"Mach’s gut da oben!"

Stephan Beckenbauer war mein Trainer: tz-Reporter nimmt Abschied

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Stephan Beckenbauer.

München - Stephan Beckenbauer war mein Trainer! tz-Reporter José Carlos spielte unter ihm in der Bayern-Jugend. Hier nimmt er Abschied.

Die Nachricht trifft mich aus heiterem Himmel. Ich sitze im ICE, Dienstreise zum Supercup nach Wolfsburg. Bevor es losgeht, checke ich noch kurz Twitter. Während ich die Nachrichten überfliege, entdecke ich ein Gesicht, das mir bekannt vorkommt. Ich sehe genauer hin und stelle fest, dass es das Antlitz meines ehemaligen Trainers Stephan Beckenbauer ist. Es ist schwarz-weiß, darunter steht: „Franz Beckenbauers Sohn Stephan ist nach schwerer Krankheit im Alter von 46 Jahren gestorben.“ Ich bin schockiert.

Und auf einmal sehe ich alles wieder vor mir. Unsere erste Begegnung. Das Jahr 2005, B-Jugend FC Bayern, Beginn der Vorbereitung. Stephan Beckenbauer kommt in die Kabine und begrüßt jeden von uns Spielern mit einem festen Handschlag. Ich sehe sofort: Er ist ein nahbarer Mensch, stets freundlich, der klassische Kumpeltyp. Nur werden wir nie die dicksten Kumpel.

Stephan Beckenbauer zu mir: "Du hast das Zeug zum Profi, aber nicht auf diesem Platz"

War ich ein Jahr zuvor noch Stammspieler, finde ich mich unter meinem neuen Trainer nun auf der Bank wieder. So ist es am ersten Spieltag und auch am letzten, meinem letzten bei Bayern, bevor es für mich zurück zur SpVgg Unterhaching geht. Ich gebe mein Bestes im Training, doch Stephan Beckenbauer sieht in mir nicht das, was er damals schon in Bastian Schweinsteiger, Thomas Müller oder Holger Badstuber sieht. Und er macht mir das deutlich. „Du hast das Zeug zum Profi, aber nicht auf diesem Platz“, sagt er und deutet dabei auf den Einserplatz an der Säbener Straße, dort, wo die Profis trainieren.

Harte Worte für einen 17 Jahre alten Burschen, doch ich bin nicht der Erste und auch nicht der Letzte, dem er das sagt. Sagen muss. Genauso wie er anderen Jugendlichen erklärt, warum er sie schon auf diesem Platz sieht. Denn so ist das Geschäft.

Dafür bin ich Stephan Beckenbauer dankbar 

Ob ich deswegen einen Groll gegen ihn hege? Anfangs natürlich, immerhin hat diese Person einen langjährigen Traum zum Platzen gebracht. Später jedoch empfinde ich Dankbarkeit. Dankbarkeit dafür, dass ich dank Stephan Beckenbauer gelernt habe, wie man mit Rückschlägen im Leben umzugehen hat und dass derartige Situationen auch Motivation sein können. Motivation, mir den Traum vom Fußball anders zu erfüllen. Als Journalist.

Stephan Beckenbauer zu mir: "Alles gut, Herr Journalist?"

Und als ich im Zug sitze und meine Eltern über die traurige Nachricht informiere, kommt mir zugleich unsere letzte Begegnung in den Sinn. Es ist keine zwei Jahre her, da läuft mir Stephan Beckenbauer nach einer Pressekonferenz an der Säbener Straße über den Weg, grinst mich an und meint: „Alles gut, Herr Journalist? Ich sehe dich ja öfter in der Zeitung als meinen Vater.“ Wir lachen. Und alles ist gut.

In dieser schweren Stunde wünsche ich Deiner Familie viel Kraft, möge der Herrgott ihnen beistehen und Dich dort oben selig haben, Trainer!

lop

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