Strunz im tz-Interview über Transfers

"Bald geben die Bayern auch 80 Millionen aus"

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Thomas Strunz.

München - Im tz-Interview spricht Thomas Strunz über den Verteidiger-Rekordtransfer des FC Bayern. Er erwartet, dass der Rekordmeister bald in andere Dimensionen vorstößt.

Herr Strunz, der FC Bayern hat für insgesamt rund 30 Millionen Euro Mehdi Benatia verpflichtet – der teuerste Verteidiger der Liga-Geschichte. Gibt es in Deutschland bald auch diese Wahnsinnstransfers wie in England und Spanien, wo Real Madrid für 80 Millionen Euro James Rodriguez ausgegeben hat?

Thomas Strunz (46): Ich glaube nicht, dass wir weit davon entfernt sind. Wenn ich lese, dass in den ersten 14 Tagen nach der Verpflichtung von James schon 400 000 Trikots von ihm verkauft wurden, dann sieht man, wie so ein Transfer refinanziert wird. Mit Hose und Stutzen liegt man pro Trikot heutzutage bei 100 Euro, dann sind 40 Millionen wieder eingenommen. Ich glaube schon, dass bald auch der FC Bayern in diese Transferdimensionen verstoßen wird und es auch muss. Wenn die anderen Vereine dieses Spiel so weiterführen, sind solche großen Summen irgendwann notwendig, um die Topspieler zu bekommen.

Droht der Bundesliga dann eine ähnlich große Verschuldung wie anderen europäischen Top-Ligen?

Strunz: Nein, ich sehe die Bundesliga auf einem gesunden Weg. Da passieren keine verrückten Dinge. Aber der Trend geht nunmal in diese Richtung. Man kann aber auch nicht alle Vereine miteinander vergleichen. Der FC Augsburg hat andere Ziele als der FC Bayern. Die Münchner wollen internationaler werden, nicht umsonst sind sie nach Amerika und China gegangen. Auch dort wollen sie die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Warum hatte Franck Ribéry bei der Weltfußballerwahl keine Chance gegen Cristiano Ronaldo? Der hat in England und Spanien gespielt und ist dadurch in Asien unheimlich bekannt. Da hat die Liga Nachholbedarf. Auch die Bayern sind noch nicht auf Augenhöhe mit Real, Barça & Co. Aber da werden sie hinkommen, das ist nur eine Frage der Zeit.

Wenn internationale Vermarktungs- und Merchandisingeinnahmen denen der ausländischen Konkurrenz angepasst sind?

Strunz: In Deutschland ist der FCB auf dem Merchandisingmarkt ganz oben angekommen, da gibt es kaum Steigerungsmöglichkeiten. Aber im internationalen Bereich schlummert noch sehr großes Potenzial. Das haben die Verantwortlichen schon längst erkannt und ihre Strukturen dementsprechend ausgerichtet. Zum Beispiel haben sie ein Vorstandsmitglied für die Internationalisierung installiert. Es hat alles Hand und Fuß, was die Münchner da machen. Der nächste Schritt muss es jetzt sein, auch im Ausland zu der internationalen Konkurrenz aufzuschließen.

Mehdi Benatia in München: Die ersten Fotos

Mehdi Benatia in München: Die ersten Fotos

National wollen der VfL Wolfsburg und RB Leipzig zum FCB und dem BVB aufschließen – mit finanzkräftiger Sponsorenhilfe. Ist diese Entwicklung schädlich für den Fußball?

Strunz: Das finde ich überhaupt nicht. Jeder Verein hat seine eigene Philosophie. Der FC Bayern hat sich mit Audi, Adidas und Allianz auch drei große Partner ins Boot geholt, von denen jeder einen dreistelligen Millionenbetrag auf den Tisch gelegt hat. Das ist auch ein Investorenmodell und im Grunde genommen keine andere Situation als bei Wolfsburg oder Leipzig. Im positiven Sinne heißt es strategische Partner, im negativen Sinne sind es die Scheichs, Oligarchen und Mateschitz und Hopps dieser Welt. Das passt für mich nicht zusammen. Interview:

sw

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