Bayerns neuer Regisseur

Rudy im Interview: „Ich kann auch wütend werden“

„Herr der Bälle - das klingt gut“: Bayern-Neuzugang und Rudy
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„Herr der Bälle - das klingt gut“: Bayern-Neuzugang und Rudy

Sebastian Rudy spricht im Interview über seinen Start beim FC Bayern, den Autopiloten in ihm, die WM 2018 und seine Jugendsünde Rastalocken.

München – Sebastian Rudy hat alle überrascht. Kaum einer hatte den Neuzugang auf dem Zettel, nun zieht er die Fäden im Mittelfeld des FC Bayern. Im Interview erläutert der 27-Jährige seine Ziele.

Herr Rudy, Sie haben einige Interviews gegeben in den letzten Wochen. Welche Frage wurde Ihnen am häufigsten gestellt?

Sebastian Rudy: Gute Frage! Es waren viele . . . die eine gab es gar nicht.

Gibt es eine, die Ihnen noch nicht gestellt wurde?

Rudy: Da müssen Sie sich eine ausdenken – versuchen Sie mal!

Wie kam es zu ihrer Jugendsünde Rastalocken?

Rudy: Die wurde noch nicht gestellt, sehr gut. Aber es gibt keine Bilder von damals – ich weiß also nicht, wovon Sie sprechen (lacht).

Es gibt keine Bilder?

Rudy: Nein, wirklich nicht. Ich persönlich habe auch schon mal gesucht und keine gefunden. Im Nachhinein gesagt: Da habe ich wohl Glück gehabt. Aber ich hatte die Rastalocken auch nur drei Wochen.

War das das Wildeste, das Sie je gemacht haben?

Rudy: Das kam damals ganz spontan. Und ich würde schon sagen, dass es das Wildeste war. Ich war 17, zu der Zeit verletzt und stand noch nicht so in der Öffentlichkeit. Da habe ich das halt mal ausprobiert.

Könnte man Sie zu einer Wette verleiten: Wenn Sie mit dem FC Bayern die Champions League gewinnen, setzen Sie eine Rasta-Perücke auf?

Rudy: Wenn das passiert, bin ich für alles offen (lacht).

Die Frage, die wahrscheinlich am meisten gestellt wurde, ist die nach Ihrem Schnäppchen-Dasein in München. Zum Nulltarif in ein Team voller Millionen-Stars gekommen. Gefällt Ihnen der Begriff Schnäppchen-Stratege?

Rudy: Das kann ich nicht beeinflussen. Mein Vertrag ist eben ausgelaufen. Aber es müssen ja nicht immer Millionen-Transfers sein. Ich denke, dass es auch ein Vorteil ist. Lieber unterschätzt als überschätzt. Wenn man dann nämlich aus dem Windschatten rauskommt und nicht so im Fokus steht, kann man in Ruhe seinen Job erledigen.

So kam Rudy zum Kicken

Sie kommen aus einer Fußball-Familie, haben eine Schwester und drei Brüder, die auch kicken. Wie ging es früher daheim zu?

Rudy: Zuhause standen immer zwei Tore im Garten – und ich muss sagen: Der Rasen war top gepflegt, das hat unser Vater immer richtig gemacht. Nach der Schule ging es dann eigentlich immer direkt zum Fußballspielen. Ohne Umwege.

Waren Sie schon da der Stratege?

Rudy: Nein, noch nicht. Wir hatten am Anfang alle unterschiedliche Qualitäten und Positionen. Ich bin sogar ins Tor gegangen, das hat auch Spaß gemacht. Das hat sich vermischt – ich habe meine Brüder nicht laufen lassen (lacht).

Sie waren auch im Tennis und im Eishockey ein Talent. War der Weg in den Fußball dennoch stets klar?

Rudy: Fußball hatte schon immer die Priorität. Bis ich 15 war, habe ich Tennis gespielt, über zehn Jahre. Dann ging ich zum VfB Stuttgart und es war klar, dass es von der Zeit her nicht mehr reicht. Es war ein Hobby von mir, aber ich war nicht so ambitioniert, dass das eine echte Option gewesen wäre.

Seit Kurzem spielen Sie auch Golf. Wo liegt das Handicap – wie stehen Sie teamintern im Vergleich?

Rudy: Noch bei 24, damit bin ich im hinteren Drittel. Aber ich denke, dass ich gut im Kommen bin. Mir machen viele Sportarten Spaß, auch Tischtennis.

Alles hat mit Bällen zu tun – ein Herr der Bälle?

Rudy: Das klingt gut – das nehme ich an (lacht). Ich habe eine gewisse Gabe in Sachen Bällen.

Rudy war früher Leverkusen-Fan

Schon in jungen Jahren waren Sie im Fußball erfolgreich, Dritter 2007 bei der U-17-WM, an der Seite von Toni Kroos. Ihr Vorbild war Bernd Schneider.

Rudy: Ich war früher Leverkusen-Fan, ich fand seine Spielweise faszinierend. Das ergibt sich dann so als Jugendlicher. Und dabei ist es auch geblieben.

Sind auch Sie ein „weißer Brasilianer“?

Rudy: (lacht) Ich versuche es.

Hört sich das besser an als der „neue Alonso“?

Rudy: Da halte ich mich zurück.

Wie sehr nerven die Vergleiche zu Xabi Alonso?

