Sammer attestiert außergewöhnliches Potenzial

Neu-Bayer Coman: Schnelle Beine, forsche Töne

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Bunter Zopf über der Schulter, rote Arbeitskleidung: Kingsley Coman (r.), hier mit Sportvorstand Matthias Sammer.

München – Bayern-Neuzugang Kingsley Coman kündigt Großes an beim Rekordmeister: „Ich bin einer, der den Unterschied ausmacht.“ Matthias Sammer nimmt ihn beim Wort.

Zum Schluss ließ Kingsley Coman ein verwirrtes Auditorium zurück. Zunächst hatte er auf die Frage, ob er liiert sei, Familie habe, mit Nein geantwortet, er sei allein von Turin zum FC Bayern übergesiedelt. Als er aber gefragt wurde, wer denn das Mädchen sei, das er bei Juventus nach Spielen liebevoll auf dem Arm geschaukelt habe, sagte er: „Ma fille“ (meine Tochter). Er wolle aber darüber nicht weiter aussprechen.

Nun, der jüngste Neuzugang des deutschen Meisters blickt auf gerade einmal 19 Jahre Lebenserfahrung zurück. Entsprechend heikel sind in so einem Alter Fragen zu frühem Nachwuchs. Kingsley Coman hat dieses kleine Geheimnis am Ende seiner Präsentation wieder mitgenommen. Allerdings gehören solche Dinge auch eher in die private Schatulle, der junge Mann wurde ja zum Fußballspielen nach München gelotst. Und auch unter diesem Aspekt sind die Beobachter der Szene bis auf weiteres verwirrt, denn bisher hat Kingsley Coman nicht alle auf sich aufmerksam machen können. Warum er denn geholt wurde, sollte Matthias Sammer bitte nochmal genau skizzieren. „Sein Potenzial ist außergewöhnlich, und seine Art, wie er spielt, passt in unser Anforderungsprofil.“

Schnelle Beine hat er, wird in der Szene gemunkelt, und er selbst preschte gestern verbal ebenfalls recht forsch vor. „Ich bin ein Spieler, der den Unterschied ausmacht – und das in jeder Minute eines Spiels“, sagte er. Das klingt ambitioniert, denn allzu viele Minuten spielte er in Turin insgesamt nicht. Als Sammer darauf angesprochen wurde, wie er ein so angriffslustiges Auftreten fände, grinste der Sportchef breit: „Wir haben Beine, Körper, Kopf, seinen Fußball – und die Aussagen verpflichtet.“ Coman sei ein Spieler, der bei schnellem Tempo die Konfrontation mit dem Gegenspieler sucht. Dafür muss man Mut haben. „Wenn er nicht selbstbewusst wäre, säße er heute nicht hier beim FC Bayern.“ Schnelle Beine, forsche Töne – so umreißen die Münchner das Gesamtpaket, das sie nun zwei Spielzeiten von Juventus ausgeliehen haben, um zu testen, ob sie schließlich zu den sieben Millionen Euro Leihgebühr noch mal rund 20 Millionen draufpacken, um den französischen U-21-Nationalspieler endgültig in die eigenen Reihen zu integrieren. Diese Option ist vereinbart.

Für die Bayern ist das ein kluges Modell: In Ruhe aus nächster Nähe beobachten zu können, ob der junge Mann mit dem blondierten Irokesen und dem mit bunten Holzperlen verzierten Zopf seiner Extravaganz auch auf dem Platz sinnvoll Raum lässt. Man muss da sowieso vorsichtig sein mit Vorurteilen: Der Rasta-Zopf soll nicht zwingend darauf schließen lassen, der Kopf darunter sei voller fragwürdiger Spleens. In seiner Kindheit habe er auf dem ganzen Kopf Zöpfe gehabt, erzählte Coman. Den einen hat er behalten. Wenn man so will, ist das auch als Bodenständigkeit zu deuten: Dass er weiß, wo er herkommt, dass Glamour nicht Alltag sein muss.

Die Bayern werden Kingsley Coman auf jeden Fall zwei Jahre gründlich beleuchten. Besteht er die Analysen, winkt ihm kein kleines Erbe. Neben Douglas Costa gilt er als Kandidat, um den Übergang zu einer Mannschaft zu schaffen, deren Flankenglück nicht mehr von Franck Ribery und Arjen Robben abhängig ist. Beide kommen in die Jahre, beide fehlen aktuell wieder einmal verletzt – Coman, der gerade frisch von der U 21 gekommen ist und gestern das erste Mal mit seinen neuen Kollegen trainierte, könnte bereits morgen gegen den FC Augsburg gebraucht werden. Auflaufen könnte er, sagte er, „ich bin physisch fit“.

Es gab auch andere Angebote, sagte Coman, „aber das vom FC Bayern stand über allen anderen“. Sammer erklärte, man habe dem Offensivallrounder, der am liebsten über die linke Seite angreift, einfach „die besten Perspektiven aufzeigen können“. Er sagte das zwar nicht laut, aber es geht um das Erbe von Ribery. Seinen Landsmann traf Coman gestern unmittelbar vor seiner Präsentation kurz im Mannschaftstrakt. Vor seiner Vertragsunterschrift habe er weder Ribery noch Arturo Vidal, mit dem er letzte Saison bei Turin spielte, angerufen, erzählte er. Seine Entscheidung stand auch so. Beim ersten Hallo habe Ribery ihm gesagt, er könne ihn jederzeit um Hilfe bitten, wenn es um die Integration geht. Es wird spannend, wie der Routinier dem Konkurrenten zur Seite steht, sagen Zyniker. Fußballromantiker werden sagen: Coman ist doch nicht ganz allein, nachdem er von Turin zu Bayern übergesiedelt ist.

von Andreas Werner

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