Im Vergleich zur Zeit unter Pep Guardiola

Taktik-Experte erklärt: So hat sich Bayern unter Ancelotti entwickelt

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Carlo Ancelotti und Pep Guardiola

Früher war alles besser - ein Spruch, der jeder kennt. War der FC Bayern unter Pep Guardiola besser? Was macht Ancelotti anders? Ein Taktik-Experte erklärt die größten Änderungen.

Was Paul Breitner und Oliver Kahn gemeinsam haben, außer einer roten Vergangenheit? Die Meinung über die Arbeit von Carlo Ancelotti beim FC Bayern. Beide sind sich einig: Die Münchner haben sich unter Carletto nicht weiterentwickelt, sondern im Vergleich zur Zeit unter Pep Guardiola einen Rückschritt gemacht. Taktik-Experte Constantin Eckner von spielverlagerung.de sieht das genauso – mit der tz hat er die Entwicklung des deutschen Rekordmeisters seit Ancelottis Amtsantritt analysiert.

Pep und Carlo im Vergleich

Constantin Eckner: Taktik-Experte bei spielverlagerung.der

Guardiola zurück nach München? Bayern-Legende Paul Breitner fände das wunderbar. Kein Wunder, unter dem Spanier spielte der deutsche Rekordmeister wie von einem anderen Stern – auch wenn den Münchnern in den drei Pep-Jahren der CL-Titel verwehrt blieb. Unter Ancelotti fehlt die Dominanz, die Gegner fürchten sich nicht mehr vorm roten Star-Ensemble. Eckner kennt den Grund: „Guardiola hat viel auf das Positionsspiel gesetzt und seinen Spielern viele Vorgaben gemacht. Alles sehr ausgeklügelt. Es wurden zu jedem Zeitpunkt verschiedene wichtige Räume besetzt. Bei Ancelotti ist diese taktische Stringenz nicht vorhanden. Die Art, wie er Fußball spielen lässt ist viel einfacher: über die Flügel, weniger Überraschungsmomente. Er setzt viel mehr auf individuelle Qualität. Es scheint, als soll der Ball einfach schnellstmöglich zu Topstars wie Lewandowski oder Ribéry gespielt werden.“ Heißt: Während sich Guardiola für jeden Gegner eine passende Spielidee zurechtlegte, praktiziert Ancelotti die Italo-Variante des Franz-­Beckenbauer-Gedächtnisstils: „Geht’s raus und spielt’s Fußball“. Der Italiener setzt bei seiner Art, Fußball spielen zu lassen, vor allem auf die individuelle Klasse seiner Spieler. „Doch viele Stars sind momentan nicht in Topform. Das sieht man daran, wie Ancelotti aktuell an seinen Aufstellungen rumdoktert, das hat nicht nur etwas mit Rotation zu tun. Vidal spielt bisher noch keine wichtige Rolle, Müller ist nicht in Form und Robben und Ribéry befinden sich auch nicht in ihrer Hochphase. Gerade Spieler wie Robben sind für Ancelottis Spiel von enormer Bedeutung“, erklärt der Taktik-Experte.

Ancelotti 2016/2017

In seiner ersten Bayern-Saison sprang zwar ebenfalls „nur“ der Meistertitel raus, im Vergleich zum aktuellen Auftreten wirkten die Bayern aber zu Ancelottis-Anfangszeit weitaus stabiler. Taktik-Experte Eckner denkt, dass auch das etwas mit Vorgänger Pep zu tun hat: „Er hat vergangene Saison noch von der Arbeit Gurdiolas profitiert. Diese taktische Versiertheit geht ja nicht über Nacht verloren. Das wirkt schon noch eine Zeitlang nach!“ Unter Pep überlegten die Bayern schon während des Spielaufbaus aus der Abwehr heraus, wie man etwa in die Halbräume kommt, die Außenbahnen besetzt, wer einrücken muss oder wer im freien Raum steht. „Ancelotti hat sich dann darangemacht, die Mannschaft zu übernehmen und nach seinen Vorstellungen zu verändern – aber der Guardiola-Fußball war bei den Spielern natürlich immer noch im Blut“, erklärt Eckner. Jetzt ist wohl bei allen der Pep-Fußball raus.

Ancelotti 2017/2018

In München ist man mit dem aktuellen Stotterfußball unzufrieden. Aber woran liegt es, dass es heuer so schleppend anläuft – obwohl Carletto Wunschspieler wie James Rodriguez oder Corentin Tolisso bekam? Eine Erklärung: Mit Philipp Lahm und Xabi Alonso sind dem Trainer zwei Strategen weggebrochen. Taktik-Experte Eckner ist diese Begründung allerdings zu einfach: „Natürlich schmerzen die Abgänge von Lahm und Alonso. Aber die aktuellen taktischen Probleme wären auch von diesem Duo nicht zu lösen gewesen, das hat viel fundamentalere Gründe.“ Der Italiener lässt diese Saison wieder zumeist im 4-3-3 spielen, die Abstimmungen zwischen Mittelfeld- und Angriffsreihe klappt aber nicht. „Daher klafft oftmals ein Loch zwischen Thiago, Tolisso und den Angreifern. Daran erkennt man schon deutlich: Das unter Gurdiola perfektionierte Positionsspiel funktioniert nicht mehr – weil auch kein Wert darauf gelegt wird. Darum kann man aktuell von einem klaren Rückschritt sprechen.“

Von Constantin Eckner und Manuel Bonke

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