Von Coman bis Vidal

FCB-Streichliste: Diese Spieler könnten im Sommer gehen

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Wird sich im Sommer wohl stark verändern: Die Startelf des FC Bayern München.

München - In jeder Transferperiode gibt es beim FC Bayern einige Neuverpflichtungen sowie Abgänge zu vermelden. Wir haben uns angeschaut, wer den Rekordmeister verlassen könnte.

Der FC Bayern befindet sich auf der Zielgeraden der Saison. Nur noch vier Partien in der Bundesliga sowie das Halbfinale im DFB-Pokal gegen Borussia Dortmund und im Erfolgsfall das Finale in Berlin stehen an. Danach beginnen die Sommerpause und vor allen Dingen: die Transferphase. Dort wird sich im Kader des deutschen Rekordmeisters vermutlich einiges tun. Zwei Neuverpflichtungen haben die Verantwortlichen an der Säbener Straße schon getätigt: Abwehrtalent Niklas Süle (21) und der in Mittelfeld und Verteidigung flexibel einsetzbare Sebastian Rudy (28) kommen von der TSG 1899 Hoffenheim. Doch durch das Karriereende von Kapitän Philipp Lahm und Mittelfeldstratege Xabi Alonso sind auch zwei gewichtige Abgänge bereits fix. 

Wir haben uns nun mit weiteren möglichen Kandidaten, deren Zeit bei den Bayern ablaufen könnte, beschäftigt. 

Sven Ulreich: Vertrag bis 2018; Marktwert (*): 2 Millionen Euro.

Acht Einsätze in knapp zwei Jahren – so lautet bislang die Bilanz von Sven Ulreich im Trikot des FC Bayern. Fünf Mal durfte er in der Bundesliga ran, zwei Mal in der Champions League sowie einmal im DFB-Pokal. Zahlen, die für den 28-Jährigen einerseits vermutlich ernüchternd sind, andererseits so wohl auch zu erwarten waren. Steht ihm doch mit Manuel Neuer immerhin der weltbeste Torhüter als Nummer eins bevor. Doch mit der Rolle als Backup des Nationalkeepers will sich Ulreich offenbar in Zukunft nicht mehr zufrieden geben. Gegenüber der Sport Bild sagte der frühere Stuttgarter: „Ich bin ein ehrgeiziger Spieler. Natürlich ist es nicht mein Ziel, den Rest meiner Karriere als Nummer zwei auf der Bank zu sitzen.“ Wenn sich die Gelegenheit ergebe bei einem anderen Verein zu spielen, fuhr er fort, werde er sich ernsthaft damit beschäftigen. An dieser Einstellung wird vermutlich auch die Tatsache, dass Ulreich im Saisonendspurt aufgrund einer Verletzung von Neuer das Tor der Bayern hüten wird, nicht viel ändern.

Fazit: Die Situation als Nummer zwei hinter Manuel Neuer ist für Ulreich auf Dauer nicht zufriedenstellend. Sollte sich ein geeigneter Abnehmer finden, der bereit ist, eine martkwertgerechte Ablöse an die Bayern zu zahlen, dürfte sich Sven Ulreich im Sommer von der Säbener Straße verabschieden. Fraglich ist nur, ob der FCB in diesem Fall auf Nachwuchstalent Christian Früchtl als neue Nummer zwei zurückgreifen würde, oder ein Ersatzmann von außerhalb den Vorzug erhält.

Transferwahrscheinlichkeit: 90 Prozent.

Juan Bernat: Vertrag bis 2019; Marktwert: 16 Millionen Euro.

10 Millionen Euro überwies der FC Bayern im Sommer 2014 an den FC Valencia, um sich die Dienste von Juan Bernat zu sichern. Gut angelegtes Geld, wie sich herausstellen sollte. Der auf dem linken Flügel offensiv wie defensiv einsetzbare Spanier avancierte unter dem damaligen Trainer Pep Guardiola zum Stammspieler und überzeugte durch Laufbereitschaft, Spielverständnis und technische Fertigkeiten. Doch seinen Platz in der ersten Elf hat der 24-Jährige unter Coach Carlo Ancelotti verloren. Zwar kommt er in dieser Saison wettbewerbsübergreifend immer noch auf 21 Einsätze (drei Tore, drei Vorlagen), doch vor allem in den wichtigen Spielen sitzt Bernat zumeist auf der Bank.

