Rom-Kapitän gilt als Gladiator

Rummenigge schwärmt von Totti: "Starker Körper"

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Roms ältester Gladiator: Francesco Totti führt seinen Klub seit 1998 als Kapitän an – manche sagen: So gut wie nie zuvor.

Rom - Francesco Totti wird auch mit 38 Jahren noch als "König von Rom" verehrt. Auch Bayern-Boss Rummenigge ist voll des Lobes und schwärmt vom Körper des Kapitäns des AS Roms.

Als Francesco Totti beim 3:0 seines AS Rom über Chievo Verona am Wochenende nach einer Stunde den Platz verließ, erhoben sich die Menschen im Stadio Olimpico beifallspendend von ihren Sitzen. Schon immer haben sie an den Ufern des Tibers heldenhafte Darbietungen geliebt, doch zu Zeiten der Cäsaren waren die Heroen hier kurzlebig. Totti ist mit seinen nunmehr 38 Wintern aber ein richtig alter Gladiator, er verzückt die „Ewige Stadt“ mit all den Schlachten, die er seinem in die Jahre gekommenen Körper weiter zumutet.

Totti erzielte gegen Chievo sein 237. Roma-Tor, nach seiner Auswechslung kühlte er sein altes Knie mit einem Eisbeutel. Sein Trainer Rudi Garcia hatte unter anderem Torjäger Gervinho geschont, doch seinem Kapitän konnte er trotz des anstehenden Duells mit dem großem FC Bayern keine Verschnaufpause gönnen. Er ist einfach zu wichtig. Und einfach zu gut.

„Die Partie war zu schwer, um auf den ,Capitano’ zu verzichten“, sagte Garcia. Das Wort „Capitano“ weckt hierzulande Assoziationen, die Entwicklungen deutlich machen. „Capitano“, so nannte einst Jürgen Klinsmann seinen Spielführer Michael Ballack, als die beiden als Teamchef und Kapitän bei der deutschen Nationalelf das Kommando führten. Inzwischen steht das alles für längst vergessene Zeiten, ja, es steht für längst überholte Zeiten: Klinsmann, Ballack, „Capitano“. Es war eine Episode, in der der oberste Trainer des DFB Dinge sagte, wie dass man „die Polen an die Wand klatschen“ sollte. 2006 war das. 2006 wurde Italien Weltmeister. Totti mischte in allen sieben Spielen mit, sechs Mal von Beginn an. Klinsmann coacht längst in der Fremde, Ballack ging in Fußball-Pension. Und Totti? Ist immer noch da. Besser denn je.

Rom, so heißt es, wurde von den Zwillingen Romulus und Remus gegründet, die als Kinder von einer Wölfin aufgezogen wurden. Das Tier ziert das Wappen des AS Rom, und wenn es in der heutigen Zeit noch einen Sohn der Wölfin gibt, dann ist es dieser Francesco Totti, den sie als „König von Rom“ verehren. Seit 1989 gehört er dem Klub an, 1993 wurde er mit 16 Profi, ein Jahr später Stammkraft, seit 1998 ist er der Kapitän. Er hat die meisten Tore für die „Roma“ geschossen und mit über 600 Einsätzen auch die meisten Partien auf dem Buckel. Als ihn mit 13 Scouts von Lazio Rom verpflichten wollten, jagte sie die Familie aus dem Haus. Für den „Romano di Roma“, Sohn der Hauptstadt, gab es nur eine Liebe. Und mit dieser will er jetzt noch einmal für Furore sorgen.

Neulich beim Spiel in Manchester schoss er ein Tor, nun ist er der Älteste, der je in der Champions League traf. „Er hat gute Gene“, lobt gar Bayern-Chef Karl-Heinz Rummenigge, den Offensivroutinier, „man kann ihn nur zu seinem starken Körper gratulieren.“ Es wird spannend, ob Totti die Münchner das Fürchten lehrt – oder ob sie ihn wie die Juve-Ikone Andrea Pirlo vor zwei Jahren entzaubern.

Totti ist jedenfalls voller Tatendrang, sagte er gestern: „Wir müssen uns nicht fürchten.“ Bayern sei in guter Form, „aber das Olimpico wird überkochen“. Und er selbst, der älteste Gladiator, der König von Rom, Sohn der Wölfin, wird, das ist sicher, dafür sorgen, dass die Arena so brodelt wie einst das Kolosseum zu stolzesten Zeiten.

Andreas Werner

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