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Rummenigge: „Lahm wird unser Kapitän“

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Karl-Heinz Rummenigge hat erst kürzlich seinen Vertrag beim FCB verlängert
Karl-Heinz Rummenigge hat erst kürzlich seinen Vertrag beim FCB verlängert © dpa

München - Fast zweieinhalb Stunden hatten Philipp Lahm und die Bayern-Bosse am Montag Gesprächsbedarf. Karl-Heinz Rummenigge verrät im Gespräch mit der tz, wie es weitergeht.

Gut gelaunt rein, leicht zerknirscht ­wieder raus: Philipp Lahm musste am Montag zum Rapport bei den Bayern, durfte sich fast zweieinhalb (!) Stunden lang die Standpauke von Uli Hoeneß, Karl-Heinz Rummenigge, Karl Hopfner und Christian Nerlinger anhören. Die ­Bayern-Bosse haben dem Nationalspieler nach dem ­Rundumschlag-Interview die Leviten ­gelesen! Lahm selbst empfand die Marathon-Aussprache als „gutes Gespräch“.

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Weniger gut dürfte jenes zwischen Lahm-Berater Roman Grill und Uli Hoeneß abgelaufen sein. Hoeneß fand am Montag gegenüber Grill, dessen Handschrift der Manager bei dem Interview erkannte, deutliche Worte. Anders als bei Lahms gab es die „volle Dosis“ aber am Telefon. In der tz spricht jetzt Vorstands-Boss Karl-Heinz Rummenigge über die turbulenten Tage beim Rekordmeister, die Zukunft des Außenverteidigers und Louis van Gaal.

"Lahm hat das Kind beim Namen genannt"

Über zwei Stunden wurde getagt – wie verlief die große Aussprache mit Philipp Lahm, Herr Rummenigge?

Karl-Heinz Rummenigge: Es war ein sehr ausführliches, offenes und auch konstruktives Gespräch. Natürlich haben wir Philipp unsere Haltung mitgeteilt. Er hat sich für den Weg, den er gegangen ist, entschuldigt und die Strafe akzeptiert. Das macht man ja nicht, wenn man anderer Meinung ist.

Lahm hat also Reue gezeigt?

Rummenigge: Er hat sich beim Vorstand entschuldigt. Ich muss aber auch sagen, dass wir ihn ermutigt haben. Er soll seine Meinung

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sagen! Aber zukünftig doch bitte im direkten Dialog. Es wurde ja kolportiert, dass Philipp schon einige Male mit seinen Bedenken bei uns vorstellig geworden wäre. Aber das entspricht nicht den Fakten. Philipp war vorher nie bei uns. Aber die Türe ist für ihn immer auf. Ein Mark van Bommel kommt regelmäßig zum Austausch zum Vorstand ins Büro. Wir wollen den mündigen, aber eben auch den verantwortungsvollen Spieler.

Diese Gespräche mit Lahm gab es tatsächlich nie?

Rummenigge: Nein, leider nicht, in keiner Art und Weise. Wir sind an der Meinung der Spieler immer interessiert – aber nicht in dieser Form. Es gilt einfach, Regeln einzuhalten. Das haben wir Philipp auch eindeutig klar gemacht.

Wird sich Lahm auch noch vor der Mannschaft entschuldigen?

Rummenigge: Für uns ist die Angelegenheit mit dem heutigen Tag erledigt. Weil Philipp verstanden hat, um was es uns geht. Wir haben ihn alle aufgefordert: Bitte komm zu uns, wenn es ein Problem gibt. Das war beim FC Bayern immer Teil der Kultur. Diese Kultur gibt es auch heute noch. Ich gehe davon aus, dass der Philipp jetzt zukünftig wenn es nötig ist diesen Weg geht und zu uns ins Büro kommt.

Trotzdem: Ist das Verhältnis zu Lahm nun nicht nachhaltig beschädigt?

Rummenigge: Nein. Überhaupt nicht.

Waren Sie vom Musterschüler Lahm auch persönlich enttäuscht?

Rummenigge: Ich würde sagen, dass ich überrascht war. Weil er eben ein so ausgesprochen netter und sympathischer Bursche ist. Ich mache auch keinen Hehl daraus, dass wir alle den Eindruck haben, dass sein Berater Roman Grill eine große Rolle gespielt hat.

Wurde Lahm auch geraten, dass er sich in Sachen Berater umorientieren soll?

Rummenigge: Nein, überhaupt nicht. Das ist seine eigene Angelegenheit. Aber Sie können sich sicher sein, dass auch von Seite des FC Bayern mit Herrn Grill in der Zwischenzeit Klartext gesprochen wurde.

Es wird keine weiteren Konsequenzen geben?

Rummenigge: Nein.

Lahm bleibt somit Vizekapitän?

Rummenigge: Natürlich. Und ich bin überzeugt davon, dass er irgendwann auch Kapitän des FC Bayern sein wird.

Inwiefern können Sie Lahm inhaltlich widersprechen?

Er bemängelt, dass es keine Philosophie gäbe.

Rummenigge: Ich möchte eigentlich zu den Inhalten gar nichts sagen. Das sind interne Dinge, die ich nicht öffentlich kommentieren möchte. Ich bin immer bereit, mit den direkt Beteiligten diese Dinge zu diskutieren. Aber ich werde nicht den Fehler machen, in der Öffentlichkeit zu diesen Aussagen Stellung zu beziehen. Das wird exklusiv intern besprochen. Es ist wichtig, dass Philipp Lahm und der FC Bayern ein sauberes, seriöses Verhältnis haben.

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Gibt es das auch mit Flüchtling Luca Toni?

Rummenigge: Luca hat mich am Samstagabend noch angerufen und gesagt, dass er versteht, dass der Klub von ihm sehr enttäuscht ist. Er akzeptiert die Strafe und hat sich beim Klub und seinen Mitspielern entschuldigt. Damit ist dieses Thema auch erledigt. Wir müssen uns jetzt auf das extrem wichtige Spiel gegen Leverkusen vorbereiten. Wir werden den Fokus ab sofort nicht mehr auf interne Kriegsschauplätze legen, die überflüssig sind.

Bereitet Toni seinen Abschied vor?

Rummenigge: Das ist mir nicht bekannt.

Was muss sich sportlich ändern?

Rummenigge: Ich habe Verständnis für unsere Fans, dass sie unzufrieden sind. Das bin ich nämlich auch. Wenn der FC Bayern Achter ist, kann man einfach nicht zufrieden sein. Das ist völlig klar. Wir müssen alle noch härter daran arbeiten, schnell die Kurve zum Guten zu kriegen. Das nächste Spiel gegen Tabellenführer Leverkusen bietet uns dafür die Möglichkeit. Wir stehen mit dem Rücken zur Wand und müssen einen Befreiungsschlag erringen!

Sehen Sie die sportliche Weiterentwicklung, die van Gaal beobachtet?

Rummenigge: Mannschaft und Trainer sind nicht zufrieden. Es nützt jetzt nichts, den Trainer mit irgendwelchen Aussagen unter Druck zu bringen. Wir müssen jetzt alles in die Waagschale legen. Das nächste Spiel hat eine unglaubliche Bedeutung.

Interview: Tobias Altschäffl

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