Am Freitag wird ausgelost

Müller erweitert sein Repertoire

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Lautsprecher für den Lautsprecher: Die Show auf Europas Bühne ist für Thomas Müller noch nicht vorbei.

München - Thomas Müller war 90 Minuten lang im Spiel gegen Juventus Turin fast nicht zu sehen - und wurde doch zum Matchwinner. Damit erweitert der Ur-Bayer auch sein Repertoire.

Update vom 18. März: Am heutigen Freitag findet die Auslosung für das Viertelfinale der Champions League statt. Wir haben bereits zusammengefasst, wer die möglichen Gegner des FC Bayern sind und wie Sie die Auslosung live im TV und Live-Stream sehen können. Außerdem bieten wir einen Live-Ticker zur CL-Auslosung.

Manch einer ist es vielleicht müde, immer wieder diesen Thomas Müller als Paradebeispiel heranzuziehen, wenn es um die Charakterisierung eines Spiels geht. Aber man muss doch auch zugeben: Es gibt kaum eine Partie, bei der dieser Typ nicht als Sinnbild passt. Auch am Mittwoch in der späten Nacht war es kein Zufall, dass die Fans nach der Aufholjagd zum 4:2 gegen Juventus Turin den Müller sehen wollten. Natürlich trat er hervor aus der Meute, nahm sich das Megaphon und animierte seine Teamkollegen zum Tanzen. Müller ist ein Mann, der alles kann. Entertainer sein, überragend spielen, Tore aus unmöglichen Situationen schießen, schimpfen, lachen, provozieren... Neu in seinem Repertoire: 90 Minuten lang komplett untertauchen – und dann zum Mann des Abends werden.

Seinen Treffer zum Ausgleich, der die Bayern in der Nachspielzeit vor dem Aus im Achtelfinale und in die Verlängerung rettete, verpackte der Nationalspieler in der Spielanalyse sehr nett. Müller musste aber selber lachen, als er sagte: „Das 1:2 hat uns Leben eingehaucht. Das 2:2 auch. Und ja, das 3:2 auch.“ Natürlich hatte es in diesem Spiel, das alles hatte, was ein packender Krimi braucht, mehrere Protagonisten gegeben. Robert Lewandowski, der mit seinem Anschlusstreffer bewiesen hatte, „dass wir noch leben“ (Karl-Heinz Rummenigge). Dann Thiago, der in der Verlängerung zum Sieg traf, und Kingsley Coman, der Sekunden später mit dem 4:2 alles absicherte. Aber Müllers Kopfball nach der 90. Minute war die elementarste Aktion der Aufholjagd.

Rummenigge: "Drittes Tor von Juve wäre unser Ende gewesen"

„Wir haben alle daran geglaubt. Jeder wollte unbedingt“, sagte Manuel Neuer, der den ersten Gegentreffer durch Paul Pogba zwar mitverschuldet, danach die Bayern aber im Spiel gehalten hatte. „Das dritte Tor von Juve“, sagte Rummenigge, „wäre das Ende unserer Champions League-Träume gewesen“. Es gab zwischendurch genügend Medienvertreter, die den Abgesang auf Pep Guardiola und seine gescheiterte Mission vom Titel in der Königsklasse schon geschrieben hatten. Sie alle aber wurden eines Besseren belehrt. Guardiola ist noch nicht fertig.

„Diese Mannschaft“, sagte Matthias Sammer, „ist jederzeit in der Lage, ein, zwei Tore zu erzielen.“ Eine Qualität, die sie noch nicht lange hat. Im Vorjahr gegen Barcelona etwa hatte dem Sportvorstand der unbedingte Wille gefehlt. Diesmal aber habe jeder gewusst: „Wir können etwas ganz Verrücktes schaffen.“ Verrückt war dieser Abend voller Ärger, Wut, Kampf, Willen, Hoffnung, Mut und Jubel allemal. Sogar so verrückt, dass Müller weit nach Mitternacht zugab: „Im Moment bin ich eher platt als euphorisiert.“

Lahm: "Sieg schweißt enger zusammen"

Man musste Kräfte lassen in diesem Achtelfinal-Rückspiel, das man am Ende laut Rummenigge „verdient, aber mit einem Quäntchen Glück“ gewonnen habe; auf lange Sicht betrachtet wird dieser Abend neue Kräfte freisetzen. „So ein Sieg schweißt noch enger zusammen“, sagte Kapitän Philipp Lahm. Wer so füreinander einsteht, wer zurückkommt, wenn er eigentlich am Boden liegt – der kann doch auch die Champions League gewinnen?

Die Zielsetzung ist klar, wenn man vier Mal in Folge im Halbfinale stand. Und Guardiola war es deshalb egal, wer seinen Bayern heute in Nyon zugelost wird. „Wir sind da!“, verkündete der Coach, nachdem er einmal durch die Hölle und zurück gegangen war. Ein deutsch-deutsches Duell gegen Wolfsburg „wünscht sich kein deutscher Fan“ (Lahm), den Kalibern Barca, Real, Paris und ManCity würde man in der Runde der besten Acht am liebsten noch aus dem Weg gehen. Da blieben Atletico Madrid und Benfica Lissabon. Neuer sagte selbstbewusst: „Wir sind entspannt. Denn es wünscht sich auch keiner den FC Bayern.“

Rummenigge mit Generalkritik

Dass die Auslosung kein Wunschkonzert ist, liegt in der Natur der Sache. Und trotzdem nahm Rummenigge das Aus einer großen Mannschaft wie des Vorjahresfinalisten Juve zum Anlass für eine Generalkritik. „Was mir nicht gefällt: Wir sind alle abhängig vom Schicksal“, sagte der Bayern-Boss und appellierte an die UEFA: „Sie sollten sich überlegen, ob man irgendwann auch mal über Setzlisten oder Ähnliches nachdenkt.“ Seine Bedenken hatte er schon beim Mittagessen mit den Juve-Vertretern geäußert. Am Abend fügte er an: „Das ist nicht mehr tragbar.“

Ihm persönlich reiche es „mit dem Schicksal“. Eine gewagte Aussage nach diesem Abend. Denn es gab vielleicht doch einen Faktor, der das Spiel noch mehr geprägt hatte als Müller. Blöd für Rummenigge: Es war das Schicksal.

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