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Der lebertransplantierte Bub darf Einlaufkind sein

Simons großer Tag mit dem FC Bayern

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Simon ist großer ­Bayernfan – vor allem Götze und ­Müller mag er Fotos.

München - Simon ist schon mächtig aufgeregt, sein großer Tag rückt immer näher. Am Samstag geht es mit seinen Eltern in die Arena, zum Spiel des FC Bayern gegen Hertha BSC. Es ist keine normale Partie, zumindest nicht für ihn.

Das wird auch an diesem Donnerstagabend deutlich, immerhin meldet sich gerade die Zeitung bei ihm! Natürlich würde er gern mit dem Reporter von der tz reden und ihm sagen, wie sehr er sich auf diesen Samstagabend freut. Aber er hat jetzt überhaupt keine Zeit. „Ich muss zum Fußball! Ich hab’ jetzt Training“, sagt Simon. Das geht natürlich vor.

Einen Tag später ist mehr Zeit, Zeit für ein Gespräch mit seiner Mutter. Johanna Hopper hat ihren Sohn vor ein paar Monaten gemeinsam mit ihrem Mann Robert für das Spiel des Rekordmeisters angemeldet. Simon wird am Samstag nicht einfach nur irgendwo im Mittelrang sitzen und herunterstarren auf die 22 Stars. Er wird als Einlaufkind in Richtung Anstoßpunkt marschieren, vielleicht sogar an der Hand von Thomas Müller oder Mario Götze, beide sind seine absoluten Vorbilder. Vielleicht geht er aber auch an der Seite des Schiedsrichters auf den Rasen, das wäre ihm sogar noch lieber. „Dann darf er den Ball aufs Spielfeld tragen, das würde ihm schon sehr gefallen“, sagt Mutter Johanna.

Es ist ein Moment, an dem sie lachen muss. Einer der wenigen in dem Gespräch, in dem es auch und vor allem um den Grund geht, warum Simon die Stars eskortieren darf. Und der sie gedanklich in eine Zeit zurückholt, die von Hoffen und Bangen geprägt ist.

„Simon ist ohne Galle zur Welt gekommen, was leider erst nach sechs Wochen festgestellt wurde. Bis dahin hatten sich seine Magensäfte in der Leber abgesetzt. Die war am Kaputtgehen“, sagt sie. Eine erste OP wird fällig, es stellt sich eine Besserung ein. Aber keine Lösung. Als Simon vier ist, gibt es wieder Anzeichen, dass seine Leber nicht mehr lange mitmacht.

Die Ärzte raten den Eltern, Simon auf die Transplantationsliste zu setzen. „Ich war skeptisch. Er war ja fit zu diesem Zeitpunkt!“, sagt Johanna Hopper. „Uns wurde dann aber ganz klar gesagt: Wenn wir das nicht machen, erreicht er das Schulalter nicht.“ Ein halbes Jahr später bekommen sie dann diesen Anruf, dass eine Spenderleber bereitsteht. Es folgt die OP in Regensburg, die Wochen der Hoffnung, dass der Körper das Organ auch annimmt. Nur langsam stellt sich Zuversicht ein, sie gesellt sich zu den Gedanken über die Umstände: Ein Kind ist gestorben, Simon kann nun leben. Simon kann zur Schule gehen. Simon kann Fußball spielen.

„Natürlich gibt es auch heute noch Einschränkungen“, sagt die Mutter. Der Neunjährige muss täglich zu festen Zeiten seine Medikamente nehmen. Wenn andere Jungs in seinem Alter spontan bei Freunden übernachten, muss die Mutter abwinken. „Soll ich den anderen Eltern diese Verantwortung aufbürden?“ Und so fragt auch Simon langsam, warum er dies nicht darf, warum das nicht geht. Warum er Medikamente nehmen muss.

Denn eigentlich geht es ihm ja gut, er spielt Fußball wie die Spezln auch, im Grunde spielt er schon wie Philipp Lahm. Nur beim FC Kirchberg. „Der Simon ist ein rechter Verteidiger, der mehr und mehr ins Zentrum zieht und im Mittelfeld spielt“, sagt Johanna Hopper, wieder kann sie ein wenig lächeln – obwohl auch und gerade auf dem Rasen die Sorgen wieder da sind, stärker als abseits des Sports. „Von ärztlicher Seite gibt es keine Bedenken. Von meiner schon. So möchte ich zum Beispiel nicht, dass er im Tor steht. Ich denke dann immer, die Gefahr ist doch groß, dass er mal einen Ball in den Bauch bekommt. Aber ich weiß schon, auf dem Feld kann das auch passieren…“

Manche Gedanken lassen sich nicht abstellen. Umso schöner, dass es am Samstag ohne Sorgen auf den grünen Rasen geht, für einen wunderbaren, unvergesslichen Moment. Sie alle werden ihn genießen, selbst der Papa, der eigentlich dem 1860 die Daumen drückt. Aber das ist am Samstag wirklich nicht wichtig. Es ist Simons großer Tag.

Michael Knippenkötter

FCB-Eskorte: Das steckt dahinter

Simon Hopper (auf dem Foto rechts) ist eines von 13 Kindern, die am Samstag mit ­Philipp Lahm & Co. auf den Platz laufen dürfen. Es ist eine Aktion des FC Bayern mit der Kinderhilfe Organtransplantation e.V. (KiO), die organkranke Kinder und deren Familien unterstützt, sei es auf finanzielle Weise oder in beratender ­Funktion. KiO bietet darüber hinaus Erlebnis- und ­Erholungsprogramme an, die auf der einen Seite das Selbstvertrauen der Mädchen und Jungen stärken und auch ihrem Umfeld

Auszeiten geben soll. Auch Simons Familie hat der Verein begleitet. Zum Aktionstag am Samstag durften sich Kinder aus ganz Deutschland für die Einlauf-Eskorte ­bewerben, der FC Bayern will ­gemeinsam mit KiO auf die Arbeit des Vereins aufmerksam machen und für die Bereitschaft zur Organspende werben. Mehr Infos unter www.kiohilfe.de

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