"Klopp würde gut passen!"

Sepp Maier schwärmt von Müller - und dem BVB

München - Sepp ­Maier ist gespannt, wie sich seine Bayern in dieser Saison schlagen. Dabei verrät er im tz-Interview, dass er tatsächlich auch mal Fan des BVB war ...

Der Start in die neue Saison steht unmittelbar bevor, morgen Abend schaut ganz Fußballdeutschland nach München. Und natürlich ist auch FCB-Legende Sepp ­Maier (71) gespannt, wie sich seine Bayern in dieser Saison schlagen. Dabei verrät er im tz-Interview, dass er tatsächlich auch mal Fan des BVB war…

Herr Maier, die Bayern haben in dieser Saison das große Ziel, vier Mal in Folge Meister zu werden. Schaffen sie das?

Sepp Maier: Ach locker, das schaffen die ganz locker! Freilich!

Nicht einmal die große Mannschaft mit Ihnen in den 70ern hat das vollbracht.

Sepp Maier: Das waren die alten Bayern, das kann man nicht mehr vergleichen. Wir waren damals halt noch von der alten Schule, wir waren Kavaliere und haben uns nach dem dritten Titel gesagt: „Jetzt dürfen mal wieder andere feiern!“ Beim Landesmeisterpokal haben wir das später ja genauso gemacht. Das gleiche Spiel. Nach 1976 haben wir uns gesagt: „Dreimal reicht uns!“

Nun soll es trotz des Verkaufs von Bastian Schweinsteiger etwas werden …

Sepp Maier: Ja. Ich verstehe da die Aufregung sowieso nicht. Der Basti wollte es doch selber so haben! Er ist jetzt 31 geworden, seine Freundin (die Tennisspielerin Ana Ivanovic/Anm. d. Red.) lebt in London, das passt doch gut zusammen.

Sie selbst hat es ja eigentlich nicht ins Ausland gezogen ...

Sepp Maier: Das stimmt nicht. Ich wäre fast zum Franz (Beckenbauer/Anm.d.Red.) nach New York. Das war im Juni 1979. Wir waren mit Bayern in den USA, haben in der Vorbereitung Cosmos 3:1 geschlagen. Da kamen Franz und sein Manager Robert Schwan zu mir und sagten: „Komm’ rüber, ist doch schön hier, alles easy!“ Ich war 35, dachte mir: Nicht schlecht, noch für zwei Jahre New York. Da hätte es 50.000 pro Saison gegeben. Für diesen Betrag wollte ich mein Leben in München aber nicht aufgeben. Auch wenn mich die USA gereizt hätten. Kurioserweise hatte ich ein paar Tage später meinen Autounfall und musste meine Karriere beenden. Also wäre es mit New York wohl eh nichts geworden. Höchstens, wenn ich damals gleich drübengeblieben wäre (lacht).

Im Moment rumort es beim FC Bayern. Vor allem, weil die Zukunft von Pep Guardiola noch ungeklärt ist.

Sepp Maier: In meinen Augen ist er ein super Trainer. Man sollte das respektieren, wenn beide Seiten sagen, wir arbeiten erst mal zusammen und entscheiden dann zum entsprechenden Zeitpunkt. Ich habe den Eindruck, viele wollen ihn schon jetzt rausschreiben. Ich rate: Ruhe bewahren!

Die Basis wirft vor allem Guardiola die bayerische Entkernung vor.

Sepp Maier: Die Leute sollen mal die Kirche im Dorf lassen. Schauen Sie die Engländer an, bei Chelsea spielt doch auch kein Engländer mehr. Nur noch Bayern, das ist nicht mehr zeitgemäß. Wenn man sich auf der Welt behaupten will, braucht man Top-Leute, egal, woher sie kommen. Mit elf Bayern, sind wir mal ehrlich, steigst du wahrscheinlich ab. Als FC Bayern musst du fertige Superspieler kaufen. Und die Bayern haben das Geld.

Welchen FCB-Spieler sehen Sie am liebsten?

Sepp Maier: Thomas Müller und Robert Lewandowski. Dieser Müller läuft wie ein Uhrwerk, der ist nicht totzukriegen. Ich denke, wenn der Schiedsrichter abpfeift, würde der noch zwei Stunden auf dem Platz weiterlaufen. Das imponiert mir. Bei Lewandowski ist es die Ballannahme und Technik.

Warum hat es Mario Götze so schwer?

Sepp Maier: Er hatte in Dortmund eine super Zeit – aber Dortmund ist nicht der FC Bayern. Neben dem Feld, aber auch von der Spielweise her. Beim BVB hatte er mehr Platz. Er muss sich durchbeißen, er ist ein super Fußballer. Seine Zeit bei Bayern ist noch nicht vorbei. Auch hier ist mein Rat wie bei Guardiola: Vertrauen schenken, Ruhe bewahren.

Sie als Torwart: Können Sie Sven Ulreich verstehen, sich im Alter von nur 27 Jahren als Bayerns Nr. 2 zufrieden zu geben?

Sepp Maier: Es ist natürlich etwas anderes bei Bayern als beim VfB Stuttgart: Du hast lauter weltklasse Spieler um dich herum, dazu noch Manuel Neuer – da kann er sicher viel lernen. Aber er ist ein ausgezeichneter Torwart, ich an seiner Stelle hätte das nicht gemacht. Er hat ja praktisch keine Chance, zu spielen oder Manuel zu verdrängen. Diese Position ist zu schade für einen so jungen Mann.

Wer sind die härtesten Bayern-Konkurrenten?

Sepp Maier: Jedes Jahr die gleichen. Vor allem Wolfsburg. Dortmund wird es aber schwer haben. Jetzt kann ich es ja sagen: Als Dortmund vor zwei, drei Jahren so stark war, war ich wirklich ein BVB-Fan…

Sie trauen sich was, das jetzt zuzugeben…

Sepp Maier: Ja, aber die haben einfach einen super Fußball gespielt. Ich liebe den FC Bayern, für diesen Klub schlägt seit über 50 Jahren mein Herz – aber als die Dortmunder damals den Bayern so Paroli geboten haben, haben sie ganz eindeutig den besseren Fußball gespielt. Da lief der Ball, das war wirklich toll. Jetzt sind sie im Umbruch – man kann nur hoffen, dass sie es wieder zu dieser Klasse schaffen. Dann hat Bayern endlich wieder einen echten Konkurrenten.

Würden Sie es dann begrüßen, wenn Jürgen Klopp mal Bayern coacht?

Sepp Maier: Ja, das würde ich. Und ich finde, dass er gut hierher passen würde. Wer sagt, so einer passt nicht zum FC Bayern, dem entgegne ich: So ein Schmarrn! Ich würde mich freuen, wenn er mal zum FC Bayern kommen würde.

Reist der Hamburger SV morgen zum Liga-Start mit großer Angst an?

Sepp Maier: Lieber eine Klatsche zum Anfang als zum Schluss (grinst). Ich verstehe beim HSV nicht: Die Uhr tickt nund tickt, seit Jahren schon – und trotzdem wird es nicht besser. Das wird auch diese Saison nicht besser, da ändert sich ja nichts. Dabei wäre es schade, wenn der HSV absteigt. Das würde mir Leid tun – allein für meinen Freund Uwe Seeler, aber auch insgesamt. Der HSV gehört dazu.

Interview: Michael Knippenkötter

Rubriklistenbild: © sampics / Stefan Matzke

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