Schlägerei bei FC-Bayern-Spiel: Vier Polizisten werden versetzt

München - Beim DFB-Pokal-Spiel zwischen dem FC Bayern und der SpVgg Greuther Fürth vor fast neun Monaten ist es zu Übergriffen der Polizei auf Fans gekommen. Jetzt gibt es Konsequenzen.

Fast neun Monate ist es her, doch die Bilder bleiben Helmut Ell (49): Wie er zum Pokalspiel seines Vereins Greuther Fürth gegen die Bayern in die Allianz Arena kommt, und die Polizei die Fans aus Franken „wie Vieh“ mit Stöcken die Rampe zum Gästeblock hochtreibt. Wie der dreifache Familienvater einen Beamten nach einem anderen Weg fragt. Wie der Polizist ihn niederschlägt, dass die Brille wegfliegt, auf ihn eintritt und ihn eine Angst befällt wie noch nie.

So schilderte der Unternehmer die Vorfälle der tz. Doch betroffen war nicht nur er: Selbst Mädchen und Senioren klagten nach dem Spiel über brutale Übergriffe der Münchner Polizei. Der Einsatz hat Konsequenzen!

Das Präsidium greift in den eigenen Reihen durch: Vier Beamte seien versetzt worden, bei zweien hätten dienstliche Veränderungen ohnehin angestanden. Gegen alle vier seien auch Disziplinarverfahren eingeleitet worden, bestätigte Vize-Polizeipräsident Robert Kopp der tz. Es bestehe der Verdacht auf Körperverletzung im Amt!

Betroffen seien drei Beamte des Unterstützungskommandos USK – eine Spezial-Einheit, deren Mitglieder ein besonderes Einsatztraining absolvieren, und die bei Demonstrationen und Fußballspielen an vorderster Front stehen. Unter den drei versetzten USK-Beamten befinde sich sogar ein Zug-Führer. Der vierte Polizist gehöre einer Münchner Einsatzhundertschaft an. Die Beamte verrichten jetzt ihren Dienst in Inspektionen in der Stadt. Für sie gelte die Unschuldsvermutung.

Das Vorgehen der Polizei hatte seinerzeit nicht nur in Fürth für Entrüstung gesorgt. Zunächst war in der Ettstraße nämlich die Rede davon, dass 150 betrunkene Hooligans aus Fürth die Einsatzkräfte „ohne erkennbaren Grund“ angegriffen hätten, und die Beamten die Situation nur durch „massiven“ Schlagstock-Einsatz hätten beruhigen können.

Die SpVgg Greuther Fürth stellte sich dagegen vor die Fans, die Polizei sei „unverhältnismäßig vorgegangen“, Gewalt sei auch gegen Unbeteiligte, ältere Menschen und Familien mit Kindern verübt worden. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) forderte eigens einen Bericht der Polizei an.

Der Fürther Landtagsabgeordnete Horst Arnold (SPD), früher Staatsanwalt und Richter, hatte zuvor die Polizei angezeigt. Diese Ermittlungen laufen noch. „Vielleicht braut sich da was zusammen“, sagte er der tz. Die Versetzungen hält er für ein gutes Signal, schließlich gehe es um den Ruf des USK. Dennoch fordert der Abgeordnete, dass die Elite-Beamten künftig wenigstens über Nummern identifizierbar sein müssten. Seine SPD stehe dahinter.

Prügel-Opfer Helmut Ell ist mit den Ermittlungen zufrieden. Mehrfach hat ihn die Kripo vernommen, die Beamten hätten das Vorgehen der Kollegen bedauert. Er hat seinen Peiniger nicht angezeigt – weil die Polizei selbst aufräumt und weil er einem jungen Polizisten nicht den Berufsweg verbauen will.

DAC

Rubriklistenbild: © Bodmer

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