München hin- und hergerissen?

Super League ohne Bayern und BVB? Topklubs bleibt eine Hintertür - aber sie müssten schnell reagieren

Mit der Super League wird einmal mehr das Nervenkostüm der Fußballfans strapaziert. Stand jetzt ist der FC Bayern nicht mit dabei. Doch in der Zukunft könnte sich das durchaus ändern.

München - Der FC Bayern und auch weitere Bundesligisten haben den Super-League-Plänen eine Abfuhr erteilt – zumindest vorerst. Der Münchner Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge erklärte: „Der FC Bayern hat sich an den Planungen einer Super League nicht beteiligt. Wir sind davon überzeugt, dass die aktuelle Statik im Fußball eine seriöse Basis garantiert.“ Genau wie Borussia Dortmund, RB Leipzig und Borussia Mönchengladbach begrüßt der Rekordmeister demnach die am Montag beschlossenen Reformen der Champions League. „Wir glauben, dass sie für die Entwicklung des europäischen Fußballs der richtige Schritt sind“, sagte Rummenigge. „Die modifizierte Vorrunde wird zu mehr Spannung und Emotionalität im Wettbewerb beitragen.“

Der 65-Jährige warf den zwölf Topklubs indirekt vor, die Super League aus rein finanziellen Interessen gegründet zu haben. Rummenigge glaubt allerdings nicht, dass der neue Wettbewerb „die finanziellen Probleme der europäischen Klubs lösen wird, die durch Corona entstanden sind“. Stattdessen forderte der Münchner Vorstandschef die europäischen Klubs auf, „solidarisch daran zu arbeiten“, Spielergehälter und Beraterhonorare zu senken, „um den europäischen Fußball rationaler zu gestalten“.

FC Bayern und die Super League: Hundertprozentig ausgeschlossen? Nicht wirklich

Die Stoßrichtung von Rummenigges Aussagen ist glasklar, eine hundertprozentige Absage an die Super League sind sie indes nicht. Mit den Ausführungen hat er sich - bewusst oder unbewusst - ein Hintertürchen gelassen. Das ist vor allem deshalb interessant, weil der Spiegel am Montagabend aus dem Rahmenvertrag der neuen Super League zitiert. Darin heißt es, dass dem FC Bayern, Borussia Dortmund und Paris Saint-Germain „so schnell es geht“ die Mitgliedschaft in der Super League* angeboten werden soll.
Hintergrund: 15 Klubs werden dauerhaft zum Starterfeld des Wettbewerbs gehören, bislang stehen aber erst zwölf Vereine fest. Die drei vakanten Stellen sollen von den beiden Bundesliga-Größen und Frankreichs Krösus eingenommen werden. Laut Vertragswerk bleiben FCB und BVB nach Anfrage durch den Super-League-Vorstand 30 Tage Zeit, um sich zu entscheiden. Eine Antwort von PSG muss sogar innerhalb von 14 Tagen erfolgen.

FC Bayern: Rummenigge rückt in UEFA-Komitee - Klares Signal gegen Super-League-Teilnahme?

Aus bayerischer Sicht ist im Zusammenhang mit der schon lange geplanten Super League auch folgende Nachricht sehr interessant: Wie die Klubvereinigung ECA am Montagabend verkündete, soll Karl-Heinz Rummenigge für sie ins UEFA-Exekutivkomitee rücken und dort den Posten von Andrea Agnelli einnehmen. Der Boss von Juventus Turin hatte bis zuletzt nicht nur als Mitglied des UEFA-Gremiums, sondern auch als Vorsitzender der europäischen Klubvereinigung ECA die Reformpläne für die Champions League vorangetrieben. Sein Klub gehört nun aber zu den zwölf Gründungsmitgliedern der Super League. Nun folgt Rummenigge auf Agnelli - und das ist eine klare Ansage des FC Bayern gegen den neuen Wettbewerb. Als Mitglied des UEFA-Exekutivkomitees ist Rummenigge schließlich erklärter Gegner der Super League. Bald übergibt „KHR“ beim FCB das Zepter an Oliver Kahn. *tz.de und wa.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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