Ruud Gullit im tz-Interview

"Ohne Robbéry? Einfach schrecklich!"

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Der FC Bayern muss weiter ohne Arjen Robben und Franck Ribéry auskommen.

München - Für den FC Bayern geht es am Dienstag gegen Porto in der Königsklasse ums Ganze. Wie Ruud Gullit die Chancen aufs Weiterkommen einschätzt, erklärt er im tz-Interview.

Dienstagabend wird es sich entscheiden: Kann der FC Bayern auch ohne Superdribbler Arjen Robben international was reißen? Robbens Landsmann Ruud Gullit hat da so seine Zweifel. Das tz-Interview:

Herr Gullit, das 1:3 beim FC Porto war ein Schock, vor allem die Harmlosigkeit in der Offensive. Können die Münchner ohne Robben die Champions League gewinnen?

Ruud Gullit: Nein, ohne ihn wird es sehr schwer für Bayern. Pep Guardiola hat es ja schon gesagt, dass er ohne seine Flügelspieler Robben und Franck Ribery ein großes Problem hat. Ohne die beiden kannst du nicht mehr das Gleiche machen. Diese Ausfälle sind schlimm, weil es keine Außenspieler wie sie gibt. Ohne Robben kann Pep Guardiola nicht so spielen lassen, wie er spielen will. Deshalb ist diese Verletzung für die Bayern gerade in dieser Phase der Saison so schrecklich.

Gegen Leverkusen hat Guardiola das System mit Erfolg geändert, in Porto gelang gar nichts.

Gullit: Ja, in Leverkusen hatte es sehr gut funktioniert. Das sah zwar nicht so schön aus wie sonst, aber Pep hat das clever gemacht. In Porto hat man jedoch trotzdem gesehen, wie sehr Arjen und Ribéry fehlen. Das Bayern-Spiel mit den beiden ist ein ganz anderes Spiel. Bei Real Madrid merkt man es ja auch, wenn etwa Ronaldo nicht da ist.

Wie sehen Sie generell Robbens Entwicklung?

Gullit: Arjen gefällt mir seit zwei Jahren sehr, sehr gut. Er ist großartig, hat jetzt die Form seines Lebens, ist an der Spitze seines Spiels angekommen. Das Wichtigste bei ihm ist ganz einfach, dass er so lange nicht verletzt war. Damit steht und fällt sein Auftreten, wobei es bei einem Spieler, der mit so viel Highspeed in die Dribblings geht, immer gefährlich ist, weil ihn seine Gegner immer hart attackieren.

Wissen Sie, was er gesagt hat, als er letztes Jahr zu Niederlandes Sportler des Jahres gewählt wurde?

Gullit: Nein, was denn?

Er sagte, das sei eine große Ehre, weil Sie 1987 der letzte Fußballer gewesen sind, dem diese Ehre zuteil geworden ist.

Gullit (lacht): Ja, ja, ja – das stimmt. Er war sehr stolz, und ich war es auch, dass er gewonnen hat. Ich freue mich für ihn, er hat das verdient.

Nur drei Fußballer gewannen bisher diese Wahl: Er, Sie und Johann Cruyff. Gehört er auf dieses Level?

Gullit: Ja, ganz eindeutig. In seiner Generation ragt er klar heraus. Mich kennen die jungen Leute heute ja bloß noch von der Playstation (lacht).

Ist der FC Bayern im zweiten Jahr unter Pep besser als in seinem ersten – oder hat die Entwicklung stagniert?

Ruud Gullit mit tz-Reporter Menzel-Lopez.

Gullit: Du bist immer nur so gut wie deine Spieler. Wenn Robben und Ribéry nicht da sind, hast du ein Problem. Guardiola ist ein sehr guter Trainer – aber auch er braucht seine Spieler. Sonst verlierst du.

Wer gewinnt nun die Champions League?

Gullit: Ich habe immer gedacht: Bayern. Aber das geht einfach nicht, wenn die besten Spieler fehlen. Jetzt setze ich mein Geld auf Real Madrid.

Glauben Sie, die deutsche Nationalelf kann eine große Erfolgsphase wie zuletzt die Spanier einleiten?

Gullit: Es wird schwer, weil sie jetzt alle jagen werden. Es war ja eigentlich unglaublich, dass Spanien so viele Jahre die großen Turniere dominiert hat. Das ist jetzt eine große Herausforderung für die Deutschen, aber sie haben immer noch eine gute Mannschaft. Und die Philosophie ist toll.

Gibt es einen deutschen Spieler, der Ihnen imponiert?

Gullit: Nein, aber die ganze Philosophie gefällt mir sehr gut: Die Deutschen wollen immer angreifen. Das haben sie Jahrzehnte nicht gemacht. Bei der WM haben sie wunderbar gespielt.

Oliver Bierhoff meint, die Zeit, als der DFB-Auswahl das Etikett „die hässlichen Deutschen“ anklebte, sei inzwischen vorbei. Keine Arbeitssiege mehr, sondern Spielfreude pur.

Gullit: Da hat er recht. Das 7:1 gegen Brasilien war zum Beispiel einfach unglaublich. Die Brasilianer haben sich gefragt: Was ist denn jetzt passiert? Und ich hätte es auch nie für möglich gehalten, dass eine deutsche Mannschaft so Fußball spielen kann. Ich bin inzwischen ein großer Fan dieser deutschen Mannschaft, ihr Fußball ist sehr attraktiv.

Wie groß ist Ihre Sorge, dass Holland die EM verpassen könnte? 

Gullit: Ich mache mir schon Sorgen. Unser Team ist gerade nicht sehr stabil, das ist noch einmal eine ganz andere Situation als bei der WM. Wir denken vor allem an die Attacke, aber wir hatten schon in Brasilien Probleme in der Defensive. Louis van Gaal musste da mit fünf Mann verteidigen lassen, das ist eigentlich nicht unser Stil. Weil Robben und van Persie so stark waren, haben die das kompensiert. Uns fehlt Robben genau wie den Bayern enorm. Wir brauchen eine neue Balance in unserer Auswahl. Wenn wir uns für die EM nicht qualifizieren, wäre das sehr peinlich – wo diesmal ja schon der dritte Platz in der Gruppe reicht.

Sie selbst gewannen zweimal den „Ballon d’Or“ als bester Fußballer der Welt – wer ist in Ihren Augen in diesen Tagen der Größte?

Gullit: Wir sind in unserer Zeit generell gesegnet mit außergewöhnlichen Spielern. Früher gab es pro Ära immer einen, höchstens zwei Ausnahmespieler: Einen Pele, Cruyff oder Maradona. Jetzt haben wir Messi, Ronaldo, auch Neymar wird immer besser. Der Fußball hat noch nie so eine Zeit erlebt, wo es auf einen Schlag so viele gute Spieler gegeben hat. Die Fans können glücklich sein.

Interview.: J. Carlos Menzel Lopez

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