Guardiola happy nach Comeback

"Habe gemerkt, wie wichtig Schweinsteiger ist"

+
Zurück in der Familie: Schweinsteiger mit Bayern-Maskottchen Berni – das ihn gar nicht mehr loslassen wollte.

München - Fans und Mannschaft feiern Bastian Schweinsteigers Comeback bei den Bayern nach 132 Tagen. Der FCB-Spieler war völlig gerührt.

Robert Kampka hatte vor der Partie sicher nicht gedacht, dass er eine derart tragende Rolle einnehmen würde. Aber der vierte Offizielle stand dann beim 4:0 des FC Bayern gegen Hoffenheim doch ein paar Momente im Mittelpunkt. 26 Minuten hatte sich Bastian Schweinsteiger warm gelaufen, ehe er bereit zur Einwechslung an der Außenlinie stand. Bei jedem Schiedsrichterpfiff wurde der 30-Jährige ungeduldiger. Er tippelte auf und ab, gestikulierte, rief Kampka zu sich, signalisierte, dass er nun endlich seine Tafel hochhalten sollte. Und dann durfte er tatsächlich rein. Die Nummer „31“ wurde von Kampka in die Höhe gehalten. Es war Samstag, der 22. November 2014, exakt 17.05 Uhr, als 71 000 Zuschauer in der Allianz Arena einen Gänsehaut-Moment erlebten.

„Es hat mein Herz schon sehr berührt, so empfangen zu werden. Jede Trainingseinheit in den letzten Monaten hat sich für diesen Moment rentiert“, sagte Schweinsteiger, als er nach dem Spiel an die Sekunden seiner Einwechslung zurückdachte. Standing Ovations und Sprechchöre in einer Lautstärke, wie man sie in der Allianz Arena selten gehört hat, begleiteten den Vize-Kapitän bei seinem Comeback nach 132 Tagen Verletzungspause. „Ich habe gemerkt, wie wichtig er für diesen Verein ist“, sagte Pep Guardiola nach Schweinsteigers erstem Kurzeinsatz in der laufenden Saison. Schon das Comeback von Franck Ribery war vor rund einem Monat stark bejubelt worden. Die Wertschätzung für Schweinsteiger aber hatte noch einmal eine andere Dimension.

„Das hat er sich verdient“, sagte Arjen Robben und bezeichnete seinen genesenen Mitspieler – wie auch die Fans – als „Fußball-Gott“. Schweinsteiger genoss seinen 13-minütigen Auftritt sichtlich, er hatte Lust. Immer wieder hob der Nationalspieler die Arme, forderte Bälle, sprintete – und bereitete sogar das 4:0 durch Sebastian Rode vor. „Der Pass war perfekt, genau in den Lauf“, sagte der Torschütze, der nach Treffern von Mario Götze, Robert Lewandowski und Robben für den Endstand gesorgt hatte. Schweinsteiger lieferte bei dieser Vorlage einen kleinen Vorgeschmack auf das, was er zu leisten imstande ist, wenn er noch Zeit bekommt.

Die Pause seit dem WM-Finale im Juli war lang, „und deshalb ist Bastian auch noch nicht ganz fit“, sagte Guardiola. Auch der Weltmeister selbst gab zu, „konditionell noch nicht da“ zu sein, „wo ich mich sehe“. In den kommenden Wochen müsse er „gut trainieren, dann wird es auch wieder mehr werden“. Derzeit ist Schweinsteiger noch zu sehr mit sich selbst beschäftigt, um den verletzten Kapitän Philipp Lahm als Anführer zu ersetzen. Zumindest aber seine Erfahrung könne er jetzt schon einbringen, hoffte Guardiola. Im neuen Jahr sollte er dann wieder bei alter Stärke sein.

Es war in den Emotionen des Tages fast ein wenig untergegangen, dass die Bayern mal so eben im Vorbeigehen das 16. Liga-Spiel ohne Niederlage absolviert hatten. Und so lenkte doch Schweinsteiger selbst den Fokus darauf, dass es für ihn „noch schöner“ gewesen sei, „das Spiel zu gewinnen“. Die Absenz von Lahm war in einigen Phasen der Partie zu spüren, den Bayern fehlte die Sicherheit, es wurden Fehlpässe gespielt. Und trotzdem reicht eine Durchschnittsleistung derzeit zu einem klaren Sieg.

„Wir haben viele Verletzte, aber unser Kader ist durchgängig erstklassig besetzt“, sagte Karl-Heinz Rummenigge. Vor allem, dass trotz der langen Krankenliste (auf der nun auch Jerome Boateng mit einem Pferdekuss steht) niemand jaule, sei von Vorteil. Und wenn dann auch noch ganz unverhofft die Konkurrenz aus Gladbach und Wolfsburg patzt, dann kann man angesichts von nun Sieben Punkten Vorsprung von einem „Pro-FC-Bayern-Spieltag“ sprechen.

Das Ziel ist klar: „Bis Weihnachten nicht verlieren“, sagte Rode. Nicht mal morgen in Manchester, obwohl es in der Champions League als sicherer Gruppensieger um nichts mehr geht. Oder? „Doch, um Preisgeld, um UEFA-Ranking-Punkte“, sagte Rummenigge. Und für Schweinsteiger um die nächsten Spielminuten. Antonin Kordula – der vierte Offizielle in Manchester – sollte auf Zack sein.

Hanna Schmalenbach

Auch interessant

Meistgelesen

„Satt und müde“: So lautet die Saisonbilanz der Bayern-Fans 
„Satt und müde“: So lautet die Saisonbilanz der Bayern-Fans 
Ticker: Bayern-U19 verliert dramatisches Elferschießen
Ticker: Bayern-U19 verliert dramatisches Elferschießen
„Ich bin traurig“: Dieser Weltklasse-Kicker wird Lahm vermissen
„Ich bin traurig“: Dieser Weltklasse-Kicker wird Lahm vermissen
Termine bekannt: So bereiten sich die Bayern auf die nächste Saison vor
Termine bekannt: So bereiten sich die Bayern auf die nächste Saison vor

Kommentare