Verein bestätigt Hammer-Meldung

Sammer wird Bayern-Sportdirektor

München - Der Sammer-Hammer! Es ist die größte Sensatonsmeldung seit langem beim FC Bayern: Christian Nerlinger wird von Matthias Sammer als Sportdirektor ersetzt. Am Dienstag wird er vorgestellt.

"Bei der Aufarbeitung der zurückliegenden Saison 2011/12 zwischen Aufsichtsrat und Vorstand des FC Bayern München und Sportdirektor Christian Nerlinger wurden unterschiedliche Auffassungen über das Konzept für die Zukunft der Mannschaft deutlich", heißt es in der Pressemitteilung (hier im Wortlaut) des Rekordmeisters. Auch der DFB hat den Sammer-Wechsel bestätigt.

Nerlingers Transfers: Die Tops und Flops

Christian Nerlinger war seit dem 1. Juli 2009 der Macher des FC Bayern und als Sportdirektor der Nachfolger des Erfolgsmanagers Uli Hoeneß. Das war alles andere als einfach. Oft schon hagelte es Kritik für den Ex-Profi mit dem abgebrochenem BWL-Studium. Zur Saison 2012/13 wird er durch Matthias Sammer abgelöst. Wir nehmen alle Nerlinger-Transfers unter die Lupe. Maßgeblich für das Urteil ist das Preis-Leistungsverhältnis. © dpa
Takashi Usami wurde vor der Saison 2011/12 vom japanischen Klub Gamba Osaka ausgeliehen. Die Bayern kostete der Flügelflitzer schlappe 300.000 Euro - und halb Fußball-Asien blickte plötzlich nach München.  © dpa
Der Japaner konnte sich nicht gegen die starke Konkurrenz in der Bayern-Offensive durchsetzen und absolvierte nur drei Spiele für die Profis. Den Rest der Zeit half Usami in der Regionalliga aus. kommende Saison spielt der 20-Jährige für die TSG Hoffenheim. Fazit: Eher Flop © dpa
Wie Usami wechselte Nils Petersen vor einem Jahr von Energie Cottbus zu den Bayern. Der Sturm-Reservist kostete 2,8 Millionen Euro. Petersens Vertrag beim FC Bayern wurde amEnde sogar um ein Jahr bis 2015 verlängert, wobei Petersen umgehend an Werder Bremen verliehen wurde. © dpa
In der vergangenen Spielzeit traf Petersen zwar vier Mal, spielte aber auch nur in elf Spielen. Acht mal wurde der 23-Jährige dabei nur eingewechselt. Es gelang Petersen nicht, sich gegen Ivica Olic durchzusetzen und den Platz hinter Mario Gomez einzunehmen. Fazit: Eher Flop © dpa
Breno Vinícius Rodrigues Borges kam einst als 18-Jähriger für zwölf Millionen Euro von Sao Paulo zu den Bayern. Nach einer Ausleihe nach Nürnberg holte Nerlinger den Abwehrspieler wieder in den Kader. Sein Vertrag bei den Bayern läuft aus. Ein Wechsel zu Lazio Rom ist noch nicht fix, da Brenos Verfahren wegen Brandstiftung noch aussteht. Es droht eine Gefängnisstrafe. © dpa
Der 22-Jährige Brasilianer konnte sich in der Bundesliga auch nach drei Saisons nie richtig akklimatisieren. Er kam nur auf 39 Einsätze für die Roten. Fazit: Flop © dpa
Nerlinger holte den ausgeliehenen Toni Kroos nach einer Bomben-Saison bei Bayer Leverkusen zurück nach München. Das Bayern-Talent ist noch bis 2015 an den Verein gebunden. © dpa
Kroos ist eine der positiven Überraschungen der Saison. Er konnte sich im offensiven Mittelfeld behaupten und beförderte Thomas Müller desöfteren auf die Bank. Kroos ist mit seinen Standards, seiner grandiosen Schusstechnik und seiner Übersicht unverzichtbar für die Bayern geworden. Fazit: Top © dpa
Luiz Gustavo wechselte vom Ligakonkurrenten Hoffenheim für stolze 17 Millionen Euro an die Isar. Der Sechser ist wie Kroos noch bis 2015 an die Bayern gebunden. © dpa
Gustavo hatte vergangene Saison seinen Stammplatz im defensiven Mittelfeld weitestgehend sicher. Über die Saison gesehen brachte der 24-Jährige eine solide Leistung. Hinter seinem Platz in der Startelf für die nächste Saison steht ein Fragezeichen. Fazit: Neutral © dpa
Marcio Rafael Ferreira de Souza, kurz Rafinha, wechselte von Schalke 04 zu den Bayern. Ablösesumme waren 5,5 Millionen Euro. © dpa
Rafinha sollte die Lücke auf der Rechtsverteidigerposition ausfüllen. Das gelang ihm nicht. Zu oft ließ sich der Brasilianer zu Fehlpässen oder schlechten Dribblings verleiten. Er wurde von Nerlingers nächstem Transfer auf die Ersatzbank verdrängt. Fazit: Flop © dpa
