Ex-Bayer im tz-Interview

Strunz: Der VfL? Marketing für VW

Thomas Strunz spricht im tz-Interview über den Bundesliga-Auftakt des FC Bayern gegen den VFL Wolfsburg

München - Ex-Bayern-Spieler und Ex-Wolfsburg-Manager Thomas Strunz spricht im tz-Interview über den Liga-Auftakt des FC Bayern gegen den VFL Wolfsburg.

Mit dem FC Bayern feierte Thomas Strunz als Profi seine größten Erfolge, in Wolfsburg zog der 46-Jährige vor knapp zehn Jahren als Manager die Fäden. Die tz sprach mit Strunz vor dem Duell seiner Ex-Klubs.

Herr Strunz, der FC Bayern hat viele Weltmeister, aber momentan auch viele Verletzte. Wie viel Prozent FCB gibt es heute zu sehen?

Strunz: Dass die Weltmeisterschaft Spuren hinterlassen würde, war klar. Es waren viele Spieler des FC Bayern unterwegs. Aufgrund der kurzen Vorbereitung werden die Weltmeister in keinster Weise schon in ihrem Top-Zustand sein können. Das geht nach so einem emotionalen Erlebnis auch noch gar nicht. Der eine braucht etwas länger, um in bester Verfassung zu sein, bei dem anderen geht es durch seine Routine vielleicht schneller. Der Saisonauftakt wird kompliziert werden. Aber die Klasse der Bayern ist trotzdem so groß, dass sie auch zu Saisonbeginn die nötigen Punkte holen werden.

Ist der relativ dünne Kader und die kurze Vorbereitung ein Risiko für die Ziele des FCB?

Strunz: Das glaube ich nicht. Die Spieler werden ihre Form bald wiederfinden, und das Trainerteam kennt sich mit so einer Situation aus. Pep Guardiola hatte die gleiche Problematik doch auch nach der WM 2010 in Barcelona und hat bewiesen, dass er damit umgehen kann. Ich glaube nicht, dass diese Dinge den Rekordmeister an seinen Zielen hindern werden.

Also ist ein Last-Minute-Transfer kein Muss?

Strunz: Es ist doch logisch, dass man sich bei so schwerwiegenden Ausfällen und den WM-Nachwehen auf dem Markt umguckt. Aber wenn man noch einen Spieler holt, dann muss er auch perspektivisch in die Mannschaft passen, nicht nur für sechs Monate. Da werden sich die Verantwortlichen schon ihre Gedanken machen. Und wenn sie einen geeigneten Mann finden, werden sie sicher noch etwas tun.

Pep setzt auf eine Dreierkette, die sich bisher kaum einspielen konnte. Die Chance für die Konkurrenz?

Strunz: Das kann natürlich passieren. In der letzten Saison fiel auch auf, dass die Bayern zu Beginn konteranfällig wirkten. Sie waren noch nicht so ausbalanciert, um die Räume in der Gegenbewegung zu schließen. Und Wolfsburg verfügt über die Fähigkeiten, dem FCB weh zu tun. Der VfL hat qualitativ hochwertige Spieler und schnelle Angreifer.

Vor gut zehn Jahren waren Sie Manager beim VfL. Seitdem hat sich einiges geändert, vor allem die Finanzkraft des Vereins…

Strunz: Der Turn-around ist in Wolfsburg 2007 entstanden und eng mit der Personalie Martin Winterkorn verknüpft. Als er Vorstandsvorsitzender bei VW wurde, hat er gesagt: „Der VfL ist ein Marketinginstrument für unseren Konzern.“ Dementsprechend werden die Gelder aus dem Marketingetat des Gesamtkonzerns bereitgestellt. Und wie hoch der bei dem umsatzstärksten Unternehmen in ganz Deutschland ist, kann man sich ja vorstellen. Das ist nicht zu vergleichen mit meiner Zeit, in der Bernd Pischetsrieder noch VW-Chef war, der mit dem Fußball eher weniger zu tun hatte.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung?

Strunz: Ich glaube, dass die beiden Personalentscheidungen Dieter Hecking und Klaus Allofs absolut richtig waren und dass in dem Verein jetzt strategisch und strukturell gearbeitet wird. Und das Jugendleistungszentrum, das zu meiner Zeit schon gebaut wurde, trägt mit Spielern wie Maximilian Arnold und Robin Knoche erste Früchte. Ich glaube, dass die Mischung stimmt und der VfL über einen langen Zeitraum ein ernsthafter Konkurrent für den FC Bayern sein kann.

sw

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