Titan, Katsche, Bulle: Die Europapokal-Helden des FC Bayern

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Die Spieler des FC Bayern München stellen sich am 28.06.1972 mit der eroberten Meisterschale für ein Mannschaftsfoto im Münchner Olympiastadion auf. Stehend (v.l.): Franz Beckenbauer, Wilhelm Hoffmann, Uli Hoeneß, Trainer Udo Lattek, Georg Schwarzenbeck, Gerd Müller, Franz Krauthausen, Franz Roth; Hockend: Rainer Zobel, Johnny Hansen, Sepp Maier, Paul Breitner (Archivfoto vom 28.06.1972).

München - Viermal hat der FC Bayern bislang den Europapokal der Landesmeister gewonnen. Doch ohne Spieler wie Hans-Georg Schwarzenbeck und vor allem Franz Roth wäre der Rekordmeister nicht das, was er heute ist.

Ohne Gerd Müller, hat Franz Beckenbauer einmal gesagt, ohne Gerd Müller „wäre der FC Bayern nicht das, was er heute ist“. Würde also noch immer „in dieser kleinen Bretterbude“ an der Säbener Straße hausen - und wäre demzufolge auch nicht deutscher Rekordmeister, deutscher Rekordpokalsieger und sechsmaliger Europapokalsieger geworden. „Wir haben dem Gerd alles zu verdanken“, sagt der „Kaiser“. Alles? Genau genommen wäre der FC Bayern auch ohne Oliver Kahn, Hans-Georg Schwarzenbeck und Franz Roth nicht da, wo er heute ist.

Als der FC Bayern 1967 den Europapokal der Landesmeister gewann, stand Müller in der Mannschaft, spielentscheidend war er nicht. Als der FC Bayern 1974 die Trophäe mit den großen Ohren zum ersten Mal zu fassen bekam und dann auch 1975 und 1976 nicht hergab, wäre das nicht möglich gewesen ohne „Katsche“ und „Bulle“. Und 2001, beim Endspiel der Champions League in Mailand gegen den FC Valencia, wurde Oliver Kahn mit drei gehaltenen Elfmetern zum „Titan“. Gut, Gerd Müller spielte da schon längst nicht mehr.

Tatsächlich ist Franz Roth, genannt „Bulle, der „Mister Europacup“ des FC Bayern. Dreimal hat er in Europapokal-Endspielen das 1:0 erzielt, zweimal war es der Siegtreffer. Am 31. Mai 1967, im Finale des Europapokals der Pokalsieger in Nürnberg, traf er in der 108. Minute gegen die Glasgow Rangers zum 1:0, es war zugleich der Endstand. Das sei sein wichtigstes Spiel gewesen, sagt Roth, „für uns war dieser Titel der Durchbruch“. Der FC Bayern war bis dahin erst einmal deutscher Meister geworden - 1932.

Ehe die Münchner aber endgültig in das Pantheon der erfolgreichsten Klubs der Welt aufstiegen, musste erst einer der unprätentiösesten Menschen, die je für den FC Bayern gespielt haben, ein bisschen nachhelfen. Mit einem Treffer, der nicht mal zum Sieg reichte. Am 15. Mai 1974 lief im Landesmeister-Endspiel in Brüssel die vorletzte Minute der Verlängerung gegen Atletico Madrid, als sich „Katsche“ Schwarzenbeck ein Herz fasste: Schuss aus 30 Metern, 1:1. „So hätte nicht einmal der Pele treffen können“, sagte der „Putzer des Kaisers“.

Im Wiederholungsspiel zwei Tage später macht der 22 Jahre alte Uli Hoeneß „das Spiel meines Lebens“, trifft beim 4:0 gegen die müden Spanier zweimal - wie Gerd Müller. Der Beginn einer Ära. Ein Jahr später, beim 2:0 gegen Leeds United in Paris, ackern die Bayern 72 Minuten lang - dann trifft der „Bulle“. Der „Bomber“ legt zehn Minuten später nach. Wieder ein Jahr später erzielt Roth den einzigen Treffer gegen AS St. Etienne (1:0). Dreimal das 1:0, zweimal der Siegtreffer in einem Europapokal-Endspiel - das ist bisher nur ihm gelungen.

Der Sieg 1976 hatte eine besondere Note. Im Hotel der Bayern in Glasgow wohnten die Rolling Stones. „Nachts konnten wir schlecht schlafen, weil sie auf ihrer Etage immer wie die Wilden feierten“, erinnert sich Roth, „sie gingen uns tierisch auf den Sack.“ Tagsüber platzte Sänger Mick Jagger sogar mal in eine Mannschaftsbesprechung. Trainer Dettmar Cramer aber habe cool reagiert: „Mick, you have to leave the room, because I'm preparing the team.“ Mick zog brav ab.

Seinen Spitznamen hat Roth dem einstigen Trainer Zlatko „Tschik“ Cajkovski zu verdanken. „Der sagte immer: 'Franz hat Kraft wie eine Muh. Der Maier Sepp sagte dann: 'Das heißt bei uns Bulle.' Dabei ist es dann geblieben“, erinnert sich der 66-jährige Roth. Noch heute sitzt er regelmäßig in der Arena auf der Tribüne neben all den Größen, die ihm so viel zu verdanken haben. „Der Franz, der Uli, Karl-Heinz, Gerd...“, zählt Roth auf, „wir sind eine große Familie.“

„Katsche“ Schwarzenbeck ist nach wie vor der Haus- und Hoflieferant für Büroartikel. Oliver Kahn gilt von Zeit zu Zeit als ernsthafter Anwärter auf einen verantwortlichen Posten an der Säbener Straße, wo heute anstelle dieser Bretterbude eine imposante Klub-Anlage steht. Gerd Müller ist immer noch als Trainer beim FC Bayern tätig. Beckenbauer ist mittlerweile Ehrenpräsident. Aber vor allem immer noch der „Kaiser“.

sid

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