Großes tz-Interview - Teil II

Rummenigge über Schweinis Zukunft, Kroos und Thiago

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Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge.

München - Im zweiten Teil des großen tz-Interviews spricht Vortsnadboss Karl-Heinz Rummenigge unter anderem über Borussia Dortmund, den Vertrag von Bastian Schweinsteiger, Lionel Messi und den Abschied von Toni Kroos.

Jetzt schlägt der FC Bayern zurück! Nach der heftigen Kritik von Theo Zwanziger („Ich weiß schon länger, dass bei den Bayern Kommerz Ethik schlägt“) an der Saudi-Arabien-Reise hat Karl-Heinz Rummenigge zurückgeschossen. Über die Reise wollte der FCB sich im tz-Interview nicht weiter äußern, doch der Ex-Präsident des DFB erhielt am Wochenende am Rande des Fanklubbesuchs von Rummenigge in Kelheim noch mal eine volle Breitseite. „Das war unter der Gürtellinie, was der gute Theo da losgelassen hat. Keiner in Fußball-Deutschland hat mehr Kontakt mit Theo Zwanziger. Er sollte vielleicht auch mal hinterfragen, warum das der Fall ist“, entgegnete Rummenigge den Äußerungen von Zwanziger. In der tz spricht er zudem über die Zukunft von Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm, den BVB und die großen Konkurrenten aus Spanien.

Hier geht's zu Teil 1 des Interviews.

Herr Rummenigge, Sie haben Ihr enormes Vertrauensverhältnis zu Pep Guardiola so beschrieben: „Ich gehe ins Stadion, 90 Minuten vor dem Spiel schickt mir Markus Hörwick die Aufstellung zu – und das reicht mir.“ Wenn Bayern auf einem Abstiegsplatz läge, würde der Klub dennoch so lange an Guardiola festhalten wie der BVB an Jürgen Klopp?

Rummenigge: Ich hoffe, diese Frage stellt sich nie. Ich glaube auch nicht, dass sie sich in den nächsten Jahren stellen wird. Wir sind ein sehr stabiler Klub mit einem stabilen Umfeld, haben eine hoch qualifizierte Mannschaft und einen perfekten Trainer. Deshalb glaube ich nicht, dass uns das in dieser Dramaturgie passieren kann. Dafür ist das Gebilde FC Bayern einfach zu stark.

Beeindruckt es Sie dennoch, wie lange der BVB am Trainer festhält?

Rummenigge: Borussia Dortmund hat sich immer ohne Wenn und Aber zum Trainer bekannt. Ich glaube auch, dass der spiritus rector bei Borussia Dortmund immer der Trainer war. Vor allem in den großen Jahren, als sie Meister wurden und das Double holten. Ich muss offen und ehrlich sagen: Mir gefällt das und ich finde das gut.

Selbst wenn es in Liga zwei geht?

Rummenigge: Borussia Dortmund steigt nicht ab. Wenn sie mal ein bisschen Glück haben, was sie ja in der Hinrunde nicht hatten, und in eine stabilere Phase gelangen, spielen sie noch um den Champions-League-Qualifikationsplatz mit.

Beim FC Bayern stehen auch zahlreiche Vertragsverlängerungen an. Allen voran bei Bastian Schweinsteiger, dessen Kontrakt 2016 ausläuft. Schon damit befasst?

Rummenigge: Ehrlich gesagt: nein. Vergangenen Sommer, als wir die Verträge mit Philipp Lahm, Manuel Neuer und Thomas Müller verlängert haben, habe ich seinen Berater informiert und gefragt, wie denn so die Interessenslage bei Bastian ist. Da wurde mir mitgeteilt, dass er ja einen Vertrag bis 2016 hat und erst mal fit werden will. Zu dem Zeitpunkt war er noch verletzt, aber er sei ganz entspannt und es bestünde keine Eile. Bastian denkt da ein bisschen wie ich, er lebt nicht zu sehr im Morgen, sondern im Heute. Er genießt die Zeit auf dem Platz, ist froh, dass er wieder fit ist, und hat noch große Ziele für diese Saison. Ich habe ein gutes Verhältnis zu ihm, er kommt regelmäßig zu mir ins Büro. Sollte er irgendwann einmal mit der Frage aufwarten, würde ich sie mit ihm diskutieren. Dass er ein verdienter Spieler ist, spielt da natürlich eine große Rolle.

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Wenn Schweinsteiger im Heute lebt, lebt Lahm vermutlich im Morgen, oder?

Rummenigge (lacht): Dass sich ein Mensch dreieinhalb Jahre im Voraus Gedanken zu seinem Rücktritt macht, fand ich erstaunlich. Aber das ist Philipp Lahm, offensichtlich ist er ein Mensch, der seine Karriere extrem vorausschauend plant.

Nicht dass er übermorgen schon auf Ihrem Platz sitzt…

Rummenigge: Immer gerne! Ich halte ihn für fähig, beim FC Bayern einen Job zu machen. Ich weiß zwar nicht auf welcher Ebene, aber ich könnte mir vorstellen, dass er auch einen guten Trainer abgeben würde. Immer, wenn ich mich mit ihm unterhalte, stelle ich fest, dass er ein ausgeklügelter Taktiker ist. Da ist er wie Pep Guardiola, die beiden sind da Brüder im Geiste.

