HSV-Legende im tz-Interview

Seeler: "Mit Punkten ist nicht zu rechnen"

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Schwache Spiele, schlechte Ergebnisse, Platz 18: Uwe Seeler leidet mit dem Hamburger SV – am Samstag gegen den FCB.

München - Es sind bange Blicke, mit denen Uwe Seeler derzeit die Lage seines Vereins verfolgt. Gerade hat der Hamburger Sportverein den Abstieg abgewendet, schon steht er wieder auf Platz 18. Und dann kommt auch der FC Bayern… Was macht da noch Hoffnung? Das Interview mit dem Urgestein!

Herr Seeler, Sie als HSV-Lichtgestalt: Wie sehr leiden Sie, wenn Sie sehen, was aus dem einstmals ruhmreichen HSV geworden ist?

Seeler: Natürlich sitzt man mit sehr gemischten Gefühlen da. Auch wenn ich schon vorgewarnt gewesen war nach der letzten Saison. Dass es genauso weitergeht, hat mich dann aber doch überrascht. Hoffentlich bekommen die Verantwortlichen das in den Griff. Es wird schwierig sein, wieder Ordnung und Ausgeglichenheit in den Verein, aber auch in die Mannschaft reinzubringen.

Ausgerechnet jetzt warten auch äußerst schwierige Aufgaben.

Seeler: Das kann man so sagen. Zuerst die Bayern, dann Gladbach und wenig später Dortmund. Die Mannschaft braucht eine neue Mischung. Man hat ja vor dieser Saison neue Leute geholt – auch wenn nicht so viel Geld da ist, wie sein sollte. Das Problem ist, dass man sehr spät eingekauft hat. Die Neuen müssen erst noch reinfinden. Es wird sich zeigen, ob es wirklich die Richtigen sind.

Mit Klaus-Michael Kühne hat der HSV einen zahlungskräftigen Unternehmer im Hintergrund, der u. a. den Transfer von Lewis Holtby ermöglicht hat. Was halten Sie vom Engagement des Milliardärs?

Seeler: Wie gesagt, der HSV braucht mehr Geld. Von daher tut die Unterstützung von Herrn Kühne natürlich gut. Aber man darf sich nicht abhängig machen. Wenn Herr Kühne sagt, der oder der müssen weg, dann ist das nicht gut.

Auf der Bank soll es jetzt der bisherige U23-Trainer, Josef Zinnbauer, richten.

Seeler: Ich kenne ihn nicht persönlich. Ich weiß, dass er mit der 2. Mannschaft sehr erfolgreich war. Die hat unter ihm jedes Spiel gewonnen. Jetzt macht Josef Zinnbauer den nächsten Schritt. Bundesliga, das ist natürlich eine ganz andere Herausforderung.

Mit Dietmar Beiersdorfer in der Klubspitze dachten viele, jetzt kehrt endlich Ruhe in den Verein ein. Er war und ist immer noch ein Hoffnungsträger.

Seeler: Aber auch er ist ja erst spät gekommen. Deshalb haben sich wichtige Entscheidungen verzögert. Und das lässt sich jetzt nur schwer reparieren. Ich hoffe, dass Dietmar es schafft und er dafür sorgt, dass wieder Gemeinsamkeit und Ordnung herrschen – nicht nur auf dem Platz, sondern auch dahinter, in der Klubführung. Das ist beim HSV verloren gegangen. Jeder glaubte, Recht zu haben und mitreden zu können. Es sind in den vergangenen Jahren viele Fehler gemacht worden.

Hätte der Abstieg vielleicht sogar eine reinigende Wirkung gehabt?

Seeler: Das mit der reinigenden Kraft hört man manchmal. Aber ich bin da anderer Meinung. Es wäre für den Verein und auch für die Stadt eine Katastrophe gewesen. Der HSV hat Schulden. In der 2. Liga hätten sich die Einnahmen halbiert. Glauben Sie mir, ich war nach dem Schlusspfiff beim Relegationsspiel völlig erschöpft. Dabei bin ich normalerweise ein ziemlich gelassener Mensch, auch bei HSV-Spielen. Es war ein Wunder, dass wir nicht abgestiegen sind. Da war mehr Glück als Vaterlandsliebe im Spiel.

Was sagen Ihre alten Weggefährten vom HSV, wenn Sie mit denen über die Situation sprechen?

Seeler: Bei denen ist die Enttäuschung ebenfalls sehr groß – wie bei allen Fans. Obwohl die ja wirklich vernünftig sind. Von denen verlangt ja keiner, dass man oben mitspielt – aber ein Platz im gesicherten Mittelfeld, das wäre schon schön.

Was erwarten Sie von der HSV-Mannschaft?

Seeler: Dass sie sich achtbar aus der Affäre zieht – mehr nicht. Mit Punkten ist nicht zu rechnen.

Nicht mal mit einem?

Seeler: Das wäre in der derzeitigen Situation eine Riesenüberraschung. Aber für die Moral der Mannschaft wäre es natürlich sehr gut.

Interview: Roland Wiedemann

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