Brasilianischer Mentor

Wie sich Dante in Doha um Hingerl und Co. kümmerte

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Marco Hingerl trainiert inzwischen wieder bei den A-Junioren unter Coach Heiko Vogel.

München - Die drei Hingerl-Brüder sind in Haching gereift, nun trainierte Marco mit den Bayern-Profis. Mentor Dante gibt ihm Tipps.

Die Umstellung in dieser Woche war für Marco Hingerl in zweierlei Hinsicht krass. Wettertechnisch ging es von milden 23 Grad in Doha und Saudi-Arabien zurück in München auf Temperaturen um den Gefrierpunkt. Und sportlich war der Rückschritt ebenso groß. Statt mit Pep Guardiola und den Profis des FC Bayern trainiert der 18-Jährige seit Anfang der Woche wieder mit Heiko Vogel und der U19. Als besserer Spieler als vor dem Trainingslager-Trip nach Katar? „Das sollen lieber andere beurteilen“, sagt das Talent lachend.

Andere, das werden nun in erster Linie Vogel und Jugendkoordinator Michael Tarnat sein. Aber auch Guardiola und Matthias Sammer haben schon bemerkt, dass Hingerl die elf Trainingseinheiten mit den Profis gut getan haben. „Sie haben das gut gemacht“, sagt Sammer mit Blick auf Hingerl und Markus Eberwein, den zweiten U19-Spieler, der in Doha Profi-Luft schnuppern durfte. Es sei ganz normal, dass es etwas Zeit brauche, „bis sie auch mal richtig aus sich herausgehen“. Bei Hingerl aber wurden nicht nur die Ballannahmen und Pässe im Laufe der Woche sicherer. Auch die Körpersprache, mit der er beim Testspiel in Saudi-Arabien auflief, war eine andere als noch vier Tage zuvor beim Freundschaftsspiel in Katar.

„Ich hoffe, dass ich ein bisschen frecher geworden bin. Am Anfang ist es klar, dass man zurückhaltender ist. Aber dann konnten wir auch mal den ein oder anderen ärgern“, sagt der gebürtige Münchner. Das Tempo sei doch „etwas höher als in der A-Jugend gewesen“, jede Aktion erforderte höchste Konzentration, am Ende „taten richtig die Beine weh“, sagt der U19-Nationalspieler. Aber er wusste nicht zuletzt seit dem Appell von Sammer an die mitgereisten Talente, dass er voll durchziehen muss. Eine gewisse Vorbildfunktion für die Jungs hatte Mitchell Weiser („er hat uns gesagt, dass wir immer 100 Prozent geben sollen“). Wann immer es vor Ort aber Fragen oder Probleme gab, war auch Dante für die Jugendspieler da. Er fungierte als Mentor.

„Wir saßen jeden Abend ihm am Tisch, alle Jungen mit Dante. Er hat uns viel von seinem Weg erzählt“, sagt Hingerl. Der Brasilianer kam mit 20 nach Europa, musste für seinen Weg zum FC Bayern hart kämpfen, „das ist etwas anders als bei uns“. Hingerl etwa, der in der Hinrunde der A-Junioren-Bundesliga vier Tore schoss, wechselte vor vier Jahren zum Rekordmeister. Angefangen hat er – wie seine beiden Brüder Kevin (21) und Sascha (15) – bei der SpVgg Unterhaching. Sascha ist noch immer dort, Kevin spielt heute beim TSV Buchbach in der Regionalliga.

Zwei Brüder im Fußball, das kennt man von den Boatengs, den Schweinsteigers, den Kovacs. Drei aber sind selten. Die Götzes gibt es – und eben die Hingerls. „Wir hatten im Garten immer ein kleines Tor. In jeder freien Minute haben wir gekickt“, erzählt Marco Hingerl. Seine beiden Brüder sind Verteidiger, er fühlt sich im zentralen Mittelfeld wohl. „Ich bin jetzt nicht das Vorbild der anderen, nur weil ich beim FC Bayern bin“, sagt er: „Dafür sind wir zu unterschiedlich.“

Wenn sich die Hingerls abends treffen – Kevin wohnt zwar nicht mehr zuhause, aber in einer Wohnung gegenüber –, sind sie auch manchmal froh, keinen Ball mehr am Fuß zu haben. Da sitzt man dann mal lieber gemütlich da, redet über andere Themen, genießt die Zeit mit der Familie. Eine Frage aber haben Sascha und Kevin ihrem Bruder Marco nach der Rückkehr aus Doha sicherlich doch stellen müssen. Will er nun dauerhaft zu den Profis? Die Antwort: „Es war eine schöne Erfahrung. Aber mein Ziel ist es, mich mit der A-Jugend für die Deutsche Meisterschaft zu qualifizieren.“ Sehr bescheiden.

Hanna Schmalenbach

Quelle: fussball-vorort.de

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