Zurück zu Schweinsteiger: Sehen Sie ihn noch lange auf dem Platz? Er hat zuletzt kaum konstant spielen können.

Rummenigge: Er war zwar häufiger verletzt, aber wenn es Unfälle sind, kann man es nicht ändern. Problematisch wird es dann, wenn du merkst, dass der Körper in einem gewissen Verschleiß drin ist. Dann wird’s kritisch, aber auch dann muss man das fair mit den Spielern diskutieren. Ich bin immer dafür, mit den Spielern mit offenem Visier zu sprechen.

Sind die Sorgen bei Thiago da größer?

Rummenigge: Es ist jetzt die dritte OP in Folge, das ist etwas anderes. Ich weiß, zu was Thiago in der Lage ist. Wenn er jetzt noch zurückkommen würde, bekommen wir noch einen Schuss Qualität dazu. Am vergangenen Mittwoch war er zu einer Kontrolluntersuchung in München bei unserem medizinischen Leiter Dr. Müller-Wohlfahrt. Es wurde festgestellt, dass der Heilungsprozess auf einem sehr guten Weg ist. Wir sind sehr optimistisch, dass er wieder in alter Klasse auf den Platz zurückkehrt. Und zwar im Mittelfeld, einem Bereich, der für den FC Bayern sehr wichtig ist. Thiago kann genial spielen, am Ende des Tages muss er aber auch fit sein.

Vor allem bei dieser Personalie wurde viel über einen Zoff zwischen dem Trainer und dem Doc spekuliert. Ist Müller-Wohlfahrts Sohn nun deswegen ab sofort immer auf dem Trainingsplatz dabei?

Rummenigge: Die beiden haben nie ein menschliches Problem miteinander gehabt. Es gab eigentlich nur den Wunsch des Trainers, dass im Tagesgeschäft ein Arzt da ist. Von Dr. Müller-Wohlfahrt war es aufgrund seiner Praxis nicht zu leisten, deswegen haben wir nun diese Lösung gefunden, die sehr gut ist. Der Trainer ist auch sehr zufrieden damit. Wir müssen einen permanenten Professionalisierungsprozess bei Bayern München vorantreiben. Der Wunsch von Pep Guardiola, durchgehend einen Arzt im Trainingslager und in der Kabine zu haben, war für mich immer nachvollziehbar.

Wie haben Sie das große Barca-Beben verfolgt?

Rummenigge: Es ist wie im richtigen Leben. Hast du keinen Erfolg, ist Kritik da und Dinge werden infrage gestellt. Ich kann nur sagen: An dem Thema Messi und Bayern München ist nichts dran. Ich finde auch, dass es Spieler gibt, die bei keinem anderen Verein spielen dürfen. Wäre ich Messis Berater, würde ich ihm raten, in Barcelona zu bleiben. Dort liebt ihn jeder vom Gärtner bis zum Bankdirektor. Dort ist er groß geworden und dort sollte er auch so lange wie möglich bleiben. So wie Philipp Lahm und Bastian Schweinsteiger zu Bayern München gehören, so gehört Messi zu Barca.

Zum einem anderen großen Verein in Spanien: Bei Real Madrid trumpft Toni Kroos auf! Haben Sie es bereut, ihn abgegeben zu haben?

Rummenigge: Ich hatte zuletzt Reals Präsident Florentino Perez getroffen, er hat zu mir gesagt: Wir können beide zufrieden sein! Real mit Kroos, Bayern mit Xabi Alonso. Wir wussten auch damals, dass Toni Kroos ein guter Spieler ist. Aber wir haben keine Einigung gefunden. Dann hätten wir ihn zwar noch ein Jahr halten können – in der Quintessenz aber à la Robert Lewandowski dann kostenlos abgeben müssen.

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Es heißt, er fühlte sich nicht genug gewertschätzt, etwa wie ein Thomas Müller.

Rummenigge: Das Angebot an Toni Kroos spricht eine andere Sprache. Wenn man aber ein besseres hat, und das hatte er offensichtlich, dann ist es legitim, dass man sich dafür entscheidet. Unter Jupp Heynckes und Pep Guardiola wurde er immer sehr gewertschätzt.

Auch junge Spieler verdienen schon viel Geld, fahren teure und vor allem schnelle Autos. Ist denn das Thema PS-Wahn bei Jugendlichen etwas, das man diskutieren muss?

Rummenigge: PS-starke Autos gab es schon zu Zeiten von Franz Beckenbauer, der ist hier mal mit einem De Tomaso vorgefahren. Das ist kein neuzeitliches Thema.

Raten Sie denn Ihren jungen Spielern zur Vorsicht?

Rummenigge: Das wird gemacht. Aber mit steigender Leistung und steigendem Alter werden die Autos größer. Man kann den Burschen nur eines empfehlen: Bewegt euch im Rahmen der STVO.

Bilder: Rummenigge besucht Fanclub Saxberg

Interview: mic, lop

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