„Brazzo“ zieht Zwischenfazit

Salihamidzic wehrt sich: „Ich kann auch austeilen, keine Sorge!“

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Hasan Salihamidzic bekleidet seit Sommer 2017 beim FC Bayern das Amt des Sportdirektors.

Hasan Salihamidzic spricht über seine ersten Monate als Sportdirektor des FC Bayern und die Baustellen beim Rekordmeister. Außerdem verrät er, ob der Fokus bei der Trainer-Nachfolge wirklich auf Deutschland liegt.

München - Es ist wohl keine Übertreibung zu behaupten: Bei keinem anderen Verein in Deutschland steht ein Sportdirektor derart im Rampenlicht wie beim FC Bayern. Dies bekam Hasan Salihamidzic von Anfang an zu spüren, als dem neuen Amtsträger ein ziemlich großer medialer Gegenwind ins Gesicht blies. In einem Sport Bild-Interview spricht der Bosnier nun ausgiebig über die Hürden seiner Eingewöhnung und nimmt Stellung zu abfälligen Spitznamen wie „Blablazzo“ oder „Sportdirektörchen“: 

„Mir ist bewusst, dass es anfänglich Situationen gab, die für mich nicht optimal waren. Zu den kritischen Aussagen Robert Lewandowskis im Spiegel hatten Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeneß bereits Stellung bezogen, als ich auch noch gefragt wurde. Für mich war klar, dass ich mich zurückhalte. Das ist mir angelastet worden. Die Pressekonferenz nach der Entlassung von Carlo Ancelotti zu dem frühen Saisonzeitpunkt wäre auch für jeden anderen kompliziert gewesen, für mich war es eine völlig neue Situation“, spricht Hasan Salihamidzic zwei konkrete Situationen an, die ihn in der öffentlichen Wahrnehmung Kredit gekostet hatten.

Seit Jupp Heynckes das Trainer-Zepter an der Säbener Straße übernommen hat, ist es aufgrund der jüngsten Siegesserie naturgemäß ruhiger geworden. Dadurch ist die Arbeit für „Brazzo“ spürbar leichter geworden: „Wir alle mussten Ruhe bewahren, denn nur eines ist wichtig: dass die Mannschaft funktioniert. Wenn das der Fall ist, kann man sich auch auf andere Dinge konzentrieren. Ich habe in der kurzen Zeit beim FC Bayern als Sportdirektor schon viel erlebt und mitgemacht. Das wird mir für die Zukunft helfen.“

Salihamidzic: „Rummenigge braucht beim FC Bayern einen Mann, dem er voll und ganz vertrauen kann“

Wie sieht der Arbeitsalltag beim deutschen Rekordmeister aus? „Ich komme früh und gehe spät. Im Fokus meiner Arbeit steht, der Mannschaft und den Trainern den Rücken freizuhalten. Ich bin allerdings nicht nur für das Profiteam zuständig. Ich habe 16 Teams, ich muss mich so organisieren, dass ich alle Mitarbeiterstäbe regelmäßig treffe. Derzeit kümmere ich mich besonders intensiv um die Neustrukturierung der Scouting-Abteilung. 

Der Mann, mit dem sich Salihamidzic in engstem Austausch befindet, ist Karl-Heinz Rummenigge. Dieser habe in den kommenden Jahren mit dem FC Bayern München sehr viel vor, wie der Ex-Profi der Bayern beschreibt: „Dafür braucht er einen Mann an seiner Seite, dem er voll und ganz vertrauen kann. Er kennt mich, er weiß, dass ich ein Teamplayer bin und mich konsequent engagiere. Er weiß, dass ich meine Meinung auch dann vertrete, wenn sie mit seiner Meinung einmal nicht übereinstimmen würde.“

Über das Verhalten gegenüber Medienvertretern sagt das frühere Flüchtlingskind, das seine ersten fußballerischen Schritten in Deutschland beim Hamburger SV machte: „Ich kann einstecken. Und eine klare Meinung zu haben bedeutet nicht, immer alles kommentieren zu müssen. Zur richtigen Zeit kann ich auch austeilen, keine Sorge.“ Der Interviewte schiebt ein Beispiel hinterher und spricht über den Vorwurf, er habe im Sommer Shootingstar Thomas Lemar von AS Monaco nicht gekannt und sich erst bei Youtube informieren müssen: „Das, was der Kicker hier geschrieben hat, entspricht nicht der Wahrheit! YouTube? Das ist totaler Quatsch. Natürlich kenne ich Lemar, und jede weitere Zeile darüber wäre eine Zeile zu viel.“

Auf Youtube informieren, wer Thomas Lemar ist? „Das ist totaler Quatsch. Natürlich kenne ich Lemar“, wehrt sich Salihamidzic über den Vorwurf.

Am wichtigsten sei für ihn, sagt Salihamidzic, sich als Sportdirektor nicht aus der Ruhe bringen zu lassen: „Ich weiß doch am besten, was hier beim FC Bayern passiert. Deswegen prallt diese Art der Kritik auch an mir ab. Ich bin keiner, der kommt und große Töne spuckt. Ich will erst einmal etwas leisten.“

Bundesliga: „Leipzig und Dortmund stacheln uns an, Konkurrenz belebt das Geschäft“

Innerhalb von nur drei Spieltagen konnte der FC Bayern in der Bundesliga aus einem Fünf-Punkte-Rückstand zu Borussia Dortmund einen Drei-Punkte-Vorsprung erzeugen. Manche Fußballfans befürchten schon wieder einen Alleingang des FC Bayern zur nächsten Meisterschaft. Über einen möglichen Titel-Dreikampf des FCB mit den Rivalen des BVB und RB Leipzig sagt Salihamidzic: „Konkurrenz ist wichtig und gut für uns. Der FC Bayern hat es in den vergangenen fünf Jahren besser gemacht als alle anderen Teams der Bundesliga. Leipzig und Dortmund stacheln uns an, Konkurrenz belebt das Geschäft.“

Zum Thema Trainer-Nachfolge von Jupp Heynckes äußert sich der Bosnier ebenfalls. Die Bedingung, dass es nur ein deutschen Übungsleiter werden solle, verweist Salihamidzic ins Reich der Fabel: „Wenn wir das sagen würden, würden wir uns automatisch eine Türe zumachen. Es ist nichts ausgeschlossen. Wir werden intern diskutieren, aber auch auf die Arbeit unserer Scouts zurückgreifen und Uli Hoeneß sowie Karl-Heinz Rummenigge Informationen präsentieren: über den Spielstil, die Taktik, die Ansprache, auch den Charakter der Kandidaten oder des Kandidaten.“

Was die Aufarbeitung im Fall Arturo Vidal betrifft, so hat Hasan Salihamidzic vollstes Vertrauen in den FC Bayern-Trainer, sieht sich allerdings auch selbst in der Verantwortung: „Grundsätzlich ist es nicht in unserem Interesse, dass so etwas passiert. Arturo ist in Top-Form ein wichtiger Spieler für uns. Jupp Heynckes kennt Arturo genau aus Leverkusen. Er weiß, wie er ihn anpacken muss. Arturo ist einer der Führungsspieler von uns und sehr wichtig. Darüber werde ich mit ihm sprechen, das zählt zu meinen Aufgaben.“

pf

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