihr Fehlen nichts an der Tatsache, dass die Münchner immer noch elf Weltklassespieler auf den Rasen stellen. Wir treffen auf eine richtig starke Mannschaft.

Hat es Sie überrascht, wie der FCB in Dortmund aufgetreten ist?

Rudi Völler: Ein bisschen. Aber da haben sich Guardiola und sein Trainerteam etwas bei gedacht. Und der Erfolg hat ihnen Recht gegeben.

Auch Roger Schmidt ist immer für eine taktische Finesse gut. Wird er Pep ähnlich wie damals mit Salzburg heute kalt erwischen?

Rudi Völler: Er hat uns einen eigenen Stil vermittelt, das zeichnet Roger aus. Anfang der Rückrunde hatten wir zwar einen kleinen Hänger, aber mittlerweile haben wir uns wieder sehr, sehr gut gefangen. Der Trainer weiß, was er will, und die Mannschaft setzt das hervorragend um. Die Geschichte damals in Salzburg will ich nicht zu hoch hängen. Für die Bayern war es ein Testspiel, für Salzburg das Spiel des Jahres. Viel wichtiger ist Rogers Arbeit hier – und die ist sensationell. Auch in der Phase, als es nicht so gut lief, hat er sein Ding durchgezogen.

"Bayern hat sich das schon selbst erarbeitet"

Auch das bittere CL-Aus hat das Team nicht umgeworfen. Bayer wirkt gefestigter als in den Jahren zuvor.

Rudi Völler: Stimmt, das Gefühl habe ich auch. Nicht nur, weil wir unseren eigenen Spielstil immer durchziehen. Sondern auch, weil wir nach Rückschlägen zurückkommen. Das ist ein Verdienst von Roger. In der Vergangenheit sind wir dann immer mal in eine kleine Krise gerutscht.

Erfolg weckt Begehrlichkeiten. Bayern wird Interesse an Gonzalo Castro nachgesagt…

Rudi Völler:  …was heutzutage ja völlig normal ist. Dass andere Vereine unsere Spieler beobachten, gehört zum Geschäft. Da ist es egal, ob das Bayern, Arsenal oder Madrid ist. Das sehe ich nicht so dramatisch.

Sein Verbleib ist also nicht gesichert?

Springt er auch ­heute höher als die Bayern? Bayers ­Castro gegen ­Rafinha und Alonso.

Rudi Völler: In den vergangenen Jahren haben wir immer wieder mal Spieler für viel Geld abgegeben. Ich würde nicht sagen, dass wir ein Ausbildungsverein sind, aber es ist bei uns ja nun mal so, dass wir immer mal wieder gute Spieler verlieren. Wir sehen daran aber nicht immer nur das Schlechte. Durch eine hohe Ablöse können wir neue Spieler für kleineres Geld kaufen. So funktioniert dieser Kreislauf. Für die kommende Saison sind wir da sehr gelassen.

Gerüchten zufolge soll Castro eine Ausstiegsklausel über 10 Millionen besitzen. Können Sie das bestätigen oder verneinen?

Rudi Völler: Da gibt’s keinen Kommentar. Das halten wir grundsätzlich so.

Wenn er weiter so aufdreht wie in der jüngsten Vergangenheit wird es aber nicht leichter, ihn zu halten, oder?

Rudi Völler: Gonzo ist seit der Jugend im Verein. Wir haben ihn ausgebildet und er hat die große Qualität, auf vielen Positionen spielen zu können. Gegen Hamburg hat er ein bisschen offensiver gespielt und gleich zwei Tore geschossen. Wir haben einen tollen Draht zu ihm, deshalb sehen wir das sehr gelassen. Er ist ein Spieler, aus dem wir immer noch versuchen etwas mehr herauszukitzeln, weil ich weiß, was er kann. Wir werden uns in der nächsten Zeit in aller Ruhe zusammensetzen. Dann werden wir sehen.

Abgeben würden Sie ihn nur ungern?!

Rudi Völler: Wir sind froh, dass wir ihn haben. Wir alle wissen hier, was er kann. Was die Zukunft betrifft, müssen wir jetzt aber erstmal abwarten.

"Gladbach hat es vorgemacht"

Zuletzt haben Sie gesagt, momentan ist die Lücke zum FCB nicht zu schließen...

Rudi Völler: Da stehe ich auch zu. Seit zwei Jahren gibt es diese Lücke, und auch in den nächsten zwei, drei Jahren wird es noch so sein. Auch Wolfsburg wird den Bayern über eine komplette Saison nicht Paroli bieten können, wenn es normal läuft. In diesem Zeitraum müssen die Münchner niemanden fürchten. Zum einen haben sie sich ihren Erfolg mit einem super Management selbst erarbeitet. Zum anderen sind die wirtschaftlichen Voraussetzungen natürlich völlig andere im Vergleich zu den weiteren Vereinen. Vor kurzem hat man ja gelesen, was Luca Toni schon vor sieben, acht Jahren bei Bayern München verdient hat. Da wird einem schon ein bisschen schwindelig.

In einem Spiel ist trotzdem alles möglich?

Rudi Völler: Gladbach hat es vorgemacht, das gibt uns Hoffnung. Wenn jeder bei uns sein bestes Saisonspiel macht, dann können wir das Außergewöhnliche schaffen.

Interview: Sven Westerschulze

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