So will Bayern die Liga regieren

Neue Strategie: Einziger FCB-Makel soll behoben werden

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Auch Cheftrainer Pep Guardiola hat den Bayern-Nachwuchs im Blick.

München - Beim FC Bayern hat in den vergangenen Jahren ein Umdenken stattgefunden. Dieser Strategiewechsel soll den Rekordmeister noch weiter von der Konkurrenz entfernen.

Der FC Bayern ist und bleibt der unangefochtene Finanz-Krösus im deutschen Fußball. Die Jahreshauptversammlung im November 2014 unterstrich das deutlich. Der Umsatz liegt bei einem Rekordwert von 528,7 Millionen Euro und die Allianz Arena ist auch schon abbezahlt.

Doch in einem Punkt waren die Bayern bisher nicht absolute Spitze, sondern eher im Verfolgerfeld: Bei der Nachwuchsförderung. Klar, mit Thomas Müller, Holger Badstuber, David Alaba, Bastian Schweinsteiger und Philipp Lahm haben einige Spieler den Sprung von der Bayern-Jugend nach oben zu den Profis geschafft. Aber eine Topquote im Vergleich zu anderen Bundesligisten ist das definitiv nicht.

Noch deutlicher macht das der Blick auf die Jugend-Nationalmannschaften des DFB. Die U19 holte 2014 den Europameister-Titel - und das ohne einen einzigen Bayern-Spieler. Und auch in der U17 und U15 kicken aktuell insgesamt nur vier Münchner. Das ist deutlich zu wenig für die Ansprüche eines FC Bayern München.

Drei Männer für den Bayern-Nachwuchs

Deswegen erfolgte beim FC Bayern ein radikales Umdenken, das jetzt langsam deutlich wird und für das sich drei Personen verantwortlich zeigen, die noch gar nicht so lange bei den Roten arbeiten: Sportdirektor Matthias Sammer, Nachwuchs-Chefscout Jürgen Jung und Michael Reschke als technischer Direktor. Ihre vorrangige Aufgabe: Die Bayern-Jugend nicht nur zu stärken, sondern ebenfalls zur Nummer eins in Deutschland zu machen. Schaut man auf die Vita der drei, so zeigt sich schnell, welche Richtung eingeschlagen wurde: Sammer war DFB-Sportdirektor und hatte so alle Jugendnationalmannschaften im Visier. Jung kam vom Lokalrivalen TSV 1860 München, der für seine hervorragende Jugendarbeit bekannt ist. Und Reschke war in Leverkusen der Mann, der über 35 Jahre lang die Geschicke des Werksclubs mit steuerte. Und ab Januar 2015 kommt da noch ein vierter Mann namens Uli Hoeneß hinzu, der in der Jugendabteilung arbeiten soll...

Sinan Kurt wurde im Sommer 2014 mit nur 17 Jahren aus Mönchengladbach nach München geholt.

Der Grund für die Kursänderung ist schnell erklärt: Bislang verpflichteten die Bayern verstärkt talentierte Nachwuchsspieler von anderen Vereinen, die zumindest schon in den zweiten Mannschaften auf sich aufmerksam gemacht haben und oft schon Profi-Luft geschnuppert haben. Allerdings kosten selbst die schon Ablösesummen in Millionenhöhe. Diese Kosten könnte sich der FCB mit einer starken Jugendabteilung sparen und sich so eigene Superstars "züchten". Michael Tarnat, Nachwuchskoordinator und sportlicher Leiter des FCB-Junior-Teams bestätigte vor kurzem der tz: "Infrastrukturell haben uns andere Vereine überholt." Er spricht von den Vorteilen eines Nachwuchsleistungszentrums, das es andernorts längst gibt. "Wir haben gesehen, dass Hoffenheim, Dortmund oder Stuttgart diese gebaut haben, Salzburg oder Leipzig auch. Und damit merkt man: Diese Vereine haben andere Voraussetzungen als wir." Ein FCB-Nachwuchsleistungszentrum soll bekanntlich bis 2017 an der Ingolstädter Straße entstehen.

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Auch sollen die vielversprechendsten Talente des Landes frühzeitig nach München geholt werden. "Unser Team von über 20 Scouts ist in Deutschland die ganze Woche unterwegs", erklärte Jung im Sommer in einem Focus-Interview. "Wir sichten zirkelmäßig um München herum. Bei einem Zehnjährigen ist eine Anfahrt von 30 Kilometern für uns okay. Für einen 13- oder 14-Jährigen können es schon bis zu 90 Kilometer sein. Nach 15-Jährigen suchen wir dann sogar deutschlandweit." Mittlerweile offensichtlich bereits europaweit, wenn man sich die Personalie Martin Ödegaard ansieht. Der 16-jährige Norweger gilt als Megatalent und hat schon ein Probetraining bei den Bayern absolviert (wir berichteten exklusiv).

Der eigene Nachwuchs soll den Rekordmeister noch weiter von der Konkurrenz in Deutschland distanzieren - und möglicherweise auch die Europäische. Gleichzeitig könnte und soll so noch mehr Geld für große Transfers bereitgestellt werden. Die Konkurrenz kann einem fast schon Leid tun.

Übrigens: Im Blickfeld für die kommende U15-Nationalmannschaft stehen schon jetzt sieben Bayern-Kicker. Und das ist kein Zufall...

fw

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