Fazit: An David Alaba ist für Bernat momentan schlichtweg kein Vorbeikommen und auch offensiv haben andere die Nase vorn. Gerüchte um eine Verpflichtung des Linksverteidigers Faouzi Ghoulam vom SSC Neapel verstärken den Eindruck, dass sich die Verantwortlichen nach einer Alternative für den quirligen Spanier umschauen. Eine mögliche Anlaufstelle für ihn wäre Manchester City, wo sein Förderer und Landsmann Pep Guardiola das Sagen hat. Mit einem Verkauf dürften die Bayern indes in jedem Fall ein Transferplus erwirtschaften.

Transferwahrscheinlichkeit: 60 Prozent.

Arturo Vidal: Vertrag bis 2019; Martkwert: 37 Millionen Euro.

Eine tragende Säule im Mittelfeld der Bayern ist Arturo Vidal. Der Chilene macht seinem Spitznamen „der Krieger“ auf dem Platz alle Ehre. Mit unbändigem Einsatz geht er voran und treibt seine Mitspieler immer wieder nach vorne. Eine Qualität, die nur wenige andere Spieler im Kader der Roten mitbringen. Zudem besticht der zentrale Mittelfeldspieler durch eine gehörige Portion Torgefahr: In bisher 86 Pflichtspielen für den Rekordmeister weist er 31 Torbeteiligungen (15 Tore, 16 Vorlagen) auf. Diese Zahlen kennt gewiss auch Antonio Conte. Der italienische Trainer im Dienste des FC Chelsea arbeitete einst mit Vidal bei Juventus Turin sehr erfolgreich zusammen. Seit dem vergangenen Winter gibt es wiederkehrende Gerüchte, dass Conte seinen früheren Musterschüler an die Stamford Bridge nach London lotsen will. Als Angebot stehen 47 Millionen Euro Ablöse im Raum.

Fazit: Vidal genießt bei den Verantwortlichen in München einen hohen Stellenwert. Sowohl Trainer Ancelotti als auch Rummennige und Co. betonen stets die kämpferischen Qualitäten des Südamerikaners. Auch Vidal vermittelt einen zufriedenen Eindruck mit seiner Rolle in München. Ein Wechsel erscheint daher als unwahrscheinlich.

Transferwahrscheinlichkeit: 10 Prozent.

Joshua Kimmich: Vertrag bis 2020; Martkwert: 25 Millionen Euro.

Für „nur“ 8,5 Millionen Euro als hoffnungsvolles Talent aus der zweiten Liga von RB Leipzig (dahin war er vom VfB Stuttgart ausgeliehen) geholt, startete Joshua Kimmich vergangene Saison im mit Stars gespickten Kader des FC Bayern auf Anhieb durch: Unter Trainer Pep Guardiola absolvierte er 36 Pflichtspiele, viele davon als Innenverteidiger. Auch bei der anschließenden Europameisterschaft zählte Kimmich zum Stammpersonal der DFB-Elf. Der Karriereweg des 22-Jährigen kannte bis dahin nur eine Richtung: steil nach oben! Doch seit dieser Saison gerät die Laufbahn von Kimmich ein wenig ins Stocken. Nach einem vielversprechendem Start in die neue Runde (wettbewerbsübergreifend sieben Tore bis Mitte Oktober) setzt Carlo Ancelotti immer weniger auf die Dienste des jungen Deutschen. Nur noch selten steht Kimmich in der Startelf, kommt über gelegentliche Joker-Einsätze kaum hinaus. Ein Umstand, der dem Nationalspieler nicht passt. „Ich bin darüber nicht glücklich, das ist nicht zufriedenstellend und auch nicht mein Anspruch“, sagte er im März gegenüber der Sport Bild.

Fazit: Die derzeitige Situation ist für den ehrgeizigen und hochveranlagten Kimmich natürlich nicht zufriedenstellend. Doch die Einsatzzeiten des Defensivspielers könnten sich zur neuen Saison wieder deutlich bessern. Durch die Abgänge von Lahm und Alonso werden zwei Positionen frei, auf denen sich Kimmich sehr wohl fühlt. Für einen Verbleib spricht auch eine Aussage von Karl-Heinz Rummenigge aus dem März: „Wir haben großes vor mit Kimmich in der Zukunft. Er wird, das ist ziemlich klar, bei uns Nachfolger von Philipp Lahm.“

Transferwahrscheinlichkeit: 5 Prozent.

