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"In Bayern steckt noch viel van Gaal"

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Taktisch versiert, fußballinteressiert: Tobias Escher © imago/fkn

München - Tobias Escher hat eine Homepage für Taktik zum Anfassen gegründet. Die tz sprach mit dem Hannoveraner über das erfolgreiche System des FC Bayern und die Maßnahmen von Jupp Heynckes.

Im Fußball-Mutterland England wird schon länger ganz genau hingeschaut. Wie verschieben die Spieler ihre Positionen? Wo tauchen sie wann im Raum auf? Wer übernimmt welche Aufgabe? Auf einer Internetseite wird zeitnah nach jeder Partie die Taktik der Mannschaften auseinandergenommen, das Schachspiel der Trainer zu einem gläsernen System gemacht. Und was in England so erfolgreich läuft, dass selbst die Trainer sich diese Expertenseite in die Favoritenleiste kopieren, könnte nun auch in Deutschland für Aufklärung sorgen. Tobias Escher hat www.spielverlagerung.de gegründet, eine Homepage, auf der die Hintergründe des reinen Ergebnisses beleuchtet werden. Taktik zum Anfassen, sozusagen. Die tz sprach mit dem Hannoveraner über das erfolgreiche System des FC Bayern und die Maßnahmen von Jupp Heynckes.

Vom Sicherheitsrisiko zum Bollwerk – Herr Escher, können Sie uns erklären, was da in der Abwehr beim FC Bayern München im Vergleich zur Vorsaison passiert ist?

Escher: Eigentlich gar nicht so viel. Dass der FC Bayern jetzt so stabil in der Defensive steht, hängt meiner Meinung nach vor allem mit drei Neuverpflichtungen zusammen: Jerome Boateng agiert bei langen Bällen sehr abgeklärt. Und genau da hatten Badstuber und van Buyten in der vergangenen Saison große Probleme. Der neue Mann an ihrer Seite gibt ihnen da Sicherheit. Mit dem Kauf von Rafinha hat man ebenfalls Qualität in die Abwehr reingebracht. Vor allem kann jetzt Lahm wieder links spielen.

Fehlt noch der dritte entscheidende Neuzugang.

Escher: Manuel Neuer. Man hat sofort erkennen können, dass Neuer sehr wichtig für das Abwehrnetz ist, weil er als Torwart weite Pässe des Gegners abfängt und damit dafür sorgt, dass die Abwehr weiter vorne spielen kann. Die Rolle von Luiz Gustavo darf man übrigens auch nicht unterschätzen. Gustavo steht sehr gut und verhinderte viele Schnittstellenpässe. Er ist der Bundesligaspieler, der die meisten Pässe abfängt, und das nicht erst, seit er beim FC Bayern spielt.

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Und wie sieht es mit Trainerneuzugang Jupp Heynckes aus, inwieweit hat er das Bayern-Spielsystem verändert?

Escher: Eine große Revolution hat Heynckes nicht gestartet. Im Spiel der Bayern steckt immer noch viel van Gaal. Heynckes profitiert vor allem von der Passsicherheit, die unter van Gaal eingekehrt ist. Aber Heynckes hat auch Dinge geändert. Bei van Gaal ging es ja sehr stark um Ballbesitz. Und die Positionen mussten konsequent eingehalten werden. Beides hatte unter van Gaal etwas Mantraartiges und ist unter Heynckes nicht mehr nur Selbstzweck.

Der Wohlfühlfaktor soll unter Heynckes auch gestiegen sein.

Escher: Das kann ich mir vorstellen, nach allem, was man so hört. Aber wir bei spielverlagerung.de betrachten das Spiel an sich. Um die weichen Faktoren kümmern sich andere. Das ist Kaffeesatzleserei, an der wir uns nicht beteiligen wollen.

Würden Sie Jupp Heynckes als Taktikfuchs bezeichnen?

Escher: Er ist ein taktisch guter Trainer, war ja auch einer der ersten, der Mitte der 90er-Jahre in der Bundesliga die Raumdeckung und die Viererkette einführen wollte, dabei aber in Frankfurt scheiterte. Jupp Heynckes steht nicht für das totale Spektakel. Er ist aber ein Trainer, der wenig Fehler macht.

Großes Vorbild aller Taktikblogs ist „zonalmarking.net“ in England. Es heißt, dass sogar schon Trainer von Premier-League-Klubs bei Blog-Gründer Michael Cox um Rat gefragt haben.

Escher: Einer hat wohl tatsächlich mal angerufen.

Bei Ihnen hat sich aber noch kein Bundesliga-Trainer gemeldet?

Escher (lacht): Nein.

Roland Wiedemann

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