Nach Champions-League-Sieg

Thomas Müller: "Haben einen Hunger, als wenn wir 18 wären"

+
Äußerst schnittig unterwegs: Douglas Costa und die Bayern setzen ihren imposanten Lauf Tor um Tor fort.

München - "Immer gefräßig bleiben." Nach dem Spiel gegen Olympiakos Piräus wird beim FC Bayern deutlich: Die Spieler beleben das alte Nimmersatt-Mantra von Oliver Kahn neu.

Die Hilflosigkeit, die Olympiakos Piräus an diesem Abend kennzeichnete, erfasste kurz vor der Geisterstunde auch die mitgereisten Reporter. Sie hatten sich eh schon gewundert, wie viel es in der Allianz Arena zu essen gab und wie groß alles sei – doch dann verloren sie in den Katakomben restlos die Orientierung. Ob es hier zu den Toiletten ginge, wollte einer wissen und deutete auf eine Türe. Nein, sie führte in die Mixed-Zone. Dieser nicht unwichtige Bereich, in dem die Spieler Interviews geben und in dem ab und an denkwürdige Sätze fallen. Brown Ideye, Angreifer von Piräus, diktierte beispielsweise am Dienstag den griechischen Reportern, die gerade nicht die Toiletten suchten oder das Angebot bestaunten, folgende Aussage in ihre Blöcke: „Ich habe mich gewundert, dass wir hier nur vier Tore kassiert haben.“

Man sei angereist, „um unseren Stolz zu zeigen“, sagte Pajtim Kasami. Der Mann ist Schweizer, hat sich aber hellenischen Pathos offenbar relativ schnell angeeignet. Vom Stolz war nicht viel übrig, ein 0:4 lässt nur noch Raum zum Schwärmen. „Das ist das beste Team in Europa“, meinte der Gästetrainer Marco Silva, „deshalb gewinnen sie alles.“ Zumindest bisher.

Nimmersatt-Mantra von Oliver Kahn wird neu belebt

Die Bayern sparen Euphemismus bei sämtlichen Analysen ihres Schaffens natürlich aus. Zwar schießen sie gerade mit dem FC Barcelona um die Wette, doch auf die Frage, ob es nur auf ein Finale mit den Katalanen herauslaufen könne, schüttelte Thomas Müller den Kopf: Momentaufnahme. Es gäbe fünf, sechs Teams, die in der Champions League den Titel holen können. „Und gegen die richtig Großen kannst du nichts garantieren – können die genauso wenig.“

Was seine Bayern aber nun schon seit geraumer Zeit auszeichne, sei diese Gier, wie sie vielleicht nur Teenager kennen: Diese Lust auf alles, dieser unstillbare Appetit auf die ganze Palette, die einem das Leben so bietet. „Wir haben einen Hunger, als wenn wir alle 18 wären – dabei haben viele bei uns schon einiges erlebt“, sagte Müller. In diesem Spätherbst 2015 sind die Bayern auf dem besten Weg, das alte Nimmersatt-Mantra des ehemaligen Kapitäns Oliver Kahn aufs Neue zu beleben. „Wir sind gefräßig“, sagte der Torwart, über den man raunte, er sei aus Titan gemacht, einst, als die Münchner zur Jahrtausendwende in Europas Spitze etabliert waren.

Auch wenn die echten Reifeprüfungen wie in jeder Saison erst kommen, wenn der Schnee langsam zu schmelzen beginnt, und der Münchner Sportchef Matthias Sammer ausnahmsweise mal zu Recht mahnen darf („das ist kein 10.000-Meter-Rennen, das ist ein Marathon“), lässt sich derzeit immer wieder festhalten, welch bemerkenswerte Entwicklung die Mannschaft genommen hat. Müller, Robert Lewandowski und Douglas Costa zeichnen nun bereits für 44 Tore verantwortlich, und Müller lächelte belustigt, als er auf ein mögliches magisches Dreieck angesprochen wurde. „Wir haben ja eher ein magisches Achteck – es trifft hier jeder mal.“

FC Bayern: Sie sind Wahnsinn, sie sind hungrig

Wohl wahr, gegen Piräus steuerte etwa Kingsley Coman das 4:0 bei. Auch der junge Franzose zählt zu diesen Spielern, wegen denen sich Pep Guardiola am Dienstagabend vor der Führungsetage schier verneigte: „Ich muss ein großes Kompliment an den Verein aussprechen. Und vielen Dank an Karl-Heinz Rummenigge, Matthias Sammer und Uli Hoeneß, da sie all diese Wahnsinn-Spieler zu uns geholt haben.“

Sie sind Wahnsinn, sie sind hungrig – und sie haben einen Trainer, der weiß, wie er sie einzusetzen hat. Resultat: Sogar die Gästereporter verlieren am Ende den Überblick.

Heidi Vilia mit

Auch interessant

Meistgelesen

Eberl zu Bayern? Gladbach-Vize poltert: „Keinen Bock mehr“
Eberl zu Bayern? Gladbach-Vize poltert: „Keinen Bock mehr“
Ist Bayern zu abhängig von Tormaschine Lewandowski?
Ist Bayern zu abhängig von Tormaschine Lewandowski?
Matthäus im Interview: „Ancelotti muss Lösungen finden!“
Matthäus im Interview: „Ancelotti muss Lösungen finden!“
Ticker: Bayern-Coach Ancelotti verzichtet auf Leistungsträger
Ticker: Bayern-Coach Ancelotti verzichtet auf Leistungsträger

Was denken Sie über diesen Artikel?

Kommentare