Teurer Neuzugang

Ist Benatia sein Geld wert?

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Luft nach oben, in allen Kategorien: Bayern-Neuzugang Benatia deutete in Rom an, dass er gewisse Qualitäten hat.

München - Bayern ließ sich Mehdi Benatia viele Millionen kosten – die Preisfrage lautet: Ist er sein Geld aus sportlicher Sicht wert? Er muss sich steigern, findet Merkur-Redakteur Andreas Werner.

Um Sympathiepunkte zu sammeln, ist Mehdi Benatia nicht nach München gekommen. So sieht es zumindest nach seinen ersten zwei Monaten beim FC Bayern aus. Nach seinem Debüt in der Champions League gegen Manchester City vor einigen Wochen ließ er sogar die extra aus seiner marokkanischen Heimat angereisten Reporter stehen, er blickte sie bloß finster an und winkte ab; keine Lust auf Fragen.

Diese Woche beim 7:1 in Rom hielt er auf dem Weg zum Bus kurz an – aber nur für eine Kampfansage. „Mein Spiel war heute eine Nachricht an die deutsche Presse“, sagte er auf die Schnelle dem Vertreter von „Sport1“. Man solle „erst abwarten, ehe man mich kritisiert“. Dann stapfte er davon.

Nun, die Bayern haben sicherlich keine Millionen ausgegeben, damit einer kommt, um Sympathiepunkte zu sammeln. Allerdings blätterten sie Ende August, nach Javi Martinez’ Kreuzbandriss zum Handeln gezwungen, viel Geld auf den Tisch – und so wird sich der Mann die Preisfrage gefallen lassen müssen, die da lautet: Ist er das alles wirklich wert, in sportlicher Sicht?

Bisher durfte Benatia in der Bundesliga nur in zwei Spielen mitwirken. Erst hemmten ihn Blessuren, dann Fitnessprobleme. Zuletzt schob er eine Extraschicht am trainingsfreien Tag, in Rom durfte er dann im dritten Champions League-Spiel zum dritten Mal in Folge in der Startelf ran.

Er spielte gut, trotz der Pfiffe der Tifosi, die seinen Wechsel zu den Münchnern als Verrat interpretieren, aber der schnelle Gervinho huschte ihm auch einige Male davon. Zudem muss er auch mal gut spielen, um die Fragen nach der Qualität verstummen zu lassen.

Benatia ist ein Spätstarter

Gegen Manchester verteidigte er solide, gegen Moskau spielte er schlecht. Die raren Auftritte in der Liga erlauben kaum Rückschlüsse auf sein Potenzial. Dass er bisher noch keine Begeisterung auslöst, ist eine Tatsache, die keine Kampfansage auslöschen wird. Er muss sich steigern.

Benatia ist ein Spätstarter. Bis zum Sommer war er allenfalls einem kleinen Zirkel von Experten ein Begriff. Bei Freiburg verkannten sie vor ein paar Jahren sein Potenzial (oder ließ er damals keines erkennen?), erst in der vergangenen Saison in Rom erarbeitete sich der 27-Jährige einen Ruf als kompromissloser Innenverteidiger. Real Madrid, Barcelona, Chelsea und ManCity sollen, behauptet Benatia, Interesse gehabt haben, er aber wollte unbedingt zum FC Bayern.

Der Transfer lief nicht ohne Komplikationen ab: Roma-Chef James Palotta warf dem Abtrünnigen vor, in der Kabine das Klima vergiftet und die Bosse belogen zu haben. Man habe sich auf ihn wie auf einen Stein verlassen und sei enttäuscht worden. „Der Monolith“, so Sportchef Walter Sabatini, „ist zusammengebrochen. Er war nicht mehr der Spieler, den wir so geschätzt haben.“

Als letzte Rache behauptete Sabatini, die Ablöse würde 28 Millionen Euro plus Boni von vier Millionen betragen, was zwei bis sechs Millionen höher wäre als die Summen, die die Bayern publizierten.

Der Monolith steht in den nächsten Wochen weiter auf dem Prüfstand. Wird er zum Fels in der Abwehr? In Rom hat er einen ersten zarten Anfang gemacht. Die Pfiffe gegen ihn habe er „kaum gehört“, war der Klubhomepage gestern zu entnehmen. „Ich hoffe, dass ich gezeigt habe, warum Bayern mich verpflichtet hat.“ Nun, noch nicht ganz. Aber sein Vertrag geht ja fünf Jahre. Genug Zeit, um Punkte zu sammeln. Luft nach oben hat er. In allen Kategorien.

Andreas Werner

 

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