Exklusiv-Interview mit Holger Seitz

Bayerns U19-Coach: "Müssen eigenen Glanz entwickeln"

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Holger Seitz (hier bei der U 17-WM 2011 in Mexiko) übernimmt die A-Jugend des FC Bayern.

München - Holger Seitz tritt beim FC Bayern die Nachfolge von Heiko Vogel als Trainer der A-Junioren an. Im Interview mit Fussball Vorort spricht der 40-jährige über seine Spielphilosophie und preist U 21-Nationalspieler Emre Can.

Haben Sie sich geehrt gefühlt, als der FC Bayern an Sie herangetreten ist?

Holger Seitz:  Jeder kann sich vorstellen, dass es eine große Ehre ist, wenn der FC Bayern an einen herantritt. Für welche Aufgabe man die Verantwortung trägt, ist dabei gar nicht so bedeutend. Man ist ein Teil des großen Ganzen. Zusammenfassend kann ich sagen, dass mich das Vertrauen, das die Verantwortlichen in mich setzen, wahnsinnig freut und ein Stück weit auch mit Stolz erfüllt. Mir ist aber bewusst, dass dies in erster Linie eine Verpflichtung ist. Ich bin jetzt gefordert. Nicht mit schlauen Sprüchen im Vorfeld, sondern mit konsequenter Arbeit auf dem Platz.

Wie gehen Sie mit der hohen Erwartungshaltung um? Zuletzt konnte die Jugendabteilung des FCB nicht mit den Erfolgen der Herrenmannschaft Schritt halten...

Holger Seitz:  Das ist Ansporn und Motivation zugleich. Statistisch gesehen gelang auch zuletzt einigen Spielern der Sprung aus dem Junior-Team in den Profi-Bereich anderer Bundesligisten. Allerdings orientiert sich die öffentliche Wahrnehmung am Anspruchsdenken von Bayern München. Und das ist gut so. Diese Maßstäbe treiben einen an. Gemeinsam mit meinem Trainerteam werde ich mich ihnen stellen. Froh und glücklich darüber zu sein, dass man beim FC Bayern München arbeitet, wird nicht ausreichen. Wir müssen es jeden Tag mit Leistung, Hingabe und einem entsprechenden Verhalten rechtfertigen, Bestandteil dieses Vereins sein zu dürfen. Wir dürfen uns nicht im Licht der 1. Mannschaft sonnen, sondern müssen unseren eigenen Glanz entwickeln. Eine tolle Herausforderung.

Wie soll Ihre zukünftige Zusammenarbeit mit Heiko Vogel aussehen? Vogel wird bei den U 19-Junioren das Amt des sportlichen Leiters bekleiden...

Holger Seitz:  Da Heiko als sportlicher Leiter die Richtung vorgibt, stehe ich in einem permanenten Austausch mit ihm. Er hat klar definierte Vorstellungen und weiß, wo er mit dem Junior-Team hin möchte. Mit diesen Inhalten und Ideen kann ich mich zu 100 Prozent identifizieren. Allerdings wird die Umsetzung ein Prozess sein, der Zeit in Anspruch nehmen wird. Von seinem großen Erfahrungsschatz werden letztendlich auch ich persönlich profitieren.

Wie gut haben Sie Ihre neue Mannschaft schon kennengelernt?

Holger Seitz:  Durch mein Engagement als Verbandstrainer kenne ich einige Spieler schon seit mehreren Jahren. Auch wenn ich viel mit Spielern aus den anderen bayerischen Nachwuchsleistungszentren zusammengearbeitet habe, sind mir doch die Jungs aus dem Großraum München am Besten bekannt. In den letzten Jahren habe ich sehr viele Spiele der A- und B-Junioren-Bundesliga gesehen. Allerdings erlauben mir die Eindrücke eines Spieltages kein endgültiges Urteil. Zur genaueren Beurteilung bedarf es einer gesamten Trainingswoche. Deshalb starte ich völlig unvoreingenommen in die Vorbereitung. Ich freue mich darauf.

Was sind Ihre Ziele für die kommende Spielzeit?

Holger Seitz:  Zunächst einmal möchte ich nicht den großen "Alleswisser" geben, bevor die erste Trainingseinheit abgehalten wurde. Eines unserer Ziele wird sein, die Stärken unserer Spieler in den Vordergrund zu rücken. Teilweise wissen die Spieler mehr über ihre Schwächen als über ihre Stärken. Das ist fatal. Darüberhinaus wird der direkte Zweikampf, sowohl in der Offensive als auch in der Defensive, eine zentrale Rolle in unserer Trainingsarbeit einnehmen. Generell wird mir in der Ausbildung von Nachwuchsfußballern zu viel über Mannschaftstaktiken philosophiert. Als Verbandstrainer des BFV habe ich erkannt, dass einige Trainer sich hinter endlosen Systemdiskussionen verstecken. Der Fußball ist allerdings grundsätzlich nicht so kompliziert, wie er von einigen Theoretikern dargestellt wird. Den einzelnen Spieler in seiner Technik und Individualtaktik konkret und präzise auf dem Platz zu verbessern, ist mein Ansatz. Darüberhinaus zählen natürlich auch gruppen- und mannschaftstaktische Inhalte. Ein weiteres Ziel sollte sein, dass wir es schaffen, den Cheftrainer der Profis für unser Spiel zu begeistern. Bis er sich ein Spiel von uns live anschaut.

Fließen Erkenntnisse aus der vergangenen Bundesliga-Saison in Ihre tägliche Trainingsarbeit ein?

Holger Seitz:  Mir persönlich gefallen Mannschaften wie Darmstadt 98, Ingolstadt, der Karlsruher SC und nicht zuletzt der FC Augsburg. Ich glaube, dass diese Teams dem Fußball in der aktuellen Phase gut tun. Dort werden Werte gelebt, mit denen ich mich absolut identifizieren kann.

Als Co-Trainer haben Sie bei der U 17-WM in Mexiko bereits 2011 mit Emre Can zusammengearbeitet. Sind Sie überrascht, wie dominant Can derzeit bei der U 21-EM auftritt?

Holger Seitz: Nein, das hat sich damals schon abgezeichnet. Im Spiel, aber auch in den Trainingseinheiten. Nicht zuletzt wegen Emres verletzungsbedingter Auswechslung ist das WM-Halbfinale seinerzeit gekippt. Aber auch neben dem Platz war er damals schon sehr zielorientiert, fokussiert und achtete auf ein gesundes Mannschaftsklima. Es wird sehr interessant werden, zu beobachten, welche Entwicklung Emre beim FC Liverpool nimmt.

Lukas Schierlinger

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