Er ist DER Überflieger der vergangenen Saison. David Alaba spielte seine gesamte Jugend für den FC Bayern. Nach einem Kurzaufenthalt in Hoffenheim holte Nerlinger den ausgeliehenen Österreicher zurück nach München. Alaba hat noch bis 2015 einen gültigen Vertrag. © dpa
Alaba glänzte auf der Position des Linksverteidigers und harmonierte perfekt mit seinem Flügelpartner Franck Ribery. Lukrative Angebote aus dem Ausland hat der 19-Jährige ausgeschlagen. Fazit: Top © dpa
Der nächste Nerlinger-Transfer: Jerome Boateng. Der Innenverteidiger kam vom englischen Meister Manchester City nach München und kostete 13,5 Millionen Euro. Auch Boateng ist bis 2015 vertraglich an die Bayern gebunden. © dpa
Boateng hatte aus Mangel an Alternativen seinen Stammplatz in der Innenverteidigung neben Holger Badstuber sicher. Er wird nächste Saison mit dem Neuzugang Dante und dem wiedergenesenen Daniel van Buyten um seinen Startplatz kämpfen müssen. Dennoch war er in den meisten Spielen ein solider Verteidiger. Fazit: Neutral © dpa
Manuel Neuer wechselte für stolze 25 Millionen Euro vom FC Schalke zu den Bayern. Der Nationalkeeper bleibt voraussichtlich mindestens bis 2015 in München.  © dpa
Neuer spielte eine durchwachsende Saison: mal nichts zu tun, mal Weltklasseparaden und dann wieder grobe Schnitzer. Dennoch ist Neuer die unangefochtene Nummer eins im Bayern Tor. Seine Position wird auf Jahre besetzt sein. Fazit: Eher Top © dpa
Edson Braafheid kam 2009 auf Wunsch des damaligen FC-Bayern-Trainers Louis van Gaal für zwei Millionen Euro von Twente Enschede an die Isar. Weil er in München nicht überzeugte, wurde er vorübergehend an Celtic Glasgow verliehen - und danach immer noch für untauglich befunden. Der 29-Jährige spielte vergangene Saison für die TSG Hoffenheim. © dpa
Braafheid konnte im Bayern-Dress nicht überzeugen. Er wirkte unsicher und anfällig für Ballverluste. Van Gaal sortierte den Niederländer nach einer Saison aus. Fazit: Flop © dpa
Der Ur-Bayer: FCB-Eigengewächs Andreas Ottl wurde nach einer Ausleihe an den 1. FC Nürnberg von Nerlinger wieder zurückbeordert. Der Mittelfeldakteur spielt momentan für Hertha BSC Berlin. © dpa
Ottl hatte viele Chancen - und konnte keine richtig nutzen. Der 27-Jährige blieb gegen Kollegen wie Bastian Schweinsteiger oder Toni Kroos immer blass, war aber als zuverlässiger Rollenspieler stets willkommen. Jetzt ist er mit Hertha BSC abgestiegen. Fazit: Neutral © dpa
Maximilian Riedmüller (l.) und Rouven Sattelmaier (r.) absolvierten beide kein Spiel für die Profis, sondern nur für das Regionalliga-Team der Bayern. Riedmüller kommt aus der eigenen Jugend, Sattelmaier vom 2. Liga-Aufsteiger Jahn Regensburg. Bewertung: Nicht möglich © dpa
Bei folgenden Transfers ist noch keine Bewertung möglich, weil die Spieler erst zur Saison 2012/13 gekommen sind: Tom Starke wechselt als Ersatztorwart hinter Manuel Neuer von der TSG 1899 Hoffenheim nach München. Er hat einen Dreijahresvertrag bis 2015 unterschrieben. © Getty
Mario Mandzukic soll die "Sturm-Bombe" sein, die Uli Hoeneß den Fans versprochen hat. Er kommt vom Magath-Verein VfL Wolfsburg und kostet den FCB 13 Millionen Euro. Der Kroate bekommt einen Vertrag bis 2016. © sampics
Claudio Pizarro kehrt zum FC Bayern zurück und soll den "Super Mario Brothers" Gomez und Mandzukic Konkurrenz machen. Er ist ablösefrei und erhält einen Einjahresvertrag. © dpa
Xherdan Shaqiri soll auf dem Flügel Druck auf die Superzange aus Arjen Robben und Franck Ribéry machen. Er spült dem FC Basel mehr als zehn Millionen Euro in die Kassen und erhält einen Vertrag bis 2016. © dpa
Mitchell Weiser ist ein Mann für die Zukunft. Mit 500.000 Euro Ablöse ist der Jungspund vom 1. FC Köln ein wahres Schnäppchen, sollte er die Erwartungen halbwegs erfüllen. Bis mindestens 2015 darf er sich beim deutschen Rekordmeister beweisen. © Getty
Dante soll die Bayern-Innenverteidigung sattelfest machen. Er kommt von Borussia Mönchengladbach, erhält einen Vertrag bis 2016 und kostet 4,6 Millionen Euro. Ob Nerlinger bei all diesen Transfers ein gutes Näschen hatte, wird sich noch zeigen. © dpa

