Bayern-Legende wird 70

Maier: "Lebensfreude, das ist das A und O"

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Sepp Maier mit seiner zweiten Ehefrau ­Monika bei einer Preisverleihung 2012.
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Weltmeister 1974
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Maier war für jede Gaudi zu haben: 1976 gegen Bochum vertrieb er sich die Zeit mit der .Entenjagd
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München - Er gilt als Paradebayer – seinen heutigen 70. Geburtstag allerdings feiert Sepp Maier weit entfernt von seiner Heimat Anzing: in Dubai nämlich.

Dort urlaubt die Torwart-Legende mit Familie und bereitet sich tatsächlich auf eine Art „Ruhestand“ vor. Das Sportzentrum in Anzing, das den Namen „Tennisparadies Sepp Maier“ trägt, hat er nämlich vor Monaten verkauft (tz berichtete). „Der Aufwand war mir einfach zu viel geworden. Ich werde 70, da will ich mein Leben mehr genießen“, sagt Maier.

„Ich glaube, mein Antlitz spiegelt wider, dass ich bisher ein glückliches Leben hatte und ich immer ein ­positiver Mensch war“, sagt er dem Bayern-Magazin. „Ich habe immer große Lebensfreude versprüht. Das ist das A und O. Sie wie es in einem ausschaut, so sieht man dann auch nach außen aus.“ Weltmeister, Europameister, dreimal Europapokalsieger der Landesmeister mit dem FCB: Maier war einer der besten Torhüter aller Zeiten – und die Zeiten waren anders. „Damals gab es so was wie Sportlernahrung noch nicht“, erinnert er sich. „Da haben wir am Abend vor dem Spiel einen Schweinsbraten gegessen und dazu gab’s ein Weißbier – heutzutage undenkbar.“ In die Allianz Arena zieht es ihn nicht mehr. „Ich schaue mir aber jedes Spiel im Fernsehen an“, sagt er. „Das letzte Mal in der Arena war ich beim Länderspiel Deutschland gegen Österreich im September und davor beim Abschiedsspiel von Oliver Kahn (2008, d. Red.).“ Das Interview:

Herr Maier, Sie sehen aus, als hätten Sie noch das alte Kampfgewicht.

Maier: Das waren mal 79 Kilo. Jetzt, im Winter, habe ich drei, vier Kilo mehr, im Sommer immerhin nur 81. Und das kommt dann durch das Golfspielen. Mein Handicap war schon mal 5,4.

Fußball aber ist Ihr Leben. Was fällt Ihnen spontan ein zum Anfang Ihrer Karriere?

Maier: Das Glücksgefühl, als ich mit sechs Jahren zu Weihnachten mit meinem Bruder Horst eine Uhr gegen einen Fußball eintauschte. Damit schlief ich im Bett. Zwei Jahre später gehörte ich zur Schüler-Mannschaft des TSV Haar.

Ihr erstes Spiel im Tor...

Maier: ...machte ich mit 15 gegen die zweite Jugendmannschaft des FC Bayern. Ich spielte im Sturm und musste ins Tor, weil die Nummer eins ausgefallen war. Prompt bekam ich neun Stück. Da war mir klar, nie Torwart werden zu wollen.

Ein Irrtum.

Maier: Weil die Bayern nicht locker ließen. Deren Jugendtrainer meinte, ohne mich hätte Haar mehr als neun Tore kassiert.

Torhüter und Linksaußen...

Maier: ... haben eine Macke. Ein Torhüter muss verrückt sein, ein Besessener und Außenseiter sogar im eigenen Team.

Hat Sie nie ein anderer Verein gereizt?

Maier: Bei den Erfolgen, die wir hatten, wäre ich doch schön blöd gewesen zu gehen. Wechseln, nur um noch ein bisschen mehr zu verdienen? Nee! Damals dachten viele nicht, was sie verlieren, wenn sie ihren Stammverein verlassen. Sie geben Bindungen auf, die mit Geld nicht zu bezahlen sind.

Sie haben alles gewonnen. Worauf sind Sie am meisten stolz?

Maier: Vielleicht auf meine Beständigkeit. Ich habe von den 472 Spielen in der Bundesliga 442 Spiele hintereinander gespielt, 13 Jahre am Stück. Auch mit Glück, denn ich war nie ernsthaft verletzt, obwohl man untereinander nicht zimperlich umging. Was früher ein Pferdekuss war, ist heute ein fürchterliches Hämatom.

In Erinnerung sind Sie auch als Spaßvogel.

Maier: Was heißt Spaßvogel? Ich war auch sehr ernst. Es nutzt aber nichts, wenn man nach einem Missgeschick griesgrämig rumläuft. Das harte Torhüter-Leben muss man mit Humor tragen.

Journalisten fanden Sie aber nicht immer so lustig...

Maier: Ach was! Gut, ich war schon mal grantig zu Reportern. Einen habe ich sogar geohrfeigt. Eine saubere Watschn war das, rechts und links, zackzack. Danach war der nur noch nett zu mir.

Josef Dieter „Sepp“ Maier (70)

  • Geboren am 28. Februar 1944 in Metten.
  • Seit 2008 zum zweiten Mal verheiratet mit Monika, ein Kind aus erster Ehe mit Agnes. Abgeschlossene Lehre als Maschinenschlosser
  • Erhielt 1978 das Bundesverdienstkreuz.
  • Stationen als Torwart-Trainer: DFB (1988-2004), FC Bayern (1994-2008).
  • Stationen als Spieler: FC Bayern (1962-1979), 95 Länderspiele (1966-1979), vier für die Nationalmannschaft der Amateure (1963), elf für die Jugend-Nationalmannschaft (1961-1962).
  • Erfolge als Spieler: Weltmeister 1974; Meister 1969, 1972, 1973, 1974; DFB-Pokal-Sieger 1966, 1967, 1969, 1971; Europapokal der Pokalsieger 1967; Europapokal der Landesmeister 1974, 1975, 1976; Weltpokalsieger 1976.

Maiers beste Sprüche

Es trifft jeden einmal, die Latte wird immer kürzer mit 70, dann 80: Dann musst du dein Grab ausgesucht haben.

Über Ersatzkeeper Walter Junghans: Der Junghans wird bei uns zum Althans.

So dichtete er den Song von Löwen-Keeper Radenkovic – Bin i Radi, bin i König – um:Bin i Radi, bin i Depp – König ist der Maier Sepp!

Ein Torwart muss Ruhe ausstrahlen. Aber auch aufpassen, dass er dabei nicht einschläft.

Morgens um sieben ist die Welt noch in Dortmund...

Ich habe Strafstöße immer ganz locker genommen. Bei mir brauchten die Schützen auch nicht so viel Angst zu haben, ich habe selten einen gehalten.

Torhüter sind introvertiertere Menschen. Als Feldspieler kannst du dich abreagieren. Als Torwart bist du im Strafraum festgenagelt, kannst nur reagieren.

Was braucht so ein junger Hupfer einen Manager? Die sollen nicht schon vor dem Spiel übers Geld nachdenken. Erst Leistung bringen, dann Forderungen stellen.

Ein Muskelprotz ist gut fürs Mannschaftsfoto, aber nicht fürs Tor.

Wir haben damals 1200 Mark im Monat verdient, plus 50 oder 80 Mark pro Punkt, und sind so auf 1800 Mark gekommen. Ein sehr gutes Gehalt, wenn man bedenkt, dass die Semmel nur ein paar Pfennig gekostet hat.

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