Douglas Costa: Vertrag bis 2020; Marktwert: 30 Millionen Euro.

Er kam, sah und zauberte – Douglas Costa beeindruckte die deutschen Fußballfans mit zahlreichen Kabinettstückchen und imposanten Trickeinlagen, als er im vergangenen Sommer von Shakhtar Donetsk nach München wechselte. Schnell spielte er sich durch seine starken Auftritte in die Herzen der Bayern-Fans. Doch in deren Gunst fiel der 26-jährige Brasilianer in dieser Saison kontinuierlich zurück. Zum einen weil er seine Leistungen aus der Debütsaison nicht bestätigen konnte, zum anderen weil er zuletzt durch vermehrte kritische Äußerungen in Interviews immer wieder Unruhe in die Mannschaft und den Verein brachte. Spätestens seit Douglas Costa bei seinen Joker-Einsätzen in der Champions League gegen Real Madrid sowohl im Hin- als auch im Rückspiel einen ziemlich lustlosen Eindruck hinterließ, sind viele FCB-Anhänger nicht mehr gut auf den Tempodribbler zu sprechen. Auch Vereinspräsident Uli Hoeneß rüffelte Costa öffentlich für dessen Forderungen nach einem höheren Gehalt: „Das funktioniert bei uns nicht. Das kann er noch zehnmal versuchen. Er ist sicher kein Sozialfall.“ Auch Lothar Matthäus kritisierte Costa in einem Interview.

Fazit: Die Zeichen stehen derzeit wohl auf Abschied. Douglas Costa ist offenbar unzufrieden mit seiner Rolle als Backup für Ribery und Robben. Die Bayern wollen sich bei den Gehaltsforderungen des Brasilianers nicht unter Druck setzen lassen. Als möglicher Abnehmer geisterten jüngst die Tottenham Hotspur durch die Gerüchteküche. Dem Vernehmen nach seien die Engländer bereit, 36 Millionen Euro auf das Konto der Münchner zu überweisen.

Transferwahrscheinlichkeit: 70 Prozent.

Renato Sanches: Vertrag bis 2021; Marktwert: 30 Millionen Euro.

Als frischgebackener Europameister und bester junger Spieler des Turniers kam Renato Sanches im vergangenen Sommer von Benfica Lissabon nach München. Die Erwartungen an das Kraftpaket waren groß. Als kommenden Superstar priesen ihn die Verantwortlichen an. Doch der zweifelsfrei hochveranlagte 19-Jährige hat in seiner ersten Saison in einer europäischen Top-Liga mit großen Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen. In seinen bislang 23 Einsätzen, bei denen er nur einmal über die vollen 90 Minuten auf dem Platz stand, wirkte Sanches oftmals nervös und überfordert. Es hat teilweise den Anschein, als würde der Jungspund stets die falsche Entscheidung treffen. Seine Auftritte sind häufig gekennzeichnet von unglücklichen Momenten. Noch wartet das Talent auf seine erste Torbeteiligung im Trikot des FC Bayern. Manchester-United-Coach Jose Mourinho hatte jüngst sein Interesse an dem Nationalspieler bekundet.

Fazit: Renato Sanches hat trotz seiner bislang durchwachsenen Auftritte als Bayern-Spieler schon auf internationaler Bühne seine Klasse bewiesen. Er war als Stammspieler maßgeblich am Titel der Portugiesen bei EURO 2016 beteiligt. Der FC Bayern wäre gut beraten, einem so großen Talent eine gewisse Eingewöhnungphase zu genehmigen und ihn nicht nach nur einer misslungenen Saison wieder weiter zu schicken. Der deutsche Rekordmeister könnte in Zukunft noch viel Freude an Renato Sanches haben.

Transferwahrscheinlichkeit: 5 Prozent.

Kingsley Coman: Ausgeliehen bis Saisonende; Marktwert: 20 Millionen Euro.

Update: 27. April 2017: Inzwischen ist die Personalie geklärt: Der FC Bayern hat die Kaufoption für Kingsley Coman gezogen.