Der FC Bayern München wird Sammer am Dienstag der Öffentlichkeit präsentieren. Er werde nach dem Trainingsauftakt zusammen mit Präsident Uli Hoeneß Rede und Antwort stehen, teilte der deutsche Fußball-Rekordmeister am Montag mit.

Beim FC Bayern wird Sammer Nachfolger von Christian Nerlinger, der intern schon länger in der Kritik stand. Der 39-Jährige hatte am 1. Juli 2009 für den sportlichen Bereich die Nachfolge von Manager Uli Hoeneß angetreten, konnte sich aus dessen großen Schatten aber nie lösen.

Der FC Bayern geht in seine zweite und zugleich letzte Saison unter Trainer Jupp Heynckes. Als möglicher Nachfolger im Sommer 2013 wird unter anderem Pep Guardiola gehandelt, jahrelang erfolgreicher Coach des FC Barcelona.

BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke meinte zur Personalie Sammer via „Sport Bild“ kühl: „Ob er eine Verstärkung für den FC Bayern ist? Nun, das wird die Zukunft zeigen, wie sie zusammen arbeiten werden. Aber Tatsache ist doch, dass Matthias Sammer für jeden Klub eine Verstärkung ist, darüber brauchen wir nicht reden.“

Die Münchner starten am Dienstag in die neue Saison: noch ohne die EM-Verlierer und Neuzugang Mario Mandzukic, dafür mit hohen Erwartungen und vielen Problemen. Heynckes steht vor einer schwierigen Aufgabe. Der Druck ist riesig. Eine drittes Jahr ohne Titel würde die Welt des deutschen Rekordmeisters endgültig aus den Angeln heben. Sollte die Saison nicht nach Wunsch laufen, könnte Sammer notfalls sogar als Trainer einspringen.

Sammer hatte den neugeschaffenen Posten des DFB-Sportdirektors im April 2006 gegen den Widerstand des damaligen Bundestrainers Jürgen Klinsmann übernommen. Klinsmann und Nationalmannschaftsmanager Oliver Bierhoff hatten dem ehemaligen Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters favorisiert. Beim DFB war Sammer seit 2010 auch als Nachwuchskoordinator des Verbandes für den Ausbau der Talentförderung zuständig.

Beim FC Bayern war Nerlinger nach der zweiten titellosen Saison längst umstritten. Der ehemalige Nationalspieler war noch unter dem Trainer Klinsmann zu den Münchnern gestoßen, vor drei Jahren übernahm er von Hoeneß die Verantwortung über den sportlichen Bereich. Gleich in Nerlingers erster Saison wurden die Bayern Meister und Pokalsieger, darüber hinaus erreichten sie das Endspiel der Champions League gegen Inter Mailand.

Im Januar 2011 war Sammer vom Aufsichtsrat des Hamburger SV für den Posten des Sportdirektors auserkoren. Ihm soll zu diesem Zeitpunkt ein ausgehandelter Vertrag vorgelegt worden sein. Sammer entschied sich dann trotzdem dafür, beim DFB zu bleiben. Sein Vertrag mit dem DFB wäre bis 31. März 2016 gelaufen.

Die Fans reagierten auf die Meldung überwiegend positiv.

sid

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