Rudy: Die Öffentlichkeit sucht einen Nachfolger für ihn. Trotzdem denke ich, dass wir zwei unterschiedliche Typen sind. Ich versuche, meine Spielweise durchzubringen – und nicht Xabi Alonso nachzueifern.

Hätten Sie gerne noch mit ihm gespielt?

Rudy: Sehr gern. Von so einem Spieler hätte man noch viel lernen können. Leider geht das nicht mehr. Aber es gibt hier noch genügend sehr gute Spieler, von denen man lernen kann.

Sie stammen aus dem Internat des VfB. Die Bayern haben nun ihren Campus eröffnet. Wie wird man denn ein neuer Rudy?

Rudy: Im Internat hat es mir wirklich an nichts gefehlt. Das Einzige, auf das man schauen muss, ist, dass man das nicht ausnutzt und nicht auf sich beruhen lässt. Man darf nicht denken: Jetzt bin ich hier, jetzt habe ich es geschafft. Wenn man alles bekommt, denkt man: Das fühlt sich gut an. Aber man muss immer dranbleiben.

Sebastian Rudy: „Ich soll meinen Stil beibehalten“

Wenn man den Kader der U-17-WM betrachtet – nur Toni Kroos und Kevin Trapp haben es zu großen Vereinen geschafft.

Rudy: Das stimmt. Für mich war das eine Wahnsinnserfahrung damals in Südkorea. Es war meine erste Reise, die weiter weg geführt hat, aber viele Erinnerungen habe ich da gar nicht mehr. Es ist ja eine Weile her.

Das war Ihre Rastazeit.

Rudy: Ja, genau . . . (überlegt) Genau genommen kamen die Rastas kurz danach (grinst).

Kroos sagt, er habe schon bei der Ballannahme ein, zwei Ideen im Kopf. Wie ist es bei Ihnen?

Rudy: Eigentlich genauso. Du musst immer schon Lösungen parat haben. Vieles läuft instinktiv. Mit der Ballannahme läuft alles bei mir schon auf einer Art Autopilot. Man denkt nicht richtig drüber nach, weiß aber trotzdem, was man tut.

Mussten Sie Ihren Autopiloten hier umjustieren?

Rudy: Nein. Er läuft auch hier von selbst. Ich denke, Bayern hat mich geholt, weil ich so spiele, wie ich spiele. Ich soll meinen Stil beibehalten. Und ich denke, er passt hier auch gut rein.

Ihre Ruhe am Ball wird gelobt. Im Fußball wird ja alles gemessen. Wissen Sie Ihre Ruhepuls-Werte?

Rudy: (lacht) Nein, die messen wir nicht. Ich versuche immer, einen klaren Kopf zu bewahren.

Ist das generell Ihr Charakter: immer ruhig?

Rudy: Ich kann auch wütend werden. Wenn ich mich ungerecht behandelt fühle, kann das passieren. Aber nicht, wenn ich im Stau stehe oder einen Parkplatz suche oder so etwas.

Sebastian Rudys WM Pläne

Wurden Sie wütend, als Sie kurz vor der EM aus dem Kader geflogen sind?

Rudy: Ich war eher enttäuscht. Zwei Wochen lang hat das weh getan. Dann muss man wieder nach vorne schauen. Ich habe es als Ansporn genommen. Es ist ja nicht so, dass es mit so einer Nicht-Nominierung aus und vorbei ist. Beim Confed Cup durfte ich mich jetzt beweisen, und natürlich habe ich die WM 2018 schon als Ziel.

Planen Sie mit der WM – oder sind Sie nach 2016 ein gebranntes Kind?

Rudy: Ich plane selten was. Wenn, bin ich spontan.

Wenn Jogi Löw anruft, sagen Sie also spontan ja.

Rudy: (lacht) Genau. Dann fahre ich spontan mit zur WM.

Haben Sie die anstehende WM in Ihre Planungen einbezogen, als Sie sich für Bayern entschieden?

Rudy: Ich wusste, wenn ich mich persönlich verbessere, stehen meine WM-Chancen gut – egal, wo ich spiele. Von daher habe ich nicht auf die WM geschaut. Ich sehe bei meiner Entscheidung für die Bayern eher den Vorteil als das Risiko. In den ersten Wochen konnte ich jetzt bereits zeigen, dass auf mich Verlass ist, dass ich mich zeigen möchte, dass ich hier mithalten kann.

Rudy: Gegner hat Respekt vor mir

Sie sagten zum Einstand, Ihr Ziel sei, dass sich der Gegner nach Ihnen richtet, nicht umgekehrt. Wenn bei der Champions League-Auslosung Manchester City zugeteilt wird, wäre es also ein Ritterschlag, wenn Pep Guardiola vor dem Duell sagen würde: „Passt mir auf den Rudy auf!“?

Rudy: Ja, auf jeden Fall. Es gab auch in Hoffenheim schon Spiele, da habe ich gemerkt: Hoppla, die nehmen mich in Manndeckung. Das hat mich gefreut, weil es zeigt, der Gegner hat Respekt vor mir. Ich sehe das als Auszeichnung, wenn der Gegner beschließt, mir einen Mann auf die Füße zu stellen. Für mich ist es dann die Herausforderung, trotzdem Lösungen zu entwickeln.

Geht bei der Auslosung der Champions League der Ruhepuls ausnahmsweise mal nach oben?

Rudy: Das nicht. Aber ich werde um 18 Uhr vor dem Fernseher sitzen. Solche Auslosungen sehe ich mir immer an, sie haben mich seit jeher interessiert.

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