Sechs Tore und zwölf Vorlagen in 37 Spielen – mit dieser beeindruckenden Bilanz beendete Kingsley Coman seine Debütsaison beim FC Bayern. Mit enormen Tempodribblings narrte er reihenweise die gegnerischen Abwehrspieler. Der Leih-Spieler von Juventus Turin hatte alle Erwartungen übertroffen. Ein potenzieller Nachfolger für Franck Ribery auf der linken Außenbahn schien gefunden. Doch in der diesjährigen Saison kommt der junge Franzose nicht so recht in Fahrt. Dies spiegelt sich auch in den Statistiken wieder: Nach 23 Einsätzen kommt Coman auf zwei Tore. Eine Vorlage konnte er noch nicht verbuchen. Die Frage, die sich nun den Bayern-Verantwortlichen stellt, lautet: Die Kauf-Option für 21 Millionen ziehen oder den Jungspund zurück nach Turin schicken?

Fazit: Auch wenn Coman heuer nicht mehr so überzeugt, wie noch vergangene Saison: Der Franzose ist ein Juwel! Mit seinem Tempo und seiner Technik kann er jede Verteidigungsreihe in Verlegenheit bringen. Bei einem 20-Jährigen sollten gewisse Leistungsschwankungen akzeptiert werden. Mit mehr Selbstvertrauen wird Coman für den FCB wieder eine echte Verstärkung sein.

Transferwahrscheinlichkeit: 20 Prozent. Bayern wird die Kauf-Option ziehen.

Holger Badstuber: Vertrag bis 2018; Marktwert: 3 Millionen Euro.

Aus der eigenen Jugend des FC Bayern kämpfte sich Holger Badstuber bis zum Stammspieler bei den Profis und in der deutschen Nationalmannschaft. Was danach passierte, gleicht einem Sport-Drama: Badstuber erlitt eine schwere Verletzung nach der anderen. Mal war es das Kreuzband, mal die Sehne oder der Oberschenkelmuskel. Irgendetwas riss immer. 219 Spiele verpasste der 28-Jährige seither auf Klubebene. Seine Ausfallzeit beträgt unglaubliche 1098 Tage. Mittlerweile ist der Verteidiger aber wieder fit und spielt seit der Rückrunde per Leihe beim FC Schalke 04. Beim Ruhrpott-Klub sollte er durch regelmäßige Spielpraxis zu alter Stärke zurückfinden. Doch das klappt bislang nur bedingt: Acht Mal kam Badstuber in der Bundesliga zum Einsatz sowie einmal in DFB-Pokal und Europa League. Die lange Verletzungspause merkt man dem 1,90 Meter großen Modellathleten – verständlicher Weise – noch deutlich an.

Fazit: Badstuber hat auf Schalke die Möglichkeit bekommen, sich nach seinen unzähligen Verletzungen wieder auf Bundesliga-Niveau zu beweisen. Diese Chance hat er genutzt. Dennoch ist Badstuber von seiner Klasse früherer Tage noch ein gehöriges Stück entfernt. Und diese wäre wohl nötig, um im Star-Kader des FC Bayern eine realistische Chance auf Einsätze zu haben. Daher ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Eigengewächs die Säbener Straße im Sommer endgültig verlassen wird. Eventuell bleibt er ja langfristig auf Schalke.

Transferwahrscheinlichkeit: 85 Prozent.

Medhi Benatia: Vertrag bis 2019; Martkwert: 15 Millionen Euro.

Gibt's den auch noch? Diese Frage wird sich vermutlich der eine oder andere Bayern-Anhänger stellen, wenn es um die Zukunft von Medhi Benatia geht. Doch der Kapitän der marokkanischen Nationalmannschaft ist nicht in der Versenkung verschwunden, sondern derzeit lediglich an Juventus Turin verliehen. Beim italienischen Rekordmeister kommt er ebenso wie einst in München nicht über die Rolle des Ergänzungsspielers hinaus. Lediglich 16 Einsätze in allen Wettbewerben stehen bislang für ihn zu Buche.

Fazit: Benatia wird zwar im Sommer nach München zurückkehren, jedoch gilt ein endgültiger Verkauf des 30-jährigen Innenverteidigers als beschlossene Sache. Eine Zukunft im Kader des FC Bayern ist nahezu ausgeschlossen.

Transferwahrscheinlichkeit: 99 Prozent.

(*) Alle Marktwerte laut transfermarkt.de

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